Hier stimmt die Klimabilanz
Schornsteinfeger Christian Liebermann setzt voll auf E-Mobilität

Schornsteinfeger Christian Liebermann lädt seinen Dienstwagen an der Ladesäule in der Friedrichrodaer Straße auf.
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„Tach jesagt und Glück gewünscht“, grüßt Christian Liebermann auf der Motorhaube seines Dienstwagens, der die nächsten acht Stunden erstmal Pause hat. So lange dauert etwa ein Ladevorgang, erklärt der Schornsteinfeger, nachdem er den Nissan mit der Ladestation verkabelt und diese über einen Sensor aktiviert hat.

Die Handgriffe sind inzwischen geübt, denn Liebermann (54) ist in den vergangenen Jahren zu einem Profi im Bereich Elektromobilität geworden. Für sein vorbildliches Handeln wurde er Anfang November sogar mit dem Green Buddy Award, dem Umweltpreis des Bezirks, in der Kategorie „Umweltschonende Produktion und produktionsnahe Dienstleistungen“ ausgezeichnet. „Ich bin kein Öko“, sagt Christian Liebermann, und für die Umwelt habe er sich früher eigentlich wenig interessiert. Vor etwa vier Jahren aber gab es ein Schlüsselerlebnis. Als er durch die Buckower Laubenkolonien fuhr, beschwerten sich die Leute über den Lärm und den Gestank seines Zweitaktrollers. Liebermann beschloss, sich einen Elektroroller zu kaufen. Mit einmal Aufladen schafft der rund 50 Kilometer. Das reicht etwa für die Strecken, die der Schornsteinfeger an zwei Arbeitstagen zurücklegt. „Bei der Kundschaft ist das sehr gut angekommen“, erzählt er. Als nächsten Schritt verkauften er und seine Frau Jeannette (52) ihre Benziner und holten sich 2017 zwei Elektroautos.

Um die Fahrzeuge regelmäßig aufladen zu können, legte Christian Liebermann anfangs stets ein Stromkabel von seinem Haus in der Friedrichrodaer Straße bis zum Bürgersteig. Nach rund einem Jahr Verhandlungen genehmigte ihm das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf endlich die gewünschte Ladestation auf dem gegenüberliegenden, bereits zu Lankwitz gehörenden Gehweg. Die Kosten übernahm die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Seit Juni kann der Schornsteinfeger dort in Sichtweite seines Hauses aufladen. Weil durch die Ladestation zwei Parkplätze weichen mussten, habe er seine Nachbarn „vergrault“. Für den Schutz der Umwelt nimmt er dies jedoch in Kauf. „Ich habe ihn schon so kennengelernt als jemanden, der anders ist als die anderen“, erzählt seine Frau lachend. Auch sie habe sich erst nicht so recht mit den Elektroautos anfreunden können, doch das habe sich geändert.

Dabei hält der Alltag einige Herausforderungen bereit. „Man muss vorausschauend fahren, seine Arbeit richtig einteilen und planen“, sagt Christian Liebermann. Ist er mal in einer Ecke Berlins unterwegs, in der sich nicht so gut auskennt, informiert er sich über die App „plugsurfing“ über Ladestationen in der Nähe. Dass manche von ihnen schlecht gewartet werden und außer Betrieb sind, ärgert ihn gelegentlich, doch bereut hat er seine Entscheidung nicht. „Wenn man damit angefangen hat, will man auch nicht aufhören“, sagt er. Für ihn hat sich der Umweltschutz fast schon zu einer Sucht entwickelt, wie er zugibt. Das geht so weit, dass er nicht nur seinen Fuhrpark umgestellt hat. „Ich wollte noch einen Schritt weitergehen.“

Nachdem er im Februar 2018 in einem klimaneutralen Hotel in Südtirol übernachtet hatte, setzte er sich mit dem Unternehmen „ClimatePartner“ in Verbindung. Seitdem lässt Liebermann in seinem Haushalt verbrauchtes Gas sowie Haus-, Papier- und Kunststoffabfälle in CO₂-Werte umrechnen. Um seine persönliche CO₂-Bilanz ausgeglichen zu halten, unterstützt er ein Projekt zur Waldaufforstung in Brasilien. Der Gedanke, „erster klimaneutraler Schornsteinfeger Berlins“ zu sein, sei einfach zu verlockend gewesen. „Ich kann mit Stolz behaupten: Ich habe die Ziele und Grundlagen der Klimaschutzpolitik in Berlin und das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 in meinem Betrieb und Haushalt schon erfüllt“, so Christian Liebermann.

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