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"Wir haben auch den Mut, nein zu sagen"
Genehmigungsverfahren für umstrittenes DAU-Kunstprojekt stockt

Und alle Fragen offen: Bürgermeister Stephan von Dassel und Stadträtin Sabine Weißler auf der Pressekonferenz am 7. September.
Und alle Fragen offen: Bürgermeister Stephan von Dassel und Stadträtin Sabine Weißler auf der Pressekonferenz am 7. September. (Foto: KEN)

Das für Oktober geplante Kunstprojekt „Dau Freiheit“ sieht die Rekonstruktion der Berliner Mauer vor. In einen abgeriegelten Bereich sollen Besucher nur mit kostenpflichtigem Visum gelangen. Drinnen wird filmisch ein gestellter stalinistischer Alltag gezeigt. Genehmigen muss das alles der Bezirk. Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) will das Vorhaben jetzt um ein Jahr verschieben.

2019 sei der 30. Jahrestag des Mauerfalls. Das wäre doch ein schönes Ausstiegsszenario, so der Bürgermeister auf einer Pressekonferenz am 7. September. Das Projekt soll am 12. Oktober starten und vier Wochen später, am 11. November, mit dem Fall der rund 800 Meter langen, original 3,7 Meter hohen Mauer aus tausenden tonnenschweren Quadern enden. Aber so etwas könne man nicht übers Knie brechen. In Anspielung auf die Loveparade-Katastrophe sagte von Dassel: „Wir wollen kein zweites Duisburg.“ Die Zeit für das Genehmigungsverfahren sei einfach zu kurz, meinte auch Kulturstadträtin Sabine Weißler (Grüne).

Ein zweiter Antrag der Veranstalter, der eine verkleinerte Fläche vorsieht, liegt dem Bezirksamt erst seit dem 5. September vor. Jetzt bleibt die Staatsoper draußen. Der zentrale Zugang soll am Kronprinzenpalais erfolgen, das Mauergelände sich von der Oberwallstraße bis zur Spree und von Unter den Linden bis zum Werderschen Markt erstrecken. Das Prüfen geht von vorne los.

Anträge stauen sich

Der Antrag sei „hineingepresst“ in eine Reihe anderer Genehmigungsverfahren wie dem Berlin-Marathon oder den Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit. Viele Fragen müssten beantwortet werden, sagt Sabine Weißler. Halten Gehwege und Straßen und die darunter liegenden Leitungen die schweren Mauerteile aus? Wie verläuft ihr Transport ins Stadtzentrum? Kann man öffentliches Straßenland über einen so langen Zeitraum den Bürgern entziehen? Wie ist es rechtlich zu bewerten, dass in das Leben der Bewohner von 70 Wohnungen eingegriffen wird? Und und und.

„Wir arbeiten mit Hochdruck am Genehmigungsverfahren“, sagt die Kulturstadträtin. „Aber wir haben auch den Mut, nein zu sagen.“ Am 28. September wird man mehr wissen. Dann will die Verkehrslenkung Berlin, die die letzte Entscheidung trifft, mitteilen, ob „DAU Freiheit“ stattfinden kann oder nicht.

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