Politikerinnen benennen Neuköllner Straße um

An der Ecke Hasenheide und Wissmannstraße brachten Susanna Kahlefeld (oben) und Anja Kofbinger ein neues Schild an. Christian Hoffmann, Sprecher des Quartiersmanagements Flughafenstraße, unterstützte die Aktion.
  • An der Ecke Hasenheide und Wissmannstraße brachten Susanna Kahlefeld (oben) und Anja Kofbinger ein neues Schild an. Christian Hoffmann, Sprecher des Quartiersmanagements Flughafenstraße, unterstützte die Aktion.
  • Foto: Schilp
  • hochgeladen von Susanne Schilp
Corona- Unternehmens-Ticker

Neukölln. Eine halbe Stunde lang verwandelte sich die Wissmannstraße am 8. März in die Charlotte-Wolff-Straße. Die Grünen hatten die symbolische Umbenennung organisiert.

Ausgestattet mit einer Stehleiter, einem Pappschild und Info-Blättern rückten Susanne Kahlefeld und Anja Kofbinger nebst etlichen Begleitern am späten Vormittag an. Die beiden Grünenpolitikerinnen sitzen für Nord-Neukölln im Abgeordnetenhaus. Ihnen ist der Straßenname seit Jahren ein Dorn im Auge. Und nicht nur ihnen. Schon 2005 hatte die Werkstatt der Kulturen, die an der Wissmannstraße ansässig ist, eine Diskussion über eine Umbenennung angestoßen.

Hermann Wilhelm Leopold Ludwig Wissmann (1853–1905) war Offizier und Kolonialbeamter, unter anderem Gouverneur in Deutsch-Ostafrika. Das Gebiet umfasste die heutigen Länder Tansania, Burundi und Ruanda sowie einen kleinen Teil Mosambiks. Es war nahezu doppelt so groß wie das damalige Deutsche Reich. Wissmanns Leitspruch lautete: „Finde ich keinen Weg, so bahne ich mir einen.“ Bei der afrikanischen Bevölkerung war er unter anderem wegen seiner grausamen Strafexpeditionen gefürchtet. Die Neuköllner Straße trägt seit 1890 seinen Namen.

„Dass heute so viele Menschen aus Afrika flüchten, ist auch die Folge von Kolonialpolitik“, sagt Susanna Kahlefeld. „Und weil die Kolonialherrscher alles Männer waren, finden wir es besonders schön, eine Frau als neue Namensgeberin vorzuschlagen“, ergänzt Anja Kofbinger. Auch das Datum des Schilderaustausches sei nicht zufällig gewählt: Der 8. Mai ist der Internationale Frauentag.

Aber wer war Charlotte Wolff? Sie lebte von 1897 bis 1986, war eine jüdische Ärztin und Sexualwissenschaftlerin und baute die erste Klinik für Familienplanung, Schwangerschaftsfürsorge und Verhütung in Deutschland auf. „Hier im Kiez, im AOK-Haus an der Donaustraße, beriet sie vor allen Frauen der unteren Mittelschicht und Arbeiterklasse. 1933 musste sie vor den Nazis flüchten“, sagt Kofbinger.

Die Aktion soll nicht die einzige bleiben, sondern von nun an jedes Jahr im März mit neuen Namensvorschlägen wiederholt werden – bis die Wissmannstraße Geschichte ist. Andere Städte wie Bochum und Stuttgart haben bereits gehandelt und ihre Wissmannstraßen umbenannt. In der DDR verschwand der Name des Kolonialherren schon in den 50er-Jahren aus dem Stadtbild.

Die Grünenpolitikerinnen freuen sich über Namensvorschläge, besonders wenn sie von den Anwohnern kommen. Interessierte können Kontakt aufnehmen unter anja.kofbinger@gruene-fraktion-berlin.de oder susanna.kahlefeld@gruene-fraktion-berlin.de. sus

Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

10 folgen diesem Profil

1 Kommentar

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
  3 Bilder

Bis 10. Juli mitmachen bei Verbraucherumfrage
Mehr Wertschätzung für regionale Lebensmittel?

Der Agrarmarketingverband pro agro und der Verband Digitalwirtschaft Berlin-Brandenburg (SIBB e.V.) starten eine Umfrage zum Thema:  Mehr Wertschätzung für regionale Lebensmittel.  Toilettenpapier, Hamsterkäufe, Begrenzungen der Kundenzahlen in den Geschäften - die mediale Berichterstattung der vergangenen Monate zum Einkaufsverhalten der Verbraucher war bestimmt von diesen drei Schlagzeilen.  Doch wie hat sich das Einkaufsverhalten in Berlin und Brandenburg verändert? Wurde häufiger...

  • 03.07.20
  • 142× gelesen
BildungAnzeige
  4 Bilder

Jeder kann was!
Freie Ausbildungsplätze an der Emil Molt Akademie

Wir sind eine Berufsfachschule, Fachoberschule und Fachschule in freier Trägerschaft. Vor zwei Jahren im neuen Vollholzgebäude in Schöneberg eingezogen, freuen wir uns, Ihnen mit neuer Kapazität folgende Bildungsgänge anbieten zu können: Die Ausbildung zum Sozialassistenten, in zwei Jahren - Voraussetzung: Berufsbildungsreife (BBR) Die Ausbildung zum Kaufmännischen Assistenten, in zwei Jahren - Voraussetzung: Mittlerer Schulabschluss (MSA) Die Allgemeine Fachhochschulreife,...

  • Schöneberg
  • 01.07.20
  • 120× gelesen
  •  1
SportAnzeige
  2 Bilder

Neue Mini Tore
Jubel bei den Minis des SSV Köpenick Oberspree

Mit großer Freude können unsere Juniorenmannschaften wieder mit dem Training beginnen und zeigen mit ganzem Stolz ihre neuen Bazooka FUNino Tore, selbstverständlich mit unserem schönen Vereinslogo auf dem Netz. Großer Dank gilt hierbei der Unterstützung dem ehemaligen Union Profifußballspieler Steven Jahn und seiner Firma Zoccer mit Sitz am Treptower Park, Homepage: www.dubisteinzoccer.de Ebenso möchten wir uns bei den beiden Trainern Frank Schumann und Maik Ratsch bedanken, die diese...

  • Niederschöneweide
  • 15.06.20
  • 93× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen