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Bücherschatz unterm Staubwedel: Mitte: Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität lässt die Patina der Jahrhunderte entfernen

Wo: Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, Geschwister-Scholl-Straße 1, 10117 Berlin auf Karte anzeigen
Dr. Yong-Mi Rauch, Chefin der Historischen Sammlungen, zeigt gereinigte Bücher aus dem Gründungsbestand der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität, die in der sechsten Etage des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums stehen.
Dr. Yong-Mi Rauch, Chefin der Historischen Sammlungen, zeigt gereinigte Bücher aus dem Gründungsbestand der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität, die in der sechsten Etage des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums stehen. (Foto: Dirk Jericho)

Die Putzkommandos sind schon wieder weg, jetzt kümmern sich Restauratoren um die besonders kaputten Bücher, die vom Schimmel befreit werden müssen.

Bis zu zwölf Leute waren bis Ende des Jahres im Keller des imposanten Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums an der Geschwister-Scholl-Straße im Einsatz, um den Staub der Jahrhunderte von den Historischen Sammlungen zu entfernen.

Im 2009 eröffneten Neubau lagern Bücher aus mehreren Jahrhunderten – der Gründungsbestand der 1831 eröffneten Universitätsbibliothek (UB) umfasst auch mittelalterliche Handschriften, Frühdrucke aus dem 15. Jahrhundert und zahlreiche wertvolle Schätzen. Das älteste Buch der Historischen Sammlungen ist eine Straßburger Bibel von 1466, die in einem Spezialsafe aufbewahrt wird.

Die Universitätsbibliothek hat im vergangenen Jahr als eine von 45 geförderten Einrichtungen in Deutschland Fördermittel aus dem Sonderprogramm der Bundesregierung zum Erhalt des schriftlichen Kulturerbes bekommen. Damit sollen wertvolle Archivalien und Drucke vor der Zerstörung gerettet werden. Insgesamt gab es 20 000 Euro. Den gleichen Anteil hat die Humboldt-Universität für die Buchreinigung draufgepackt.

Risiko für Mensch und Buch

Dr. Yong-Mi Rauch, Chefin der Historischen Sammlungen, hat die Putzteams vor allem in den Keller-Magazinen eingesetzt. Sechs Kilometer lang war die Buchreihe aller rund 210 000 Bände, die akribisch vom Staub befreit wurden. Der Staub stellt nicht nur ein gesundheitliches Risiko für Leser und Bibliothekare dar, sondern er bietet auch Nährboden für Schimmel und Buchschädlinge. Die Schicht verfestigt sich im Lauf der Zeit und schädigt die Einbände.

Den Job haben Putzkräfte der Gebäudereinigerfirma Gegenbauer übernommen. Yong-Mi Rauch ist zufrieden mit der Arbeit. Da sie keine speziellen Buchrestauratoren sind, wurden die Arbeiter von Experten vorher geschult. Mit Atemmasken, Handschuhen und Staubsaugern wurden die Einbände der historischen Bücher gereinigt. Mehrere Tausende Bücher hatten die Bibliothekare vorher aussortiert. Sie müssen in Spezialwerkstätten restauriert werden, weil sie auseinanderfallen und teilweise schimmelig sind. In den alten Magazinen, wo sie vorher standen, gab es immer wieder Wasserschäden, erklärt Yong-Mi Rauch.

Mit Schwämmen und Pinseln werden die wertvollen Schriften gereinigt. „Das passiert fortlaufend“, sagt Rauch. Ihr Büro ist in der sechsten Etage des Grimm-Zentrums, auf der ebenfalls Tausende Bücher aus dem Gründungsbestand in Magazinen stehen. Im Keller gibt es noch ein paar kleinere Räume mit historischen Büchern, die vom Staub und der Patina der Jahrhunderte befreit werden müssen. Das finanziert die Universität selbst. Eine so große Reinigungsaktion wie im November und Dezember allerdings wäre ohne die Fördergelder nicht möglich gewesen.

Der historische Buchbestand der Humboldt-Bibliothek hat besondere kulturgeschichtliche Bedeutung, da zahlreiche Studienbibliotheken von Berliner Professorinnen und Professoren in ihm aufgegangen sind. Bekannt sind etwa 170 verschiedene Provenienzen von Gelehrten. Zudem erhielt die Universität ab 1825 Pflichtabgaben der Verlage in Berlin und Brandenburg. Viele dieser Werke sind heute sehr selten.

Der Direktor der Universitätsbibliothek, Professor Andreas Degkwitz, will „weitere notwendige Reinigungen forschungsrelevanter Altbestände der UB“. Dies sei zur Sicherung dieser Bestände äußerst dringlich und bedürfe weiterer Unterstützung, so Degkwitz.

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