ABACUS Tierpark Hotel | Berlin
mein Stammtisch-Interview | Claudia Schulz

1996 Studienabschluss: Magistra Artium in den Fächern Geschichte (Hauptfach), politische Wissenschaft und Romanistik (Nebenfächer) an der Universität Hamburg | Dozentin an der Technischen Universität Berlin | selbständige Freiberuflerin | Coach und Trainerin| Leiterin der Verbandskommunikation und Vorstandsmitglied Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft Landesverband Berlin e.V. (DLRG) | wissenschaftliche Mitarbeiterin für Öffentlichkeits- und Pressearbeit am Zentrum Moderner Orient, Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e.V. | diverse Publikationen und Vorträge u.a. in Großbritannien, Kanada und USA

Frau Claudia Schulz, jetzt einmal wirklich unter uns:​

Mit welchen drei Adjektiven würden Sie sich beschreiben?

Wertschätzend, integer, mutig ...

Was war früher Ihr liebstes Schulfach und warum?
Tatsächlich bin ich höchst ungern in die Schule gegangen. Es wäre leichter zu sagen, welche Fächer ich nicht mochte. In dem baden-württembergischen Gymnysium, das ich besucht habe, herrschte ein autoritärer Stil, gegen den ich aufbegehrt habe. Sport und Musik mochte ich gerne. Bis zum Abitur habe ich täglich durchschnittlich 1,5 Stunden Sport getrieben, Reiten, Tennis, Schwimmen, Joggen. Ich liebe es bis heute, mich an der frischen Luft zu bewegen. Entspannung stellt sich bei mir mit Bewegung ein. Klassische Musik entzückt mich und der Musikunterricht meiner Schule war eng mit dem Schulchor verbunden, in dem ich gesungen habe ...

Was war das erste Konzert, welches Sie je besucht haben?
Ein Udo-Lindenberg-Konzert in Freiburg/Breisgau. Ich war 14 Jahre alt. Meine Eltern haben mir nicht erlaubt, allein mit meiner Freundin das Konzert zu besuchen, aber sie wollten es auch nicht verbieten. Daher haben sie meinen Schwager in spe gebeten, uns zu begleiten. Unglücklicherweise hat er sich kurz vor dem Konzert am Knie verletzt. Ich hatte solche Angst, dass ich das Konzert verpassen würde! Schließlich hat sich meine Mutter meiner erbarmt und mit uns das Konzert besucht. Jüngst trat Udo Lindenberg auf der Victress Award Gala 2019 auf. Ich musste sehr schmunzeln als mir regelrecht das Herz aufging ...

Was gibt Ihnen neue Kraft und versetzt Sie in Spannung?
Falls es ein früheres Leben gibt, war ich gewiss Nomadin. Ich habe von April bis Oktober einen Zeltplatz auf einem Campingplatz in Spandau. Ich genieße es jedes Mal, wenn ich es einrichten kann, in Wassernähe zu sein und mich an der frischen Luft aufzuhalten. Frühmorgens an die Havel zu gehen und das Wasser zu berühren, ist wie ein Jungbrunnen für mich. Ebenso tanke ich bei der Arbeit mit meinen Pferden auf. In ihrer Gegenwart vergehen kleinere wie größere Sorgen und Nöte. In der Box einer Stute, die ich später gekauft habe, hat sich 2012 ein wirklich übler Tinitus aufgelöst.
In Spannung – im Sinne von Inspiration – versetzen mich Aufgaben, die andere als unmöglich erachten. Wenn ein Team beispielsweise so zerstritten ist, dass die Kündigung als einziger Ausweg aus der Situation erscheint, trage ich liebend gerne dazu bei, weitere Wege zu erkunden, um die Mitarbeiter*innen halten zu können. In einem Team kam es einmal doch zu der Kündigung einer Führungskraft. Diese ist aber als ausgezeichnete Fachkraft in ihrem Team geblieben und unterstützt ihre Nachfolgerin seit Jahren nach Leibeskräften...

Gibt es bei Ihnen ein Lieblingswort?  Wertschätzung ...

Wofür würden Sie mitten in der Nacht aufstehen?

Als Kind durfte ich mir "nächtens" einen Wecker stellen, um Western sehen zu können, die um Mitternacht liefen. Filme mit Pferden waren für mich einfach unwiderstehlich. Diese Zeiten sind passé. Bis heute würde ich immer aufstehen, wenn jemand Hilfe bräuchte ...

Was schieben Sie immer wieder vor sich her, machen es aber doch nie?
Die Lektüre der ZEIT-Artikel, die ich nicht bis zu dem Erscheinen der neuen Ausgabe gelesen habe ...

Für was würden Sie berühmt sein?
Für die Gewissheit, dass sowohl Menschen als auch Pferde aus freien Stücken kooperieren und gerne ihr Bestes geben, wenn sie mit Wertschätzung behandelt werden ... diese Gewissheit speist sich bei mir aus der Arbeit mit einem traumatisierten Pferd. Es hieß, das Tier sei aggressiv, unkooperativ, faul und zickig. Ich habe die Stute gesehen und gedacht: Zuverlässig, hochsensibel, hochintelligent. Ich habe sie gekauft und in der Arbeit meinen gewalt- und schmerzfreien Ansatz verfolgt. Heute steht ein extrem leistungsbereites Pferd im Stall, das als Chefin im Stall ein ausgezeichnetes Sozialverhalten hat und sich um jedes einzelne Tier in ihrer Herde kümmert. Wenn dieser Ansatz zwischen Pferd und Mensch funktioniert, so meine Gedanken als ich mit dem Coaching von Unternehmen begonnen habe, dann sollte es auch zwischen Menschen klappen ...

Wenn Sie eine Olympia-Medaille für eine Sportart gewinnen könnten — egal ob es realistisch ist oder nicht — welche wäre das?
Stilspringen über 60 cm hohe Hindernisse. Das ist eine Höhe, die Pferde auch in der Natur überwinden. Bei Stilspringen geht es um den Einklang, um die Harmonie zwischen Mensch und Pferd. Am Zügel zu zerren, das Pferd herumzureißen oder derbe anzutreiben, ist nicht erwünscht. Im Mittelpunkt steht, das eigene Tempo zu finden und zu verschmelzen um gemeinsam zu fliegen ...

Wenn Sie nicht mehr schlafen müssten, was würden Sie in dieser Zeit machen?
Ich würde tanzen gehen, wieder in einem Chor singen, bis an die Atlantikküste reiten, mein Französisch und Spanisch auffrischen, in Frankreich und Spanien spannende Unternehmen trainieren, mein drittes und viertes geplantes Buch schreiben und eine Zeitschrift für wertschätzende Kommunikation herausbringen (lacht) ...

Wenn Sie eine Sache auf der Welt verändern dürften: Was wäre das?

Ich würde es Menschen noch leichter machen, sich selbst zu verändern, anstatt die Verantwortung bei anderen Menschen zu suchen, wenn z.B. etwas schief gegangen ist ...

Wie verbringen Sie Ihre freie Zeit?
Bei den Pferden, mit Familie und Freunden, bei Spaziergängen mit dem Hund, in klassischen Konzerten, in der Oper, in Ausstellungen und mit Lektüre von Fachbüchern und Romanen ...

Haben Sie für uns auch eine Anekdote?
Als mein Kind neun Jahre alt war, hat es mich gefragt, ob ich wisse, was verrückt sei. „Nein“, habe ich geantwortet, „was ist denn verrückt?“ – „Mama, verrückt ist, wenn man kein Geld hat und sich nicht ein Pferd kauft, sondern zwei.“

Welche nächsten Reisepläne haben Sie?
Ich werde natürlich längere Wanderritte unternehmen ...

Was ist Glück?
Glück ist, sich federleicht zu fühlen, die ganze Welt umarmen zu wollen und vor sich hin zu summen ...

Wird im Jahr 2019 noch etwas Aufregendes passieren?
Anfang  Juni habe ich ein öffentliches Unternehmertreffen in einem Lichtenberger Tagungshotel. Anschließend werde ich mich weiterhin mit meinen Pferden auf die Kommunikation und die Lösung von Konflikten in Unternehmen konzentrieren, welche hauptsächlich einen hohen Frauenanteil haben. Gerne werde ich Reiter*innen unterstützen, friedlicher mit ihren Pferden umzugehen und dabei leichter ihre Ausbildungsziele mit den Pferden zu erreichen ...

Na, dann kann ich nur wirklich viel Erfolg wünschen ...

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