Autonomem Köpi droht die Räumung
Gerichtstermin steht Mitte Juni an

"Hände weg vom Köpi": Das besetzte und mittlerweile legalisierte Haus an der Köpenicker Straße.
2Bilder
  • "Hände weg vom Köpi": Das besetzte und mittlerweile legalisierte Haus an der Köpenicker Straße.
  • Foto: Köpi
  • hochgeladen von Ulrike Kiefert

Der Köpi-Wagenplatz auf dem Areal an der Köpenicker Straße soll nach 30 Jahren geräumt werden. Am 10. Juni steht der Gerichtstermin an. Die Bewohner protestieren und fordern eine alternative Lösung.

Der Köpi ist ein autonomes Wohn- und Kulturzentrum. 1990 besetzt und ein Jahr später legalisiert wohnen dort seit 30 Jahren rund 100 Menschen in bunten Bauwagen und einem benachbarten Haus. Es gibt dort ein Kino, eine Fahrradwerkstatt, ein Siebdruck-Projekt, Probe- und Veranstaltungsräume. Nun droht dem Wagenplatz auf dem Areal der Köpenicker Straße 133 bis 138 die Zwangsräumung. Am 10. Juni steht die erste Gerichtsverhandlung vor dem Landgericht am Tegeler Weg an.

Das offizielle Schreiben mit dem Räumungsbegehren erhielt der Köpi-Wagenplatz bereits Anfang Februar. Der jetzige Eigentümer hatte es eingereicht. Nach diversen Zwangsversteigerungen und Verkäufen an verschiedene Eigentümer gehört das Areal inzwischen der Startezia GmbH. Doch die Bewohner des Köpi weigerten sich, das nach eigenen Angaben von Startezia gestellte dreiwöchiges Ultimatum zur Räumung des Grundstücks bis zum 28. Februar zu befolgen. Sie nahmen sich einen Anwalt, organisierten Protestaktionen, eine Fahrrad-Demo und machten so öffentlich mobil gegen die drohende Räumung. Der Eigentümer zog daraufhin vor Gericht.

Bis zur Verhandlung haben die Bewohner weitere Kundgebungen angekündigt. „Der Köpi hat die Kultur und Vielfalt Berlins zusammen mit anderen linke Projekten über die Jahre geprägt. Die rasante Gentrifizierung, die von der Stadtverwaltung gefördert wird, löscht die alternative Szene Stück für Stück aus“, sagen die Sprecher der Köpi. „Diese Zwangsräumungen müssen gestoppt werden. Wir fordern die Absage des Gerichts und erwarten eine alternative Lösung.“ Denn freiwillig gehen wollen die Bewohner nicht. „Wir akzeptieren nicht, dass viele von uns während der weltweiten Pandemie potenziell obdachlos werden sollen. Außerdem sind wir der festen Überzeugung, dass die Startezia GmbH unter dem Dach der Sanus AG das potenziell leere Grundstück lediglich zu Spekulationszwecken nutzen wird.“

Doch wie könnte die alternative Lösung aussehen? Der Bezirk hat ein beschlossenes Blockkonzept, das eine Bebauung rings um den Köpi zuließe. Und auch der Bauwagenplatz könnte nach einer möglichen Räumung bebaut werden. In der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im April fragte die Linksfraktion unter dem Titel „Bodenspekulanten zurück drängen – Köpi-Wagenplatz retten“ beim Bezirksamt nach. Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) teilte der Fraktion mit, dass er im Kontakt mit dem Eigentümer und den Vertretern des Wagenplatzes stehe. In den vergangenen zehn Jahren habe sich der Bodenwert in der Umgebung des Köpi von 600 auf 6000 Euro pro Quadratmeter erhöht. Laut Gothe läuft die Baugenehmigung des Eigentümers im Mai dieses Jahres aus. Der Eigentümer könne aber eine neue Genehmigung stellen, die vermutlich genehmigt werden müsste. Ein Wagenplatz selbst könne baurechtlich nicht gesichert werden.

Die einzige Lösung, die der Stadtrat sieht, ist nur mit Unterstützung des Senats und des Abgeordnetenhauses möglich. So könnte eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft das Grundstück kaufen – sofern sich eine findet und der Eigentümer verkauft. Weil der Köpi in einem Sanierungsgebiet liegt, wäre der Verkauf an eine städtische Gesellschaft theoretisch möglich. Denn mit dem Sanierungsrecht ist der Auftrag gegeben, nachteilige Auswirkungen auf Betroffene abzumildern. Es müsse laut Stadtrat aber eine politische Entscheidung sein, dem Eigentümer so ein Angebot zu machen.

"Hände weg vom Köpi": Das besetzte und mittlerweile legalisierte Haus an der Köpenicker Straße.
Blick auf den Wagenplatz.
Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

22 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Wer sein Altmetall loswerden möchte, ist bei der Firma Peglow in der Soltauer Straße 27-29 genau an der richtigen Adresse.

Peglow Schrott und Metall
Bares für Schrott und Metall

Wer sein Altmetall loswerden möchte, ist bei der Firma Peglow in der Soltauer Straße 27-29 genau an der richtigen Adresse, denn hier gibt es Bargeld bei der Abgabe von Kupfer, Messing, Edelstahl, Aluminium, Zink, Blei oder Eisen sowie für Kabel. Die Mindestmenge, die abgegeben werden muss, beträgt dabei drei Kilogramm. "Für größere Mengen wird Ihnen von uns ein Container zum Sammeln zur Verfügung gestellt. Je nach Schrottmenge handelt es sich um Absetzcontainer (Mulden) oder Abrollcontainer,...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 02.12.21
  • 23× gelesen
WirtschaftAnzeige
Das Team von Optik an der Zeile.

Optik an der Zeile
Besuchen Sie die 10. Brillenmesse vom 2. bis 4. Dezember 2021

Wir feiern unsere 10. Brillenmesse vom 2. bis 4. Dezember 2021 in den neuen Räumlichkeiten. Feiern Sie mit uns! Wir bieten Ihnen die gesamte Kollektion namhafter Designer. Baldessarini, Betty Barclay, Blackfin, Jaguar, Swarovski und Tom Tailor, alles nur bei uns! Eine riesige Auswahl und attraktive Angebote: Den gesamten Dezember bieten wir Ihnen einen Advents- und Weihnachtsrabatt von 15 %. Wer sich zur Messe entschließt eine neue Brille zu ordern, bekommt 20 % Nachlass auf die gesamte Brille....

  • Bezirk Pankow
  • 02.12.21
  • 23× gelesen
WirtschaftAnzeige
Stimmungsvoll und sicher: Der Spandauer Weihnachtsmarkt auf der Zitadelle hat bis 23. Dezember geöffnet.
10 Bilder

Lichterzauber Zitadelle
Spandauer Weihnachtsmarkt freut sich auf Besucher

Glück im Unglück: Nachdem aufgrund der Corona-Bestimmungen die Durchführung des traditionellen Spandauer Weihnachtsmarkts in der Spandauer Altstadt nicht möglich ist, fand sich eine wunderbare Alternative: Bis 23. Dezember 2021 dürfen Besucher auf der Zitadelle ein vorweihnachtliches Märchenland bestaunen. Romantisch in die schützenden Mauern der Festung eingebettet, verzaubert der Spandauer Weihnachtsmarkt in diesem Jahr mit stimmungsvollen Hütten, weihnachtlichem Naschwerk, traditionellem und...

  • Bezirk Spandau
  • 25.11.21
  • 500× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen