Das erste Massaker der Nazis: Gedenkstätte erinnert an die „Köpenicker Blutwoche“

Im alten Amtsgerichtsgefängnis wurden im Juni 1933 Nazigegner gefoltert und ermordet.
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Köpenick. Am 21. Juni gab es im alten Amtsgerichtsgefängnis an der Puchanstraße eine Lesung mit musikalischen Darbietungen. Damit erinnerte der Bezirk an die „Köpenicker Blutwoche“ 1933.

Dort gibt es eine Ausstellung für die Opfer der ersten größeren Mordaktion der Nationalsozialisten.

Wenige Wochen nach der Machtübernahme hatten SA-Trupps in sozialdemokratisch geprägten Wohnsiedlungen NS-Gegner verhaftet. Vom 21. bis 26. Juni 1933 wurden Hunderte Gewerkschafter sowie SPD- und KPD-Mitglieder verhaftet und gefoltert, mindestens 24 wurden ermordet. Als SPD-Mitglied Anton Schmaus bemerkte, wie Nazibanditen in das Haus seiner Eltern an der heutigen Schmausstraße eindrangen, feuerte er mit seiner Pistole auf die Angreifer, zwei SA-Leute starben. Vermutlich durch diesen Vorfall uferte der SA-Terror ins Bodenlose aus. Menschen wurden verhaftet und in SA-Lokalen und im damaligen Amtsgerichtsgefängnis bestialisch gefoltert. Mehrere dabei Getötete wurden in Säcke gesteckt und in die Dahme geworfen.

Seit 1980 erinnerte eine Ausstellung an den NS-Terror. Diese wurde 1995 erstmals verändert, im Jahr 2013 erfolgte eine komplette Umgestaltung der Gedenkstätte „Köpenicker Blutwoche“. Dabei konnten neue Erkenntnisse gewonnen werden. So zeigen Fotos, wie sehr sich viele Köpenicker bereits ein knappes halbes Jahr nach dem Untergang der Weimarer Demokratie bereits dem Naziregime angepasst hatten. Als die von SPD-Mann Schmaus erschossenen SA-Leute mit einem Trauerzug – angeführt von Joseph Goebbels – zum Friedhof in der Rudower Straße gebracht wurden, standen viele am Straßenrand stramm und zeigten den Hitlergruß. Ein Film aus dem Holocaust-Museum in Washington, der diese Szenen zeigt, ist in der Ausstellung zu sehen.

Die Gedenkstätte in der Puchanstraße 12 gehört zu den bezirklichen Museen (früher Heimatmuseum). Geöffnet ist donnerstags von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei. Führungen für Gruppen können unter  902 97 33 51 vereinbart werden. RD

Informationen unter www.gedenkstaette-koepenicker-blutwoche.org.
Autor:

Ralf Drescher aus Lichtenberg

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