Blumenwand aus Plastikmüll
Im Fiction Forum zeigt die Regierung, was deutsche Kreativfirmen drauf haben

Daniel Büning und Anne Kammerzelt vor der aus Plastikmüll gedruckten Blumenwand.
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  • Daniel Büning und Anne Kammerzelt vor der aus Plastikmüll gedruckten Blumenwand.
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Ein Kunstwerk mit ökologischem Nutzwert ist die riesige Installation, die jetzt an der Rückwand des sogenannten Fiction Forums der Kultur- und Kreativwirtschaft in der Invalidenstraße 86 angebracht wurde.

Wo früher die Grenzkontrolleure der Stasi in ihren Baracken hockten, wird heute Zukunft gemacht. In einer Minibaulücke zwischen den Charitégebäuden, direkt gegenüber des Wirtschaftsministeriums, hat das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes im Juli sein Fiction Forum aufgebaut. In drei Schiffscontainern werden Innovationen aus der Kreativwirtschaft ausgestellt. Wie im soeben eröffneten Futurium dreht sich in dem kleinen Showroom alles um die Zukunft und nachhaltige Ideen. Das Wirtschaftsministerium finanziert den Ausstellungspavillon als Schaufenster deutscher Kreativkunst.

Daniel Büning ist einer von 100 sogenannten Fellows des Kreativzentrums. Seine Firma Bigrep hat für das Fiction Forum eine aus Tausenden recycelten und geschredderten PET-Plastikflaschen ein „Umwelthabitat für Großstädte“ hergestellt. Bigrep ist ein 3D-Druckerhersteller, der Maschinen für die Industrie baut. In den vergangenen Wochen liefen im Thaersaal der Humboldt-Universität – ein paar Meter weiter in der Invalidenstraße – vier der Bigrep-Monsterdrucker auf Hochtouren. Die Maschinen haben aus der Masse der eingeschmolzenen Plastikflaschen insgesamt 16 Einzelteile gedruckt, die jetzt zu einer Blumenwand zusammengebaut wurden. Der „Genesis Eco Screen“, wie Büning seine Installation nennt, ist vier Mal vier Meter groß. Das Plastikgebilde sieht aus wie mächtige Wurzeln oder Äste. Die Pflanzen in den Plastiknestern werden automatisch durch ein Leitungssystem bewässert, das der Drucker mit ausgespuckt hat. Die Ökowand soll für Insekten und Bienen ein Zuhause sein. Die „weltweit erste, vollständig 3D-gedruckte Umweltinstallation“ soll zeigen, was die deutschen Kreativfirmen drauf haben. „Architekten, Künstler und Designer machen nicht nur tolle Sachen, sondern leisten einen große Beitrag zur Wirtschaftsleistung des Landes“, sagt Daniel Büning, der als Innovationsdirektor des Druckerherstellers an neuen Anwendungen tüftelt. Die Pflanzenwand aus Plastikmüll soll dabei nicht nur eine Illustration für Kreislaufwirtschaft, Ökologie und Nachhaltigkeit sein, sondern ein Produkt, das sich verkaufen lässt. „Wir wollen, dass das auch zur Anwendung kommt“, so Büning.

Bei Sandwiches über die Zukunft nachdenken

Der Ausstellungs- und Veranstaltungspavillon Fiction Forum in der Invalidenstraße 86 hat noch bis Ende Oktober montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Im grünen Minigarten hinter den Schiffs-containern kann man bei Kaffee und Sandwiches über die Zukunft nachdenken. In der Ausstellung ist auch der Prototyp des Elektro-Motorrads „Nera“ zu sehen, den die Riesendrucker von Bigrep ausgedruckt haben. Außerdem eine Virtuell-Reality-Programmierung eines Frankfurter Start-ups. Mit VR-Brille kann man zum Beispiel in die virtuelle Welt der Bilder von Hieronymus Bosch eintauchen und die Kunstwerke zu Leben erwecken. Diese Technologie soll zum Beispiel den Museumsbesuch zukünftig in andere Erlebnisdimensionen katapultieren. Zu sehen sind auch Porzellangeschirr, das mit Feinstaub von den Straßen glasiert wurde, oder vegane Schuhe aus Stein und Heu.

Die Charité ist Partner des Fiction Forums und hat bereits Veranstaltungen in der Baulücke angeboten. „Die haben Interesse, das hier zu übernehmen und fortzuführen“, sagt Anne Kammerzelt vom Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes. Im Bereich Medizin und Gesundheit gebe es so viele Zukunftsthemen, die in der winzigen Nische am ehemaligen Grenzübergang debattiert werden können.

Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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