Weiße Banner gegen Dreck und Beton: Mieter im Parkviertel protestieren weiter

47 Einfamilienhäuser, 40 Doppelhäuser und 24 Reihenhäuser sollen das Parkviertel verdichten.
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  • 47 Einfamilienhäuser, 40 Doppelhäuser und 24 Reihenhäuser sollen das Parkviertel verdichten.
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  • hochgeladen von Ulrike Kiefert

Im Parkviertel Kladow verstärken die Mieter ihren Protest gegen Dreck, Lärm, Beton, Kündigungen und Mietnachzahlungen. Unterschriften werden gesammelt und Banner von den Balkonen gehängt.

Wer durch das Parkviertel Kladow fährt, sieht weiße Laken von Balkonen hängen. „Herzlich Willkommen im Betonviertel Kladow“ ist darauf zu lesen. Oder: „Bagger, Lärm und Dreck: Papa, wo soll ich spielen?“

In der Wohnsiedlung formiert sich der Widerstand, denn für die 319 Mietparteien ist schon lange Schluss mit lustig. Deutlich wurde das auf der neuerlichen Mieterversammlung, die kürzlich in der Gärtnerei Guyot in Kladow stattfand. Zwar kamen weniger Leute als die Mieterinteressengemeinschaft gehofft hatte. Aber dafür waren sich die etwa hundert Teilnehmer einig: „So darf es nicht weitergehen. Wir wollen nicht kampflos zusehen. Mit uns kann man nicht machen, was man will. Wir werden uns wehren.“

Schreiben über angebliche Mietschulden

Was die Mieter an diesem Abend beklagen, ist, dass es im Parkviertel aus ihrer Sicht nicht besser wird. Im Gegenteil. „Im Moment spitzt sich die Situation hier zu. Es gibt fristlose Kündigungen und Zahlungserinnerungen an die Mieter wegen angeblicher Mietschulden“ sagen Michael und Petra Bergmann von der Mieterinteressengemeinschaft. „Die Summen stimmen aber vorn und hinten nicht.“ Einige Mieter, die an diesem Abend gekommen sind, haben solche Schreiben von der Hausverwaltung mitgebracht.

Zweiter großer Kritikpunkt ist das Dilemma Dauerbaustelle. „Die Zufahrt in die Parkviertelallee und der Zugang in den nördlichen Teil des Viertels werden immer katastrophaler“, moniert die Mieterinteressengemeinschaft. Dabei hatte die „Parkviertel Kladow GmbH & Co.KG“ als Eigentümerin des rund 26.000 Quadratmeter großen Grundstücks auf der letzten Mieterversammlung im November angekündigt, dass die Erschließungsmaßnahmen für die 112 neuen Eigenheime, die im Parkviertel gebaut werden, im Frühjahr 2018 abgeschlossen sein sollen. „Stattdessen wird es mit dem Dreck, Lärm, den Baufahrzeugen, der Verdichtung und Zerstörung von Grünflächen immer schlimmer“, sagt Petra Bergmann. Mieter aus dem Parkviertel Süd bestätigen das.

"Keiner fühlt sich für die Probeme zuständig"

Was obendrein alle ärgert, bringt Heinz Troschitz, Geschäftsführer des Spandauer Mietervereins für Verbraucherschutz auf den Punkt: „Keiner fühlt sich für die Probleme zuständig, nicht der Eigentümer oder die Hausverwaltung und auch das Bezirksamt nicht, das ja alles genehmigt hat“. Den Mietern sagt Troschitz an dem Abend erneut seine Hilfe zu. Mittlerweile sind etliche Mietparteien aus dem Parkviertel über den Mieterverein rechtsschutzversichert. „Die werden vor Gericht für alle anderen streiten“, kündigt Troschitz an und ergänzt: „Wir sind nicht gegen alles. Aber für die Mieter müssen die Maßnahmen angemessen sein.“

Am Ende der Versammlung treten neue Mieter der Mieterinteressengemeinschaft bei. Viele unterschreiben auf einer Unterschriftenliste, die an den Eigentümer gehen soll, verabreden weitere Treffen und die Banneraktion von den Balkonen. Wo Mieter abgemahnt wurden, sind die weißen Laken inzwischen wieder abgehängt.

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