Sorge um die Schattenspender
Den Stadtbäumen hat der zweite zu trockene Sommer massiv zugesetzt

Ein Bild wie sonst Ende September bot schon im August die Grünanlage am Freiaplatz.
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  • Ein Bild wie sonst Ende September bot schon im August die Grünanlage am Freiaplatz.
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Am Amazonas und in Sibirien brennen die Wälder, deutschlandweit nimmt das Waldsterben alarmierende Ausmaße an – und auch die Stadtbäume entwickeln sich zu Sorgenkindern. Der zweite trockene Sommer in Folge lässt Schlimmes befürchten.

Konkrete Zahlen gibt es in Lichtenberg zwar noch nicht, das Straßen- und Grünflächenamt will erst gegen Ende des Jahres eine Übersicht erstellen. Es sei aber schon abzusehen, dass jede Menge Bäume den zweiten zu trockenen Sommer nicht ohne Schaden oder eben gar nicht überstanden hätten, sagt der zuständige Stadtrat Wilfried Nünthel (CDU). „Dieser Sommer war die Fortsetzung vom letzten in etwas anderer Form. Zwar gab es hin und wieder Niederschläge, die waren aber zu punktuell. Das Defizit im Boden haben sie nicht ausgleichen können.“

Nicht bloß in den vergangenen Wochen, vor allem im Herbst und Winter habe Regen und auch Schnee gefehlt. Resultat: Aktuell kommt das Amt nicht hinterher, für den anhaltenden Schwund Ersatz zu pflanzen. Auf ein neu gesetztes Exemplar kämen vier abgestorbene, so der Stadtrat.

Für rund 64 000 Bäume ist das Straßen- und Grünflächenamt zuständig, je zur Hälfte wachsen sie an Straßen und in Parks. „Wir können nicht alle regelmäßig wässern“, sagt Nünthel. „Das ist personell nicht zu leisten und würde den Kostenrahmen sprengen.“ Grundsätzlich bekommen nur Jungbäume eine regelmäßige Dusche. Das erledigen Mitarbeiter des Grünflächenamts oder Fremdfirmen. Exemplare, die älter als sieben Jahre sind, bleiben aus den genannten Gründen ohne Extraguss. Reichen ihre Wurzeln nicht bis ans niedrige Grundwasser, haben sie also kaum eine Chance, wenn Regen lange ausbleibt. „Eigentlich brauchen Bäume permanent Wasser, um es zu verdunsten“, sagt Biologin Beate Kitzmann. „Bekommen sie das nicht, bedeutet es zumindest großen Stress.“

Besonders übel für Kastanien

Die Auswirkungen von Dürre und Hitze sind vor allem den sogenannten Flachwurzlern schon jetzt anzusehen. Braunes Laub am Boden, kahle Äste und Zweige lassen nichts Gutes ahnen. „Vor allem Birken sind reihenweise abgängig“, berichtet Wilfried Nünthel. Aber auch Eichen, Fichten und Kiefern seien betroffen. Besonders übel waren die zwei Trockensommer für die Kastanien, die ohnehin seit Jahren unter der Miniermotte leiden. Der gefräßige Schädling hat bei hohen Temperaturen besonders viel Appetit. Nässe hingegen mag er nicht.

Wie schon 2018 haben die Bezirksämter auch in diesem Sommer die Bürger um Hilfe beim Wässern der Schattenspender gebeten – mit recht dürftigem Erfolg. Das liege häufig auch an Unkenntnis, sagt Beate Kitzmann. Es reicht nämlich nicht, einem Straßenbaum täglich einen Eimer Wasser an den Stamm zu schütten. Besser: Bei Trockenheit alle zwei bis drei Tage gießen und dann dem einen Eimer noch etliche folgen lassen oder gleich einen Schlauch einsetzen. „80 bis 100 Liter pro Baum, nur dann bringt es etwas“, sagt die Expertin.

Ein Aufwand, der sich lohnt. Schließlich ist ein gutes Stadtklima ohne Kastanie, Birke und Co. kaum denkbar. Die Bäume spenden nicht nur Schatten, sie binden Kohlendioxid, filtern Staub und Gifte aus der Luft. Gleichzeitig produzieren sie tonnenweise Sauerstoff. Sollten Niederschläge weiterhin ausbleiben, ist Gießen also eine gute Idee, solange die Vegetationsphase dauert, sprich, die Bäume Laub tragen.

Autor:

Berit Müller aus Lichtenberg

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