Ein unermüdlicher Tüftler
Otto Bengtson entwickelte Kaffeemaschinen

Otto Bengtson arbeitete auch an Getränkeautomaten, die aber niemals in Serienproduktion gingen.
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Der Bezirk war während der DDR der größte Hersteller von Kaffeemaschinen. Das verdankte er dem Unternehmer und Erfinder Otto Bengtson.

Der Todestag von Otto Bengtson (1924-1988) jährt sich am 30. August zum 30. Mal. Er verstarb nicht in Biesdorf, wo er bis 1974, lebte, sondern in West-Berlin. Dorthin war er offiziell ausgereist, nachdem ihm der Staat sein Lebenswerk aus den Händen genommen hatte.

Von der Kaffeemaschinenproduktion gibt es im Bezirk nur noch wenige Zeugnisse. Immerhin bewahrt das Bezirksmuseum eine seiner legendären Kaffeemaschinen „Moccadur“ in seinem Archiv auf. Die ehemalige Produktionshalle der PGH Elektromechanik Berlin Kaulsdorf, ab 1972 VEB Elektromechanik Kaulsdorf, an der Ecke Alt-Kaulsdorf/Chemnitzer Straße steht noch.

Die erste „Moccadur“ entwickelte Bengtson in seinem eigenen Betrieb Otto Bengtson Metallwaren an der Lückstraße in Rummelsburg. Die Firma hatte er von seinem Vater übernommen und nach dem Krieg wieder aufgebaut. Zunächst wurden Töpfe und Schüsseln produziert.

Aber Bengtson war auch ein rühriger Tüftler und entwickelte Anfang der 1950er-Jahre mit der „Moccadur“ die erste Haushaltskaffeemaschine der DDR. Seitdem war er auch regelmäßig mit einem Stand auf der Leipziger Messe vertreten. Dorthin führten Staatsgrößen wie Walter Ulbricht gern ihre Staatsgäste, um einen Kaffee zu trinken. Bald ging ein großer Teil der Produktion ins „kapitalistische Ausland“.

Bengtson entwickelte weitere Kaffeeautomaten wie die „Mocca-Krone“, eine vollautomatische Großbrühanlage für Gaststätten. „Er tüftelte sogar schon an einer Maschine mit Kaffeekonzentraten, ähnlich wie sie heute in Gestalt der Pads gebräuchlich sind“, erinnert sich Sohn Klaus Bengtson. In den 1960er-Jahren wandte sich der Erfinder einem neuen Feld zu, der Herstellung von Getränkeautomaten. Sie gingen jedoch niemals in die Serienproduktion.

Die Herstellung der Kaffeeautomaten gab der Erfinder Ende der 1960er-Jahre in die Hände der Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) in Kaulsdorf. Diese produzierte Kaffeemaschinen und -automaten weiter in großer Stückzahl mit wechselndem wirtschaftlichen Erfolg und manchen Qualitätsproblemen bis zum Ende der DDR. Die Produkte hießen später allerdings K 101 und nach technischen Verbesserungen K 104. 1972 wurde die Genossenschaft verstaatlicht.

Das passierte Otto Bengtson auch mit seinem eigenen Betrieb. Bereits ab Anfang der 1960er-Jahre war er nur noch Teilhaber. Von Jahr zu Jahr gingen mehr Anteile an die Staatsbank der DDR. Im Zuge der großen Verstaatlichungswelle Anfang der 1970er-Jahre musste er auch die Leitung seiner Firma abgeben. Ihm sollte nur die Rolle des Leiters der Entwicklungsabteilung bleiben.

Mit dem Wechsel nach West-Berlin 1974 versuchte Bengtson einen Neustart. Er arbeitete weiter an Entwicklungen und nahm Kontakte mit Vertretern großer Kaffeemaschinenproduzenten auf. 1985 meldete er noch ein Patent für die Herstellung eines flüssigen Kaffeeextraktes an. „Leider ist das alles im Sande verlaufen“, erklärt Sohn Klaus.

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