Mordanschlag mit Benzinkanister
Obdachlose durch Flammen schwer verletzt

Viele Menschen hatten sich spontan der Mahnwache am Bahnhof Schöneweide angeschlossen.
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Die Tat ist schwer zu fassen. Bei einem Brandanschlag am 22. Juli wurden zwei Obdachlose am Bahnhof Schöneweide schwer verletzt. Zeugen schritten ein und konnten mit einem Feuerlöscher das Schlimmste verhindern. 

„Nach bisherigem Erkenntnisstand ging gegen 23 Uhr ein bislang unbekannter Mann zu zwei Obdachlosen auf den Cajamarcaplatz und überschütte sie und auch ihre Habseligkeiten mit einer Flüssigkeit und entzündete diese anschließend. Der Mann flüchtete unerkannt. Die beiden 47 und 62 Jahre alten Obdachlosen erlitten schwere lebensbedrohliche Verletzungen und wurden zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht“ steht nüchtern im Polizeibericht vom nächsten Tag. Andy V. und Lothar D. müssen die Hölle durchgemacht haben. Ein Zeuge schilderte bis zu drei Meter hohe Flammen.

Zufällige Passanten sahen das, holten vom nahen Imbiss einen Pulverlöscher und erstickten den Brand. Ein weiterer Zeuge rettete den Hund der beiden, der unverletzt blieb und ins Tierheim kam. Die beiden Brandopfer wurden mit schweren Verletzungen ins Unfallkrankenhaus Marzahn eingeliefert.

Sofort Solidarität zeigen

Nicht einmal einen Tag nach der Tat hatte das Zentrum für Demokratie am Tatort zu einer Mahnwache aufgerufen. Am Fahrstuhl, an dem die Obdachlosen ihr Lager eingerichtet hatten, waren die Spuren des Anschlags noch immer zu sehen. Absperrband der Polizei, rußgeschwärzte Wände und das Pulver des Feuerlöschers, dessen Einsatz den Männern vermutlich das Leben gerettet hat. Rund 150 Teilnehmer folgten dem Aufruf, darunter Sozialsenatorin Elke Breitenbach, Sozialstadtrat Gernot Klemm (Linke) und Bildungsstadträtin Cornelia Flader (CDU) aus dem Bezirk Treptow-Köpenick sowie Abgeordnetenhausmitglied Lars Düsterhöft (SPD), in dessen Wahlkreis der Bahnhof liegt.

Die 5. Mordkommission es Landeskriminalamts führt die Ermittlungen. Ob Aufzeichnungen von der Tat existieren, wollte die Polizei nicht mitteilen. Ein Zeuge hatte wohl einen 40 bis 60 Jahre alten Mann mit Benzinkanister weglaufen sehen.

Vor gut zwei Jahren hatte es an der gleichen Stelle bereits einen ähnlichen Brandanschlag gegen Wohnungslose gegeben. Am 20. Dezember 2016 hatte ein Unbekannter, eventuell waren es auch mehrere, im Fußgängertunnel, der vom Bahnhofsvorplatz zur anderen Seite der Michael-Brückner-Straße führt, ebenfalls das Lager eines Obdachlosen angezündet. Weil dieser gerade nicht vor Ort war, wurde niemand verletzt. Der Tunnel aber wurde stark beschädigt und ist seitdem gesperrt. Im Herbst diesen Jahres soll die 210 000 Euro teure Reparatur beginnen.

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