Der Riese unter den Zwergen
Berliner Stadtwerke produzieren derzeit rund zehn Prozent des Solarstroms in der Stadt

Mittes Schulstadtrat Carsten Spallek (links) und Julian Silbermann von den Berliner Stadtwerken auf dem Dach der Theodor-Heuss-Schule. Bereits vor zehn Jahren wurde diese Solaranlage installiert.
  • Mittes Schulstadtrat Carsten Spallek (links) und Julian Silbermann von den Berliner Stadtwerken auf dem Dach der Theodor-Heuss-Schule. Bereits vor zehn Jahren wurde diese Solaranlage installiert.
  • Foto: Bezirksamt Mitte
  • hochgeladen von Dirk Jericho

Drei Schulen in Reinickendorf fangen jetzt die Sonne auf ihrem Dach ein. Die kleinen Kraftwerke sind Teil der Energiewende. Der Senat will Berlin bis 2050 klimaneutral machen.

Es sind immer große Pressemeldungen, wenn die Ingenieure der Stadtwerke Solarstromanlagen auf Schulen, Kitas, Polizeirevieren, Feuerwachen, Bibliotheken, Gefängnissen oder Wohnhäusern von vor allem städtischen Vermietern installiert haben. Beim ersten Bezirkspaket zum Beispiel, das der Bezirk Mitte mit den Stadtwerken im Juli unterzeichnet hat, wurde der Bau von Solaranlagen auf sieben Schulen vereinbart. Zusammen genommen sind sie so groß wie drei Handballfelder und produzieren so viel Strom, wie 134 Haushalte verbrauchen.

Das ist nicht wirklich viel, aber für die 2013 nach Volksentscheid und Abgeordnetenhausbeschluss gegründeten Berliner Stadtwerke ist jeder Vertrag ein Erfolg. Der kommunale Energieversorger vertreibt und produziert ausschließlich Ökostrom, „und zwar von hier“, wie Stadtwerke-Sprecher Stephan Natz sagt. Über 250 Solaranlagen haben die Stadtwerke, eine Tochter der Berliner Wasserbetriebe, bereits gebaut. Auf 30 Schuldächern wird bisher Sonnenenergie gesammelt, 15 Anlagen wie die im Bezirk Mitte befinden sich derzeit im Bau. Die Bezirksämter verpachten die Dächer für einen symbolischen Betrag an die Stadtwerke, die alles installieren, und pachten dann wiederum die Solaranlagen. Unterm Strich wird es zwar nicht günstiger, als den Strom wie bisher zu beziehen, aber die Bezirke tun was für die Energiewende, reduzieren den Kohlendioxidausstoß und haben laut Natz „durch langjährige Verträge stabile Stromkosten“.

Bei den Mieterstromprojekten auf kommunalen Wohngebäuden sollen die Mieter möglichst auch auf den sogenannten Berlinstrom umsteigen. „Wir sind froh, wenn die Quote bei 30 Prozent in einem Haus liegt“, so Natz. Nur 17 000 private Haushalte haben die Stadtwerke bisher als Kunden. Das liegt an den vielen Anbietern auf dem Markt und an den oft günstigeren Tarifen. Neben den Solaranlagen drehen sich für die Stadtwerke vier eigene Windräder zur Energieerzeugung. Sie stehen auf ehemaligen Rieselfeldern vor den Toren Berlins. Neun weitere werden gerade in Albertshof gebaut. Der Windpark bei Bernau mit 31 Megawatt Leistung soll das größte Windprojekt an Land in Norddeutschland werden, so Stephan Natz.

Insgesamt haben die Berliner Stadtwerke bisher 57 Millionen Euro in ihre grünen Energieprojekte investiert. Dass das Thema Photovoltaik noch ziemlich am Anfang steht, zeigt folgende Zahl: Nur ein Prozent des Berliner Stroms wird mit Solaranlagen produziert. Würde man alle dafür geeigneten Dächer und Flächen nutzen, könnte ein Viertel des Strombedarfs der Stadt mit Sonnenenergie gedeckt werden. Die Stadtwerke produzieren laut Stephan Natz immerhin zehn Prozent der gesamten Solarstromleistung in Berlin. „Wir sind der Riese unter den Zwergen“, so Natz.

Um mehr Sonnenkraftwerke aufs Dach zu bekommen, wird auch über eine Solaranlagenpflicht diskutiert. Allerdings lohnen sich Solaranlagen heute eigentlich nur noch für den Eigenverbrauch. Um die Sonnenfabriken anzukurbeln und die Dachkraftwerke zu fördern, gab es bis vor einigen Jahren hohe Förderungen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für den Strom, den man ins öffentliche Netz einspeist. Heute beträgt die Einspeisevergütung von einer Photovoltaikanlage nur noch neun Cent pro Kilowattstunde. Gekaufter Strom kostet hingegen durchschnittlich 31 Cent pro Kilowattstunde.

Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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