Wohnen und arbeiten auf kleinstem Raum
Im Studentendorf wird ein Tiny House auf Alltagstauglichkeit getestet

Im Studentendorf Schlachtensee steht jetzt ein Tiny House. Bis Ende Februar testen Studierende, wie es sich darin wohnen lässt.
  • Im Studentendorf Schlachtensee steht jetzt ein Tiny House. Bis Ende Februar testen Studierende, wie es sich darin wohnen lässt.
  • Foto: Van Bo Le-Mentzel
  • hochgeladen von Ulrike Martin

Wie wohnt es sich auf 6,4 Quadratmetern? Studierende können es jetzt testen. Auf dem Dorfplatz des Studentendorfs Schachtensee steht seit Kurzem ein sogenanntes Tiny House.

Tiny House heißt so viel wie „Winziges Haus“. Das Tiny House Movement ist eine Bewegung, die Ende der 1990er-Jahre in den USA entstand und das Leben in kleinen Häusern propagierte – nicht zuletzt wegen der niedrigen Kosten, die das Wohnen vergleichsweise günstig macht.

Die Holzhütte im Studentendorf ist eine 100-Euro-Musterwohnung auf Rädern. Sie stand bereits ein Jahr lang im Hof des Bauhaus-Archiv-Museums in Tiergarten. Die „kleinste Wohnung Deutschlands“ ist eine Initiative des Architekten Van Bo Le-Mentzel, um bezahlbaren Wohnraum in teuren Städten zu schaffen.

Rund 900 Zimmer gibt es im Dorf. Die Warmmiete beträgt im Durchschnitt rund 370 Euro pro Monat. Ziel  der Genossenschaft ist es, unter der 400-Euro-Marke zu bleiben. „Doch Die Baubranche kann aufgrund gestiegener Preise und Fachkräftemangel Wohnungen zu einer Warmmiete unter 400 Euro nicht mehr anbieten“, sagt Andreas Barz, Vorstandsvorsitzender der Studentendorf Schlachtensee eG.  Auf der anderen Seite gebe es noch Platz auf dem Grundstück für neue Wohnungen. So sei man auf das Co-Being-House von Le-Mentzel gestoßen. Bei diesem Projekt gruppieren sich 100-Euro-Häuschen um einen großen Gemeinschaftsbereich in der Mitte.

Zunächst geht es aber um das einzelne Exemplar, das bis Ende Februar getestet wird. Zehn Bewohner können jeweils 48 Stunden im Tiny House verbringen und es auf seine Alltagstauglichkeit prüfen. „Die Tester werden beurteilen, ob der geringe Platz ausreicht, ob die üblichen Ansprüche und Bedürfnisse, die eine Wohnung erfüllen soll, abgedeckt sind“, erklärt Bettina Widner von der Genossenschaft. Nach der Testphase werden die Ergebnisse in einem Workshop ausgearbeitet.

Experiment passt zum Studentendorf

„Es ist ein neuartiges Experiment, auf das wir uns einlassen“, sagt Barz. Tatsächlich habe bisher noch kein Studentendorf Tiny Houses als Zukunftslösung in Erwägung gezogen. Aber der Zeitpunkt passe. „Wir feiern 2019 unser 60-jähriges Bestehen. Und auch das Studentendorf war ein Experiment, um im Nachkriegsdeutschland neue Wohnräume mit einer demokratischen Gemeinschaftskultur zu schaffen.“

Fällt der Test positiv aus, könnten die kleinen Häuschen also tatsächlich künftig günstigen Wohnraum für Studierende bieten, auch wenn bis dahin noch einige Zeit vergehen wird – mit Planungs- und Genehmigungsverfahren.

Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte, wie es sich auf wenigen Quadratmetern leben und wohnen lässt, kann am Freitag, 22. Februar von 10 bis 18 Uhr ins Studentendorf an der Wasgenstraße 75 kommen. In dieser Zeit ist die Tür des kleinen Hauses für interessiertes Publikum geöffnet.

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