Mit dem Internet aus der Depression
Seniorin betreibt Ratgeber-Portal gegen Einsamkeit

Roswitha Uhde hat über das Internet viele Menschen kennengelernt und neue Freunde gefunden.
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Corona- Unternehmens-Ticker

Das Internet verändert den Menschen, heißt es, und fördert die Einsamkeit. Es kann aber auch Wege aus der Isolation weisen. Diese Erfahrung hat Roswitha Uhde (71) aus Marzahn gemacht. Sie ist auf vielen Kanälen präsent.

Die 71-Jährige betreibt ihre eigene Webseite (roswithauhde.de), postet auf Facebook und knüpft Kontakte über die Karriere-Netzwerke LinkedIn und Xing. Einen PC-Arbeitsplatz hat sie in der Ecke ihres Wohnzimmers eingerichtet. Auf dem Wohnzimmertisch steht ein Laptop. Daneben liegen Tablet und Smartphone in Griffweite bereit.

„Die moderne Technik macht es mir möglich, viele Kontakte zu knüpfen und aufrecht zu erhalten“, sagt sie. Auf ihrer Webseite spricht sie besonders ältere Menschen an, die noch nicht so mit der modernen Kommunikationstechnik vertraut sind und bietet ihnen dabei ihre Hilfe an. „Damit kannst Du auch umgehen“, ist eine ihrer Botschaften.

„Mich hat das Internet aus einem tiefen Loch geholt“, erzählt sie. Darin war sie geraten, nachdem ihr Mann sie nach 34 Jahren Ehe verlassen hatte. „Ausgerechnet mit meiner besten Freundin hatte er angebandelt!“ Die Folgen waren eigene Zweifel an ihrem Selbstwert, Rückzug und Isolation.

Sie fiel in Depressionen, konnte nicht mehr arbeiten und mit anderen Menschen sprechen. Sie verlor ihre Arbeit und es fehlte an Geld. Sie musste Medikamente nehmen und machte Therapien. Der Freundeskreis hatte sich durch die Trennung von ihrem Mann aufgelöst.

Als Verwaltungsangestellte hatte sie jedoch Computerkenntnisse. Sie absolvierte beim Verein „Akelei“ einen Gründerkurs für Frauen und bot ab 2012 als Selbstständige Beratung zum Umgang mit dem Computer an. Das reichte aber niemals für den Lebensunterhalt. Bei der Freiwilligenagentur des Bezirks informierte sie sich über Möglichkeiten, ehrenamtlich zu arbeiten. So gab sie ehrenamtlich PC-Kurse und verfasste sogar ein kleines Buch, das in diese Technik einführt.

Dabei vertiefte sie schrittweise auch ihre Kenntnisse über die Vielfalt von Kommunikationskanälen, die das Internet bietet, und nutzt sie immer intensiver, um Kontakte mit anderen Menschen zu küpfen. Die Kontakte, die sie inzwischen hatte, gehen in die Tausende. Allein bei Facebook waren es 5000, bei Xing 7000.

Viele diese Kontakte wurden langlebiger und intensiver. Mit rund 100 Menschen, die sie auf diesen Wegen kennenlernte, hat sich Roswitha Uhde während der zurückliegenden Jahre persönlich getroffen. „Bei manchen ist daraus eine Freundschaft geworden“, erklärt sie. Das Internet sei eben auch eine Möglichkeit, neue Freunde zu gewinnen. Das gelte wahrscheinlich sogar besonders für ältere Menschen, die kaum noch Kontakte über ihre tägliche Arbeit haben.

Autor:

Harald Ritter aus Marzahn

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