Reinhold Steinle führt durch die Neuköllner Kieze

Folgt der roten Blume: Reinhold Steinle erzählt Geschichten aus dem Körnerkiez.
  • Folgt der roten Blume: Reinhold Steinle erzählt Geschichten aus dem Körnerkiez.
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  • hochgeladen von Klaus Teßmann

Neukölln. Mit Witz und Charme führt Reinhold Steinle seit vielen Jahren Einheimische und Touristen durch die Neuköllner Kieze. Dabei stehen Geschichten und Anekdoten rund um den Körnerpark im Vordergrund.

Am Sonnabend, 31. Januar, bricht Reinhold Steinle um 14 Uhr wieder zu einer Tour durch die Geschichte Neuköllns auf. Ab 14 Uhr geht es durch den Körnerkiez. Der Stadtführer nimmt die Teilnehmer mit in jene Zeit, als Neukölln noch Rixdorf hieß und langsam vom verschlafenen Nest weit vor den Toren Berlins zum Amüsierviertel wurde.

Er erzählt von der Gründerzeit, jener Ära nach 1870/71, die verbunden ist mit großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen. Ab 1890 begannen die Bauarbeiten an der Bergstraße - der heutigen Karl-Marx-Straße. Für den Wohnungsbau wurde vor allem Kies benötigt, so entstanden in der Nähe Kiesgruben. Eine davon ist der heutige Körnerpark.

Franz Körner kaufte 1887 das Gelände und förderte Kies. Steinle beschreibt Franz Körner als reichen, kaisertreuen Industriellen, der aber durchaus ein soziales Gewissen hatte. Obwohl er in Charlottenburg lebte, bewohnte er in Rixdorf einen Sommersitz in der Jonasstraße 66. Im Keller des Hauses hatte er ein kleines Museum mit Fundstücken aus der Kiesgrube eingerichtet. Darunter befanden sich seltene Stücke wie Skelettteile eines Wals, ein ausgestopftes Rentier und Knochen von verschiedenen Tieren. "Im Rixdorfer Horizont, wie der Neuköllner Untergrund von Paläontologen genannt wird, fanden sich Knochenreste vieler Tiere aus der Eiszeit", berichtet Steinle.

Franz Körner pflegte jedoch noch ein zweites Hobby. Er hatte sich einen Garten angelegt und züchtete Sonnenblumen. Im Jahre 1896 nannte er eine seiner Züchtungen "Bismarck". Steinle weiß: "Diese Sonnenblume erreichte eine stattliche Höhe von zwei bis drei Metern."

Gegen eine Gebühr verschickte Körner die Samen in alle Welt. "Die Einnahmen hat Körner an die Armen in Rixdorf verteilt." Er spendete außerdem regelmäßig für die Kirchengemeinde und beschenkte die Rixdorfer Kinder und seine Grubenarbeiter zu Weihnachten.

Ein Jahr vor seinem Tod hat Franz Körner (1838-1911) einen Teil der Kiesgrube an die Stadt verschenkt. Seine Bedingung war: Auf dem Gelände muss ein Park angelegt werden, der seinen Namen tragen sollte. "Verwunderlich ist, dass dieser Park in der schwierigen Zeit des ersten Weltkrieges von 1913 bis 1916 gebaut wurde", erklärt Steinle.

Seit fast 100 Jahren ist der "tiefergelegte" Körnerpark nicht nur ein beliebtes Ziel für Spaziergänger, sondern auch ein Ort für Konzerte, Ausstellungen und politische Veranstaltungen. Das ist bis heute so geblieben.

Diese und viele andere Geschichten erzählt Reinhold Steinle am 31. Januar. Los geht es um 14 Uhr an der Kaffeebar in der Siegfriedstraße 19 (S- und U-Bahnhof Hermannstraße). Der Spaziergang dauert 90 Minuten und kostet 10, ermäßigt 7 Euro pro Person.

Anmeldung: 85 73 23 61; weitere Infos: www.reinhold-steinle.de.
Klaus Tessmann / KT

Autor:

Klaus Teßmann aus Prenzlauer Berg

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