Initiative junger Stadtforscher kritisiert Modernisierung des U-Bahnhofs Yorckstraße

Die Fliesen der Hinterwand in der Bahnsteighalle sind abgeschlagen.
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  • Die Fliesen der Hinterwand in der Bahnsteighalle sind abgeschlagen.
  • Foto: Ralf Liptau
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Schöneberg. Die BVG gestaltet elf historische U-Bahnstationen der Nachkriegsmoderne neu. Im Bahnhof Yorckstraße wurden dafür unter anderem die typischen roten Fliesen an den Wänden abgeschlagen. Die Initiative Kerberos Berlin ist empört.

Die historische Substanz dieser U-Bahnhöfe werde unwiderbringlich zerstört, meint Kerberos-Mitglied Ralf Liptau. Die BVG entkerne den U-Bahnhof Yorckstraße, obwohl sich seit Jahresanfang Architekturgeschichtsprofessoren aller vier Berliner Universitäten, ja sogar Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, ihr gesamtes Baukollegium, das Landesdenkmalamt und die Architektenkammer hinter einen Offenen Brief gegen die Planungen der Verkehrsbetriebe gestellt hätten, sagt Kerberos. Zu der Initiative zum Erhalt der nachkriegsmodernen U-Bahnstationen gehören neben Liptau Frank Schmitz und Verena Pfeiffer-Kloss von urbanophil (www.urbanophil.net), einem 2006 gegründeten Netzwerk junger Stadtforscher verschiedener Disziplinen.

„Gerade der Bahnhof Yorckstraße ist für die Architekturgeschichte der Berliner U-Bahnhöfe total wichtig“, so Ralf Liptau weiter. Abgesehen davon seien die Bahnsteige in „absolut tadellosem Zustand“ gewesen. „Hier war nichts baufällig“, sagt der Doktorand an der Universität der Künste.

Was aber Ralf Liptau und seine Mitstreiter besonders kritisieren, ist neben dem qualitativen Abfall des Neugestaltungsentwurfs gegenüber dem Schöpfer der Yorckstraßen-Station, dem Architekten Rainer Rümmler (1929-2004), die mangelnde Information der Öffentlichkeit über die Planungen. „Solche Stationen werden von Anwohnern und Fahrgästen immer als Identifikationsort wahrgenommen“, erklärt Liptau. „Hier warten die Leute mitunter seit Jahrzehnten Tag für Tag auf die Bahn in 'ihrem' Bahnhof.“

BVG-Pressesprecher Markus Falkner kann die Aufregung nicht verstehen. Nach BVG-Verständnis werden sich sehr viele Fahrgäste freuen, wenn sich der U-Bahnhof Yorckstraße nach den zweijährigen Bauarbeiten hell, freundlich und barrierefrei zeigt.

Die alten Fliesen habe man abschlagen müssen, weil sich hinter mehr als der Hälfte von ihnen Hohlräume gebildet hätten, sagt Falkner. Zudem verlange der Brandschutz das Entfernen der abgehängten Decke. Dies habe die BVG zum Anlass für eine umfangreiche Neugestaltung genommen. Die Pläne des renommierten Architekturbüros Birkel Unger und Partner, so Falkner weiter, seien im vergangenen Jahr öffentlich vorgestellt worden und hätten eine äußerst positive Resonanz gefunden.

Mit Regula Lüscher und den zuständigen Landesbehörden habe die BVG sehr wohl Gespräche geführt und die Notwendigkeit des Umbaus dargelegt, so Markus Falkner. Eine Änderung der Baupläne sei nicht mehr möglich. Die Planungen seien abgeschlossen, die behördlichen Genehmigungen erteilt, die Aufträge für den Bahnhofsumbau bereits vergeben.

Ein paar Gewissensbisse scheinen die Verkehrsbetriebe aber doch zu haben. Die BVG hat mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vereinbart, „zukünftig schon im Vorfeld engere Abstimmungen zu den Bahnhöfen der Nachkriegsepoche zu führen“. KEN

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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