Die Märkische Wachsschmelze
Geschichte des Unternehmens begann vor 100 Jahren

Das in den 1930er-Jahren gemachte Foto zeigt Frida Hirsekorn (vorn Mitte) im Kreis von Mitarbeitern der Wachsschmelze.
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  • Das in den 1930er-Jahren gemachte Foto zeigt Frida Hirsekorn (vorn Mitte) im Kreis von Mitarbeitern der Wachsschmelze.
  • Foto: Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf
  • hochgeladen von Harald Ritter

Rund ein halbes Jahrhundert war die Märkische Wachsschmelze einer der wichtigsten Industriebetriebe in Kaulsdorf. Ihre Geschichte begann vor 100 Jahren.

Das erste Zeugnis der Wachsschmelze datiert vom 19. Mai 1919. An dem Tag stellten die Fabrikanten Otto Rechnitz und Erwin Becher den Antrag bei der Kaulsdorfer Gemeindevertretung, eine Außenstelle ihrer Märkischen Wachschmelze anzusiedeln.

Damit begann eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte in der damaligen Berliner Randgemeinde, die mit teils tragischen Brüchen bis 1970 anhalten sollte. Sie ist dem Haus Alt-Kaulsdorf 14-16 an der Ecke Chemnitzer Straße nicht mehr anzusehen. Dort befinden sich heute ein asiatisches Restaurant und ein Hotel.

Bis Anfang der 1920er-Jahre gab es in dem großen Eckgebäude ein Restaurant, das Ausflugslokal „Götzes Berggarten“. Dieses erwarb Otto Rechnitz (1867-1945). Er richtete das Haus als Wohnsitz und Komtur ein und baute den Ballsaal zur Produktionsstätte um. Von seinem ursprünglichen Geschäftspartner ist später nichts weiter bekannt.

Rechnitz baute das Unternehmen an mehreren Standorten über die Jahre später allein weiter aus. Er ließ neben Wachsen für die Fußbodenpflege auch Seifen, Öle, Parfums und andere kosmetische und pharmazeutische Artikel herstellen. Nachdem der Ballsaal 1927 ausgebrannt war, ließ er an der Chemnitzer Straße auf selben Standort eine Produktionshalle neu bauen.

Weil Otto Rechnitz Jude war, wurde ihm am 1. April 1933, seinem 67. Geburtstag, die Geschäftsführung seines Unternehmens entzogen und ihm verboten, es zu betreten. Er übergab die Geschäftsführung seiner Prokuristin Frida Hirsekorn (1898-1970). Rechnitz überlebt die Naziherrschaft mit viel Glück in Berlin, starb aber im November 1945.

Die Märkische Wachsschmelze hatte zunächst unter der Misswirtschaft von drei von den Nazis nacheinander eingesetzten unfähigen Geschäftsführern zu leiden und musste 1937 endgültig Konkurs anmelden. „Bei der abschließenden Versteigerung bekam Frida Hirsekorn den Zuschlag“, erzählt Karin Satke. Die Heimathistorikerin hat sich in mehreren Artikeln und Vorträgen mit der Geschichte der Wachsschmelze und auch der Rolle von Hirsekorn beschäftigt. Sie schildert diese als resolute, selbstbewusste Frau mit gesundem Geschäftssinn und sozialem Denken. Sie war eine der ersten Unternehmerinnen des Bezirks und fand einen Platz in der Ausstellung über die wichtigsten Persönlichkeiten, die 2016 im Bezirksmuseum zu sehen war.

Hirsekorn führte das Unternehmen auch nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich weiter. Die Märkische Wachsschmelze hatte bis zu 40 Mitarbeiter. Die Firma existierte aber nur bis zu ihrem Tode 1970. Dann zog der VEB Elektromechanik Kaulsdorf ein und baute bis zur Wende dort Kaffeemaschinen.

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