Bund und Land lassen sehr viel Leerstand zu
Putz bröckelt, Leitsystem und ausreichende Beleuchtung auf dem früheren MfS-Gelände fehlen

Christian Booß vor dem unter Denkmalschutz stehenden Haus 7 auf dem Gelände des einstigen MfS-Hauptsitzes. Dass es seit Jahren unsaniert leer steht, sei ein Skandal, meint er.
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  • Christian Booß vor dem unter Denkmalschutz stehenden Haus 7 auf dem Gelände des einstigen MfS-Hauptsitzes. Dass es seit Jahren unsaniert leer steht, sei ein Skandal, meint er.
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Der Komplex sieht inzwischen äußerst morbide aus. In den Gebäuden des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) stehen schätzungsweise 40 Prozent aller Räume leer.

Fenster und Türen der Häuser ab der Magdalenenstraße sind vergittert und mit Holzplatten gesichert. Auch die Plattenbauten an der Ruschestraße stehen leer. Der Eingangsbereich zu einem Bezirk sollte anders aussehen, meint Christian Booß. Der Historiker ist Vorsitzender des Aufarbeitungsvereins Bürgerkomitee 15. Januar, benannt nach dem Tag, an dem Ostberliner die Stasizentrale 1990 erstürmten.

Der Verein widmet sich nicht nur der Aufarbeitung und bietet Veranstaltungen an. „Wir beschäftigen uns auch mit den ehemaligen Stasi-Immobilen. Davon gab es über 100 in der Stadt“, berichtet Booß. Der größte zusammenhängende Standort war aber der Block zwischen Frankfurter Allee, Rusche-, Normannen- und Magdalenenstraße. Er wurde ab 1950 bis in die 80er-Jahre hinein stetig ausgebaut.

Dass so viel Leerstand gibt, hat mehrere Gründe. „Nach 1990 kümmerte man sich vor allem um die Akten, aber kaum um die Immobilien“, sagt Booß. Das fängt damit an, dass es kein vernünftiges Leitsystem gibt. Und wer am späten Nachmittag oder abends kommt, tappt fast im Dunkeln. Es fehlt an Beleuchtung. Besonders ärgerlich sei aber der immense Leerstand, so Christian Booß. Das betrifft nicht nur Immobilien, die sich in Privatbesitz befinden, sondern vor allem Gebäude, die der öffentlichen Hand gehören. Das diese seit Jahren unsaniert leer stehen, ist für Booß und die Mitglieder seines Vereins nicht nachzuvollziehen. Dabei könnten sie vermietet werden.

Bei einem Rundgang weist Christian Booß auf einige dieser Gebäude hin. So steht zum Beispiel Haus 7, in dem sich einst Abwehreinheiten des MfS befanden, seit 1990 mehr oder minder leer. Verwalterin ist die bundeseigene BimA. Auch wenn Putz bröckle, rühre die bisher keinen Finder, so Booß. Ebenfalls von der BimA wird das einstige Offizierskasino auf dem sogenannten Feldherrenhügel verwaltet. Dort befindet sich heute das Informationszentrum für das Areal. Auch hier müsste saniert werden, zum Beispiel der Veranstaltungsraum. Außerdem müssten mehr Toiletten eingebaut werden.

Kritisch wertet Christin Booß den Abriss des Hauses 6, das aus dem Jahr 1920 stammte. Es war relativ gut erhalten und wurde ohne Bürgerbeteiligung beseitigt. Die entstandene Lücke gibt nun aber einen Blick auf das einstige Stasigefängnis an der Magdalenenstraße frei, räumt der Historiker ein. Ursprünglich wurde es nach dem Zweiten Weltkrieg von der sowjetischen Besatzungsmacht genutzt, die dort bis 600 Menschen inhaftierte. Später wurde es der Stasi übergeben. Heute ist es eine Haftanstalt für Frauen.

Ein weiterer Knackpunkt, der für Diskussionen sorgt, ist der Riegel mit den alten Gebäuden entlang der Frankfurter Allee, die Häuser 12, 13 und 14. Auch die stehen leer. Seit der Bundestag entschied, dass die Stasiunterlagen ins Bundesarchiv eingehen, wird überlegt, auf dem Gelände den DDR-Teil des Bundesarchivs anzusiedeln. Doch dafür ist ein Neubau mit 45 000 Quadratmeter Archivfläche nötig. Er soll an der Frankfurter Allee entstehen. Doch müssen dafür die alten Gebäude weg? Seit November liegt eine bauhistorische Studie für den gesamten Block vor. Die Gutachter raten, nur in Ausnahmefällen in die Gebäudestruktur einzugreifen, also am besten nichts abzureißen. Für die Häuser entlang der Frankfurter Allee hat Christian Booß einen Vorschlag parat. „Dort sollten sich Künstler und Musiker ansiedeln. Ateliers und Probenräume werden gebraucht.“

Die einstige MfS-Zentrale, die heute als Campus für Demokratie bezeichnet wird, befindet sich im ISEK-Gebiet Frankfurter Allee Nord. ISEK ist die Abkürzung für Integrierten Stadtentwicklungskonzept. Inzwischen ist eine Fortschreibung mit Konkretisierung der Sanierungsziele erarbeitet worden. Bis März soll dieses Dokument mit allen Beteiligten abgestimmt sein. Wann endlich Sanierungen stattfinden? Christian Booß hofft auf eine baldige Antwort auf diese Frage.

Näheres zum Aufarbeitungsverein auf www.buergerkomitee1501berlin.de

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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