Zwangsheirat in den Ferien
Bezirksamt verschickt Info-Briefe an Schulen und Jugendfreizeithäuser

Rund 460 Zwangsheiraten werden jedes Jahr in Berlin bekannt. Die Dunkelziffer ist hoch. Das Bezirksamt hat nun Informationsbriefe an Schulen und zum ersten Mal auch an Jugendfreizeithäuser geschickt – in der Hoffnung, dass Lehrer und Erzieher erste Anzeichen erkennen und den Betroffenen helfen können.

Über die Hälfte der unfreiwilligen Hochzeiten finden im Ausland statt, meistens während der Ferien. In der Mehrzahl sind es Mädchen und junge Frauen, denen die Familie einen ihr oft völlig unbekannten Ehemann zuweist. Aber auch Jungen werden Opfer von Zwangsheiraten. Etwa jeder Dritte von ihnen ist unter 18 Jahre alt.

In diesem Punkt hat die deutsche Gesetzgebung bereits reagiert: Ehen von Minderjährigen sind seit 2017 in Deutschland verboten und werden auch nicht anerkannt, wenn sie nach ausländischem Recht gültig sind. „Zwangs- und Frühverheiratung ist eine Menschenrechtsverletzung, die es mit aller Entschiedenheit zu bekämpfen gilt“, sagt Bürgermeister Martin Hikel (SPD). Es gebe etliche Hilfsangebote für Betroffene, aber leider kämen die entsprechenden Informationen für sie oft zu spät oder erreichten sie gar nicht. Hier seien die Schulen gefragt, so Bildungsstadträtin Karin Korte (SPD). „Gerade aufmerksame und sensibilisierte Pädagogen können möglicherweise erste Anzeichen für eine drohende Zwangsheirat erkennen und Hilfe anbieten.“ Alle Möglichkeiten der Aufklärung und Unterstützung müssten ausgeschöpft werden.

In den Informationsbriefen finden Lehrer, Sozialarbeiter und Betreuer konkrete Tipps, wie sie sich bei Verdachtsfällen verhalten sollten. Beratung und Hilfe bieten beispielsweise die Neuköllner Gleichstellungsbeauftragte, die Arbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit, die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes und Papatya, eine anonyme Kriseneinrichtung für junge Migrantinnen.

In ganz dringenden Fällen können sich Betroffene ans Kinderschutzteam wenden, das unter ¿90 23 95 55 55 rund um die Uhr erreichbar ist.

„Bei aller Toleranz für die Vielfalt von Kulturen und Lebensentwürfen: Wer Kinder verschleppt und im Ausland verheiratet, stellt sich gegen alles, was unsere Gesellschaft ausmacht“, sagt Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU).

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