Linda Jopp ließ sich in Spandau zur Graveurin ausbilden
Handarbeit vom Feinsten

Linda Jopp arbeitet in einem Nischenberuf. Sie ist Glasveredlerin und die einzige in der Hauptstadt, die in der Fachrichtung Gravur in Berlin ausgebildet wurde. 
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  • Linda Jopp arbeitet in einem Nischenberuf. Sie ist Glasveredlerin und die einzige in der Hauptstadt, die in der Fachrichtung Gravur in Berlin ausgebildet wurde. 
  • Foto: Ulrike Kiefert
  • hochgeladen von Alexander Schultze

Linda Jopp braucht eine ruhige Hand und viel Konzentration. Die junge Frau ist Glasveredlerin. Ihre Gesellenprüfung schloss sie mit „hervorragenden Leistungen“ ab. Jetzt arbeitet sie bei Gravurmeisterin Inge Gerner auf der Zitadelle.

Linda Jopp sitzt am Schleifgerät. Mit ruhiger Hand schleift sie feine Federn in die Oberfläche eines Weinglases. 30 Minuten höchste Konzentration. In der Glasgravur-Werkstatt von Inge Gerner gibt es für die junge Frau jeden Tag neue Aufgaben: Sie graviert Vasen, Trinkgläser, Kelche und Schalen. Was sie bei der Arbeit reizt, ist die Präzision. Denn beim Arbeiten mit Glas ist Vorsicht geboten, es kann brechen. Außerdem müssen die Konturen stimmen, die Tiefen ebenso. „Glas ist ein interessantes, schönes Material“, sagt Linda Jopp. „Sehr spröde, aber auch ein bisschen elastisch.“

Theorie in Bayern, Praxis in Spandau

Gelernt hat die 21-Jährige ihr Handwerk in der Glasfachschule Zwiesel, einer staatlichen Berufsschule im Bayerischen Wald. Drei Jahre dauerte die duale Ausbildung zur Glasveredlerin mit Schwerpunkt Gravur. Im Mai schloss sie ihre Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer ab. Mit Bravur. Linda Jopp wurde bundesweit die Jahrgangsbeste bei der Glasveredelung. Und sie ist die einzige Glasveredlerin in der Fachrichtung Gravur, die in Berlin ausgebildet wurde. Ihre praktische Berufsausbildung machte sie nämlich bei Inge Gerner auf der Zitadelle Spandau. Überzeugt von ihrem Talent hat die Gravurmeisterin Linda Jopp nach der Ausbildung fest angestellt. „Sie ist sehr geeignet, kann gut zeichnen, ist geduldig, detailfreudig und arbeitet gern mit Glas“, sagt Inge Gerner. „Wir wollten sie haben, und sie hat zugesagt.“

Darum wohnt Linda Jopp, die aus der Nähe von Dresden stammt, jetzt in Spandau. In einer WG im Falkenhagener Feld. „Es gibt in Deutschland nicht viele Firmen, die Glasgraveure einstellen“, sagt sie. Denn Glasveredler ist ein Nischenberuf. Dabei hat er eine lange Tradition. Die ersten menschlichen Spuren von Handgravuren führen in die Urzeit zurück. Kunstvolle Glasgravuren existierten schon vor 2500 Jahren. Doch wie kam Linda Jopp zu dieser Handarbeit? „In meiner Familie gab es immer schon viel Glas und Kristall“, sagt sie. Ihre Mutter sammelt kleine Glasfiguren, und hat so auch ihre Tochter früh für den glänzenden Werkstoff begeistert. Ursprünglich wollte sie Glasbläserin werden. Doch sie fand keinen freien Ausbildungsplatz. Also bewarb sich Linda Jopp in Zwiesel und wurde angenommen. Für ihre erste Arbeit bei Inge Gerner musste sie kleine Kugeln auf einen Trinkbecher schneiden. „Das war verdammt schwierig. Die Kugeln mussten gleich groß sein und auf selber Höhe liegen.“ Aber sie bekam es hin, und hat den Becher aufgehoben.

Gesellenstück ist noch in Zwiesel ausgestellt

Ihr Gesellenstück für die praktische Abschlussprüfung war da schon aufwendiger. „Xiaomeng“, chinesisch „Frühlingsknopse“, hat Linda Jopp sie genannt. „Weil ein Gesellenstück das Ende und den Anfang eines neuen Lebensabschnitts darstellt.“ Xiaomeng ist eine Schatulle mit einer Grundplatte aus Mahagoni, einem schmalen Rahmen und vier Scheiben als Seitenwände. Obenauf sitzt ein Stülpdeckel aus Glas. Als Gravurmotiv hat sich Linda Jopp für eine chinesische Berglandschaft entschieden mit Pinie, Azalee, Teesträuchern und Pfingstrosen im Vordergrund der Bergsilhouette. China kennt Linda Jopp von Reisen mit ihrem Vater. 40 Arbeitsstunden waren für das frei gestaltete Gesellenstück vorgeben. Zurzeit ist es noch in Zwiesel ausgestellt. „Es ist nicht perfekt“, hat Linda Jopp in ihrer Abschlussarbeit geschrieben. „Aber es ist meins, und das ist ein schönes Gefühl, was sich vielleicht auch in meiner Arbeit fühlen lässt.“

Autor:

Ulrike Kiefert aus Spandau

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