Grüne und CDU wollen erst die Kostenfrage klären
Maerckerweg: Umbenennung der Straße vorerst gescheitert

Von der Umbenennung des Maerckerweges wären rund 200 Menschen direkt betroffen.
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Der Maerckerweg ist eine unscheinbare Verbindung zwischen der Belßstraße und dem Campus Lankwitz der Freien Universität Berlin. Die kurze, etwa 150 Meter lange Straße, ist gesäumt von Bäumen und dreistöckigen Mehrfamilienhäusern aus der Nachkriegszeit. Aber das idyllische Straßenstück trägt einen unrühmlichen Namen. Sie ist nach dem Kolonisten, Freikorpsführer und Antisemiten Georg Maercker (1865-1924) benannt.

Maerckers militärische Laufbahn begann unter anderem in der Hauptkadettenanstalt in Groß-Lichterfelde. Ab 1889 war er in den deutschen Kolonien in Afrika und Asien als Soldat, später auch als Befehlshaber, an der blutigen Niederschlagung mehrerer Aufstände gegen die deutschen Besatzer beteiligt. Unter anderem auch am Völkermord an den Herero und Nama im heutigen Namibia. 1905 war Maercker als Oberbefehlshaber bei der Schlacht von Nubib für die Deportation von Kindern, Frauen und Männern in Konzentrations- und Zwangsarbeiterlager verantwortlich. Viele der Verschleppten verloren ihr Leben. Nach seiner Entlassung aus dem Militär wegen seiner uneindeutigen Haltung während des Kapp-Pusches 1920, schloss sich Maercker dem „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“ an. Hier setzte er 1924 einen „Arierparagraphen“ durch, auf dessen Grundlage alle jüdischen Mitglieder ausgeschlossen wurden. Auch wegen dieser antisemitischen Gesinnung benannten die Nationalsozialisten 1936 die Straße in Lankwitz nach ihm.

Seit fast einem Jahr setzt sich die Linksfraktion der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) für die Umbenennung der kleinen Straße in Lankwitz ein. Seit dem wurde der Antrag fünfmal vertagt, die SPD-Fraktion ist dem Antrag beigetreten und am 22. Januar stand er zur Abstimmung auf der Tagesordnung der BVV. Schon zuvor, bei einer Abstimmung im Kulturausschuss Anfang Januar wurde der Antrag mehrheitlich angenommen und der BVV die Annahme empfohlen. Alllerdings fasste der Ältestenrat dann den Beschluss, dass die Kosten geklärt und eine Bürgerbefragung durchgeführt werden solle. CDU und Grüne unterstützten diesen Vorschlag.

Norbert Buchta, Chef der SPD-Fraktion, zeigte sich darüber verärgert. Als der Antrag im Ausschuss diskutiert und beschlossen wurde, seien Kosten und Bürgerbeteiligung kein Thema gewesen. Er hätte nichts gegen eine Bürgerbeteiligung. Aber er befürchtet nun eine „Beerdigung zweiter Klasse“ nach dem Motto „eigentlich sind wir dafür, aber das nötige Geld steht nicht zur Verfügung.“ Durch die Rücküberweisung müssten sich nun die Bezirksverordneten erneut in aller Ausführlichkeit der kleinen Straße widmen, während die Ehrung für einen Mann, der über die Bevölkerung Namibias so viel Leid und Tausenden Menschen den Tod gebracht hat, weiter besteht.

Die Gefahr einer „Begrabung“ des Antrages aus finanziellen Gründen sieht Tonka Wojahn, Fraktionsvorsitzende der Grünen, nicht. So wie es jetzt läuft, sei es der normale Weg, denn natürlich müsste vor solchen Beschlüssen zunächst das Finanzielle geklärt werden. Eine Beratung im Haushaltsausschuss sei schlicht und einfach versäumt worden. „Wir halten nach wie vor an dem Antrag fest. Inhaltlich soll sich nichts ändern“, betont sie.

Die Kosten einer Umbenennung wären für den Bezirk in diesem Fall überschaubar. Änderungen im Ausweis muss jeder Anwohner selbst tragen. Weil in der Straße kein großes Gewerbe ansässig ist, sollte ein neuer Straßenname auch keine große Hürde sein. Das Bürgeramt könne ein oder zwei Tage vorzugsweise den Anwohnern des Maerckerwegs zur Adressenänderung zur Verfügung stehen, schlägt Buchta vor. „Hier wohnen vielleicht 200 Menschen. Da sollte eine solche Aktion im Sinne der Bürger kein großes Problem sein.“

Von der Umbenennung des Maerckerweges wären rund 200 Menschen direkt betroffen.
Mit dem Maerckerweg wird an einen Antisemiten und Kolonisten erinnert, der am Völkermord in Namibia beteiligt war.
Autor:

Karla Rabe aus Steglitz

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