Einzug mit Verspätung: Gerhart-Hauptmann-Schule wurde Flüchtlingsunterkunft

Maryam (links) zusammen mit ihrer Mutter Hend (31) und den Schwestern Fatima (8) und Saha (3).
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  • Maryam (links) zusammen mit ihrer Mutter Hend (31) und den Schwestern Fatima (8) und Saha (3).
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Kreuzberg. Maryam (14) und ihre Familie gehörten zu den ersten neuen Bewohnern. Das Mädchen, seine Eltern und drei Geschwister zogen am 22. August in den Nordflügel der Gerhart-Hauptmann-Schule in der Ohlauer Straße.

Endlich, denn die Aufnahme des Betriebs in der neuen Flüchtlingsunterkunft gestaltete sich in den vergangenen Monaten schwierig. Schon im Januar waren die Räume fertig renoviert und mit der Johanniter-Unfall-Hilfe ein Träger gefunden. Was noch fehlte, war das Okay des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso).

Das hielt aber die 109 Plätze in der Gerhart-Hauptmann-Schule erst einmal für eine eher zu vernachlässigende Größe und verwies auf andere Prioritäten. Dann sollte der Einzug um Ostern herum beginnen. Auch dieser Termin ließ sich nicht halten.

Mehr Geld benötigt

Denn inzwischen hatte das Lageso festgestellt, dass es sich hier nicht um ein temporäres Notquartier, sondern um ein längerfristiges Projekt handeln sollte. Dafür wurde aber mehr Geld benötigt, das bis dahin nicht beantragt war. Und über die Summe musste der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses entscheiden.

Der vertagte wiederum die Entscheidung bei seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause auf voraussichtlich September. Das geschah auf Antrag der CDU-Fraktion, die damit ihren eigenen Sozialsenator Mario Czaja im Regen stehen ließ.

Czaja und Friedrichshain-Kreuzbergs Bürgermeisterin Monika Herrmann (Bündnis 90/Grüne) handelten allerdings nun einen Kompromiss aus. Der sieht vor, dass der Bezirk in den kommenden Monaten auf die Miete verzichtet. Damit sinken die Kosten und ein Votum des Hauptausschusses war zunächst nicht mehr nötig. Das gilt aber erst einmal nur bis Jahresende.

Die neuen Bewohner sind vorwiegend Familien. Sie sollen auch bevorzugt aus den bisher als Unterkünften genutzten Turnhallen im Bezirk umziehen. Wer hier aber einen Platz erhalte, bestimme das inzwischen geschaffene Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten, erklärt eine Sprecherin der Johanniter.

Maryam ist glücklich

Maryam und ihre Angehörigen lebten zuletzt in der Sporthalle an der Geibelstraße. Die 14-Jährige war glücklich, als sie erfuhr, dass ihre sechsköpfige Familie ein eigenes Zimmer bekommt. Insgesamt wurden 16 ehemalige Klassenräume als Unterkünfte hergerichtet. Bis zu sieben Personen finden darin Platz. Im ehemaligen Pavillon befindet sich ein Speisesaal,wo es dreimal täglich Essen gibt, ein Sanitärbereich sowie das Büro. In der Einrichtung arbeiten neun hauptamtliche Mitarbeiter. Dazu kommen zahlreiche Ehrenamtliche, vor allem von "Kreuzberg hilft".

Nicht zum ersten Mal ist die Hauptmann-Schule eine Flüchtlingsherberge. Bis zum Sommer 2014 war das Gebäude von bis zu 200 Menschen besetzt. Ein Großteil von ihnen zog damals in andere Quartiere. Mehr als 20 weigerten sich aber und drohten, sich vom Dach zu stürzen, sollte zwangsweise versucht werden, sie zu evakuieren. Nach tagelangem Chaos konnten sie daraufhin weiter im Südflügel bleiben.

Eine spätere Räumungsandrohung wurde vom Verwaltungs- und später auch dem Oberverwaltungsgericht zurückgewiesen. Das Wohnverhältnis könne nur im Rahmen eines Zivilverfahrens beendet werden, erklärten die Richter.

Solche Zivilklagen gegen die inzwischen noch rund ein Dutzend Besetzer werden jetzt verfolgt, wie Bürgermeisterin Herrmann Ende Juli noch einmal bekräftigte. Der okkupierte Südflügel hat den Bezirk seither viel Geld gekostet. Bis zu 1,5 Millionen Euro mussten dafür pro Jahr aufgebracht werden, ein Großteil davon für den Wachschutz.

Raus aus den Negativschlagzeilen

Der Umbau eines Teils des Gebäude zur regulären Flüchtlingsunterkunft ist deshalb auch mit der Hoffnung verbunden, gerade im Sicherheitsbereich Geld zu sparen. Gleichzeitig soll die Hauptmann-Schule aus den Negativschlagzeilen verschwinden.

Maryam und ihre Familie kennen diese Vorgeschichte wahrscheinlich nicht und sie wird ihnen auch egal sein. Vor einem Jahr sind sie aus dem Irak nach Berlin gekommen. Die 14-Jährige hat seither ziemlich gut Deutsch gelernt. Allerdings in einer Willkommensklasse in Rudow. Vielleicht klappt es jetzt auch noch mit einem Schulplatz, der sich näher an der Ohlauer Straße befindet. tf

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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