Meinung
Ewige Sommerzeit: Peter Altmaier, der Langschläfer

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) befürwortet die "ewige Sommerzeit" ab 2021 auch mit persönlichen Vorlieben, welche hier überspitzt im Bild und Kommentar hinterfragt werden. Montage
  • Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) befürwortet die "ewige Sommerzeit" ab 2021 auch mit persönlichen Vorlieben, welche hier überspitzt im Bild und Kommentar hinterfragt werden. Montage
  • Foto: Achim Melde/Deutscher Bundestag; Pixabay/Oldiefan
  • hochgeladen von Marcel Adler

BERLIN - Die EU schafft 2021 die Zeitumstellung ab. Peter Altmaier (CDU) wirbt wie kein anderer Politiker für die "ewige Sommerzeit". Weil's auch für den Bundeswirtschaftsminister dann abends draußen noch so schön ist. Lange Grillabende den Vorzug zu geben, wird nicht nur unseren Kindern schaden. Ein Kommentar.

Nun kann man ja ganz grundsätzlich erstmal gegen die Zeitumstellung sein. Das bin ich auch. Es ist auch legitim, wenn es Befürworter der "ewigen Sommerzeit" gibt. Alle Argumente sollten gehört werden. Die Mitteleuropäische Zeit wird fälschlicherweise auch "Winterzeit" genannt. Was für ein unschönes Wort, wer den Sommer liebt. Vielleicht wirbt unser Bundeswirtschaftsminister seit einem halben Jahr deswegen mit persönlichen Präferenzen für die Sommerzeit. Er mag ihn nicht, den Winter. Im vergangenen August twitterte Altmaier: "Nie mehr Zeitumstellung, länger hell, keine Bürokratie & Kosten! Schnell umsetzen!" Später legte der Politiker noch nach, verwies auf "ganz praktische Vorteile". Denn man könne "öfter nach der Arbeit noch ein paar Sonnenstrahlen tanken". Ja, und dann könnten unsere "Kinder nach der Kita oder der Schule länger im Hellen draußen spielen".

Dann dämmert's uns erst zu um 9

Bei allem Respekt, aber hätte Herr Altmaier Kinder, würde er wissen, dass es schon mit Normalzeit schwer genug ist, die Racker morgens aus den Federn zu bekommen. Teenager dürfen in der Schulzeit nicht ausschlafen, nur weil sie abends länger im Hellen draußen tingeln können. Peter Altmaier muss ein Langschläfer sein, wenn ihm nicht ganz klar ist, was der Preis für eine Stunde abends mehr im lauschigen Freien ist. Ewige Sommerzeit bedeutet mehr Schlafdefizite bei Millionen Schülerinnen und Schüler. Ewige Sommerzeit bedeutet, dass meine Söhne und meine Tochter monatelang in Dunkelheit zur Schule gehen müssen. Dass es sechs Wochen lang erst um kurz vor 9 Uhr dämmern wird. Inzwischen hat sich auch unser Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu Wort gemeldet. Spahn könnte sich zwölf Monate Sommerzeit "gut vorstellen". Ausgerechnet der Gesundheitsminister auch noch. Wenigstens die Pädagogen und Mediziner machen sich ernsthaft Gedanken. 

"Nein" von Lehrern, Ärzten und Bau

Der Lehrerverband und zahlreiche Ärzte befürchten mehr Unfälle auf dem Schulweg und Schlafmangel. Das haben schon die Russen erkannt, die nach der Einführung 2011, die ewige Sommerzeit nur drei Jahre später wieder abschafften. Depressionen und sozialer Jetlag (gestörter Schlafrhythmus) nahmen zu. Unterstützung für die Normalzeit kommt vom Hauptverband Deutsches Baugewerbe. Deren Geschäftsführer Felix Pakleppa schüttelte über Peter Altmaiers Vorliebe für lange Sommernächte letzte Woche nur noch den Kopf. Nicht nur für Berlins Baustellen hieße es am Morgen mit ewiger Sommerzeit länger künstliche Beleuchtung (kostet Strom!) und ein höheres Unfallrisiko.

Ich schließe mich den Argumenten von Chronobiologe Till Roenneberg an, der in einem spannenden Interview mit dem Tagesspiegel zu Altmaiers Argumente meinte: Peter Altmaiers Gründe für die ewige Sommerzeit sind genauso absurd, wie die von Trump zum Thema Klimawandel - "Ist doch schön, wenn wir wärmere Sommer haben." Der Bundeswirtschaftsminister muss sich endlich sachlich mit den Konsequenzen einer ewigen Sommerzeit auseinandersetzen, bevor er weiter auf EU-Ebene dafür wirbt. Als Gründe dafür zählen definitiv nicht, dass wir abends länger im Sommer grillen können.

Autor:

Marcel Adler aus Friedrichshain

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