Historische Linde im Zitadellenhof wird gefällt
Methusalem auf dem „Sterbebett“

Winteransicht: Die Winterlinde im Zitadellenhof wird aus Gründen der Standsicherheit jetzt gefällt.
  • Winteransicht: Die Winterlinde im Zitadellenhof wird aus Gründen der Standsicherheit jetzt gefällt.
  • Foto: Bezirksamt
  • hochgeladen von Ulrike Kiefert

Alle Rettungsversuche waren vergeblich. Die historische Linde auf der Zitadelle Spandau muss gefällt werden. Ein junger Baum wächst aber schon nach.

Die Zitadelle Spandau verliert einen historischen Zeitzeugen. Die Linde im Hof, ein Naturdenkmal, ist nicht mehr zu halten und wird kurzfristig gefällt. Das teilte jetzt das Bezirksamt mit. Damit verliert Spandau einen echten Methusalem. Denn laut Umwelt- und Naturschutzamt soll die Linde tatsächlich rund 500 Jahre alt sein.

Nun aber hat sie ihre Altersgrenze erreicht, trotz intensiver Pflege in den letzten 20 Jahren mit Kronenschnitten, Verspannungen und Abstützungen. „Aus Gründen der Verkehrssicherheit kann sie nicht länger stehen bleiben, da der östliche Stamm des Baumes inzwischen ganz abgestorben und der Rest des Baumes auch nicht mehr standsicher ist“, informiert Stephan Koch aus dem Naturschutzamt.

Doch wirklich tot ist solch ein Exemplar nie. So werden die Stammpartien aus Gründen des Artenschutzes zuerst zum Werkhof nach Tiefwerder gebracht. Dort wird dann entschieden, ob Teile des Baumstamms als Totholz-Lebensraum für Pilze und Insekten anderswo im Bezirk abgelegt werden können. Außerdem bleibt ein etwa zwei Meter hoher Torso der alten Linde auf dem Zitadellenhof stehen. Auch für Nachwuchs haben das Umwelt- und Naturschutzamt und das Straßen- und Grünflächenamt gesorgt. Am Stammfuß wurde schon vor Jahren eine neue Linde gepflanzt. Die hat jetzt die Chance, ebenfalls zu einem Methusalem heranzuwachsen.

Linde steht seit 65 Jahren
unter Schutz

Die ehrwürdige Winterlinde im Zitadellenhof hatte einen Stammumfang von rund fünf Metern. Sie zählte zu den mächtigsten und ältesten Linden in Berlin. Bedroht war sie schon in der Nachkriegszeit, wie alle anderen Bäume auf der Zitadelle. So ist ein Schreiben des damaligen Volksbildungsdezernenten vom 9. April 1952 überliefert, in dem er davor warnt, dass die Bäume „nach und nach in den Ofen kommen“, falls die Polizei keine geeigneten Maßnahmen treffe. Der Polizeipräsident von Berlin ließ die Bäume einstweilig „sicherstellen“ und verhinderte so ihre Fällung. Seit 1954 stand die Linde auf dem Zitadellenhof unter Schutz. Anfang 1980 musste sie aufwendig baumpflegerisch „behandelt“ werden. Ein früherer Stammausbruch im unteren Bereich des größtenteils ausgehöhlten Baums wurde ausgefräst und Faulstellen beseitigt. Zahlreiche Gewindestangen stabilisierten außerdem die zwei Meter hohe Stammöffnung. Und auch die instabile Krone bekam Stahlseile verpasst. Dass die Linde so lange vital blieb, ist der Tatsache zu verdanken, dass Winterlinden ein hohes Regenerationsvermögen haben und über 1000 Jahre alt werden können. Wohl auch darum spielt die Linde wie kaum eine andere heimische Baumart eine so große Rolle im heimischen Volksgut. Unter Linden fanden Versammlungen statt, wurde Recht gesprochen, getanzt und gefeiert. Die Linde wurde in Märchen und Gedichten beschrieben und in zahlreichen Liedern besungen.

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