Kein verlorenes Jahr, ein Gastbeitrag
Bürgermeister Martin Hikel blickt zurück und sagt: Danke, Neukölln!

Martin Hikel auf der Terrasse des Klinkerkranichs auf dem Dach der Neukölln Arcaden.
  • Martin Hikel auf der Terrasse des Klinkerkranichs auf dem Dach der Neukölln Arcaden.
  • Foto: Marcel Schwickerath
  • hochgeladen von Susanne Schilp

Zum Jahresende habe ich noch einmal meinen Kalender aus diesem Jahr überflogen. Im Januar und Februar habe ich viele Schulen und Betriebe besucht. Wir hatten Senatoren und Sozialarbeiter eingeladen, um die Situation des Drogenkonsums entlang der U8 zu diskutieren und Lösungen für die belasteten Anwohner zu finden.

Im Februar haben wir mit über 200 Menschen Straßen in Neukölln nach zwei getöteten Polizisten – Uwe Lieschied und Roland Krüger – umbenannt. Mehrere Einbürgerungsfeiern habe ich durchgeführt, abends oft an Podiumsdiskussionen und Sitzungen im Rathaus teilgenommen, viele Bürgerinnen und Bürger getroffen.

Und dann kam Corona, mit einem Schlag der erste Lockdown. Wahrscheinlich geht es Ihnen wie mir. Die Zeit vor der Pandemie wirkt weit entfernt, weiter jedenfalls als „nur“ ein knappes Jahr. So vieles hat sich geändert – unsere Verhaltensweisen, unser Privatleben. Bei manchem kommen sicherlich existentielle Ängste oder zumindest Sorgen über die Zukunft hinzu.

Von einem Tag auf den nächsten umstellen

Von einem Tag auf den nächsten mussten wir uns im Bezirksamt umstellen – so wie wir alle zu Hause, auf Arbeit oder im Privatleben. Priorität hatte und hat die Bekämpfung dieser Pandemie. Im Tagesrhythmus folgten neue Anforderungen. Kita- und Schulschließungen. Wegfall aller Sprechzeiten. Kontakteinschränkungen. Unterstützung des Gesundheitsamtes. Partys in der Hasenheide. Quarantänisierung von knapp 1000 Menschen in Neukölln. Homeoffice. Maskenpflicht.

Täglich steigende Inzidenzen und neue Herausforderungen für das Bezirksamt vermitteln den Anschein, als hätte es nur Horrormeldungen gegeben. Aber es gab auch viele besondere Momente. Eine Welle der Solidarität, der Unterstützung und des Miteinander ist von Anfang an durch unseren Bezirk geflossen. Das fing mit dem ersten Lockdown an, als sich auf meinen Aufruf hin weit über hundert Ehrenamtliche gemeldet haben, die helfen wollten. Die Hotline in unserem Neuköllner Engagementzentrum lief über vor Angeboten.

Andere unterstützten, indem sie telefonisch erreichbar waren für Menschen, die sich einsam fühlten. Andere organisierten Gabenzäune für obdachlose Menschen, die auf der Straße kaum jemandem begegneten. Auch bei Plattformen wie dem Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de gab es unzählige Hilfsangebote. Hinzu kamen die unterschiedlichsten künstlerischen Aktionen.

Auch die ehrenamtlich engagierten Hilfsorganisationen waren permanent gefragt und sind immer für Neukölln da. Das Technische Hilfswerk (THW) baute in wenigen Tagen unser Corona-Abstrichzentrum auf. Als das Gesundheitsamt im Juni knapp 370 Haushalte unter Quarantäne stellte, um einen Ausbruch einzudämmen, wurde binnen weniger Tage eine Logistikkette vom Deutschen Roten Kreuz und dem THW aufgebaut. Mehrmals versorgten sie etwa 1000 Menschen mit dem Nötigsten.

Viele Herausforderungen, aber auch viel Solidarität

Auch für alle, die in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeeinrichtungen, bei der Polizei und Feuerwehr, in den Schulen oder im Bezirksamt arbeiten, ist dies ein Jahr voller Herausforderungen gewesen. Es waren andere Herausforderungen als die der vielen Eltern, die im Homeoffice parallel noch die Kinderbetreuung übernommen haben – und es nun schon wieder tun. Andere Herausforderungen als die der Gastronomen und der vielen Selbstständigen, die versucht haben, kreative Lösungen zu finden und es am Ende vielleicht doch finanziell nicht schaffen werden.

Kurz: Dieses Jahr war für uns alle ein hartes Jahr. Aber es ist kein verlorenes Jahr. Die Solidarität, die gegenseitige Unterstützung, die ich überall gespürt habe – zuletzt bei den Aktionen von Curry Paule bis hin zu meiner Kaffeewette für die Kältehilfe: In der Hinsicht war das ein beeindruckendes Jahr.

Und deshalb möchte ich zum Abschluss einfach nur Danke! sagen. Danke für beeindruckende Solidarität und Nachbarschaftlichkeit, die wir in Neukölln bewiesen haben. Das macht uns aus, und darauf können wir im Bezirk stolz sein.

2021 kann nur besser werden. Und mit diesem Schwung der Solidarität und gegenseitigen Unterstützung gehen wir das gemeinsam an. In diesem Sinne: Einen guten und vor allem gesunden Rutsch ins Jahr 2021!

Martin Hikel, Bürgermeister

Autor:

Lokalredaktion aus Mitte

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