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Schutz und Lehre: Das heutige M24 war einst ein jüdisches Wohnheim

Vor der Mühlenstraße 24 steht das Denkmal für den rumänischen Schriftsteller Ion Luca Caragiale.
Vor der Mühlenstraße 24 steht das Denkmal für den rumänischen Schriftsteller Ion Luca Caragiale. (Foto: Bernd Wähner)

Seit zehn Jahren hat im Gebäude in der Mühlenstraße 24 Pankows Jugendkulturzentrum sein Zuhause. Aber das Gebäude hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, ehe es zur heutigen Freizeiteinrichtung M24 wurde.

Das 1896 errichtete Haus war ursprünglich als jüdisches Lehrlingswohnheim errichtet worden. Mit finanzieller Unterstützung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin erhielten dort junge Männer eine handwerkliche Ausbildung und Schutz vor einer immer mehr vom Antisemitismus geprägten Umgebung. Das Heim bot Platz für 50 Lehrlinge. Die Wohnräume befanden sich im linken, die Gemeinschaftsräume im rechten Gebäudetrakt, die Werkstätten und ein Garten hinter dem Gebäude. Ausgebildet wurden unter anderem Schmiede, Tischler, Schneider, Schlosser und Schuster.

Geleitet wurde diese Einrichtung bis 1906 von Max Wilinski und danach von Oskar Israel, ehe sie 1939 durch die Nazis geschlossen wurde. An die Geschichte des Gebäudes erinnert heute unter anderem ein Wandbild im Treppenhaus, das beim Ausbau des Hauses vor einigen Jahren unter einer Farbschicht gefunden und wieder freigelegt wurde. Außerdem ist am Mauerwerk eine Gedenktafel angebracht.

Zu DDR-Zeiten wurde das Haus zur Stadtbezirksbibliothek umgebaut. Es wurde für die neue Nutzung seinerzeit entkernt, und an die frühere Geschichte erinnerte nichts mehr. Die Bibliothek wurde nach dem rumänischen Schriftsteller und Dramatiker Ion Luca Caragiale (1852-1912) benannt, der seit 1904 bis zu seinem Tode in Berlin lebte. Ihm zu Ehren wurde 1955 eine Stele mit einem Porträt von ihm vor dem Haus aufgestellt. Doch diese verwitterte im Laufe der Jahrzehnte.

Aus Anlass von Caragiales 100. Todestages wurde dieses Denkmal wieder auf Vordermann gebracht, sodass es heute vor der Mühlenstraße 24 zu besichtigen ist. Bis Mai 2001 befand sich die Bibliothek in diesem Gebäude. Sie zog dann in das frühere Jüdische Waisenhaus in der Berliner Straße 120 um und erhielt den neuen Namen „Janusz Korczak“.

Längere Zeit stand das Gebäude dann leer. Das Bezirksamt entschied aber, es zu sanieren und in ihm ein neues Jugendkulturzentrum einzurichten. Fast 18 Monate wurde im und am Haus gebaut. Insgesamt 1,8 Millionen Euro investierte der Bezirk, und 2008 konnte die Einrichtung eröffnen.

Der neue Klub erhielt den schlichten Namen „M24“. In ihm stehen ein großer Raum für Veranstaltungen sowie ein offenes Jugend-Café zur Verfügung. Außerdem gibt Übungsräume für Musiker und weitere multifunktional zu nutzende Räume. Geöffnet ist das M24 dienstags bis freitags von 14 bis 21 Uhr. Weitere Informationen auf www.m24-deinjugendklub.de.

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