"Kein Schulneubau mitten im Park"
Anwohner sammeln Unterschriften gegen Halbierung des Thälmannparks

"Grünanlagen betoniert man nicht", sagen Markus Seng und Wolfram Langguth von der Anwohnerinitiative und sammeln Unterschriften für einen Einwohnerantrag.
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Die Grundschule im Ernst-Thälmann-Park bekommt ein zweites Haus. Die Pläne sind nicht neu. Doch eine Anwohnerinitiative wehrt sich beharrlich dagegen. Denn mit dem Neubau wird der Park nicht nur kleiner, sondern auch in zwei Hälften geteilt. Dabei gäbe es eine Alternative, sagen die Anwohner.

Rot-weißes Signalband flattert im Wind. Der Ernst-Thälmann-Park ist mal wieder gesperrt. Durch kommen trotzdem alle. Die Parkblockade vor der Grundschule ist nur symbolisch. Organisiert hat sie die Anwohnerinitiative Thälmannpark, zum neunten Mal seit Februar. „Heute werden wir die 2000 Unterschriften locker knacken.“ Markus Seng ist optimistisch. Nicht ohne Grund, denn alle paar Minuten unterschreibt der nächste Spaziergänger auf der Liste. Auch weiter unten, Richtung Planetarium, können Sengs Mitstreiter nicht klagen.

Die 2000 Unterschriften braucht die Anwohnerinitative für ihren Einwohnerantrag. Mit ihm will sie in der Juni-Sitzung des Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ihr Veto gegen die Halbierung des Thälmannparks einlegen. Die nämlich droht mit der Erweiterung der Grundschule am Planetarium.

Den Schulneubau plant das Bezirksamt schon seit 2012. Wegen der steigenden Schülerzahl. Inzwischen hat das Rathaus konkrete Pläne veröffentlicht. Die Grundschule soll auf fünf Züge mit dann 720 Schülern aufgestockt werden. Der Erweiterungsbau ist Bestandteil der Berliner Schulbauoffensive und laut Bezirksamt bereits für die Investitionsplanung bis 2021 angemeldet. Die Investitionszusage vom Senat macht also Druck. Und auch die Eltern wollen den Neubau. Wie die Anwohnerinitiative, die ebenfalls nichts gegen eine neue Schule hat. Nur eben nicht mitten im Park.

Grünfläche wird zerstört, Bäume gerodet

Hinziehen soll sich der Schulcampus im Parkgelände zwischen Ella-Kay-Straße und Diesterweg-Straße. Damit nimmt er freie Fläche weg und schneidet die Grünanlage in zwei Hälften. „Rund 0,6 Hektar Grünfläche werden zerstört. Bald fallen hier die ersten 42 Bäume und das Gelände wird gerodet“, befürchtet Markus Seng. Außerdem trenne der Campus das denkmalgeschützte Areal mit den Wohnhäusern rund um das Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße vom Park am Planetarium. Denn: „Der breite Weg, der an der Schule vorbeiführt, soll für Fußgänger und Radfahrer gesperrt werden“, sagt Seng. Damit sei der Park nicht mehr durchquerbar.

Laut Planung müssen Fußgänger und Radler künftig über die Diesterweg-Straße ausweichen. Ein zweiter Weg soll nördlich der Grundschule an der Bahntrasse verlaufen. Langfristig sei eine durchgehende Verknüpfung zwischen Prenzlauer Allee und Greifswalder Straße entlang der Bahntrasse angedacht, so das Bezirksamt. Die Behörde selbst spricht von „einem geringen Verlust an öffentlicher Grünfläche“.

Für die Anwohnerinitiative jedoch sind die Pläne ein zu großer „Eingriff in die Natur und in ein denkmalgeschütztes Gebiet, das mit dem Gelände des Zeiss-Großplanetariums ein historisches Ensemble bildet“. Weshalb die Anwohner das ehemalige Vivantes-Klinikum als Alternativstandort für die Schule vorgeschlagen haben. Doch das Bezirksamt hält das Gelände, das inzwischen der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) gehört, für schulische Zwecke ungeeignet und pocht auf den Denkmalschutz. Was Markus Seng wundert. „Soweit wir wissen, plant das Bezirksamt dort einen Verwaltungssitz, eine Modulare Unterkunft für Flüchtlinge, Kitas und Wohnungen. „Das Argument mit dem Denkmalschutz zieht also nicht.“

Außerdem fürchtet die Anwohnerinitiative wie beim neuen Spielplatz auch für den Schulneubau eine Kostenexplosion. Denn auf dem heutigen Parkgelände stand von 1873 bis 1983 ein Gaswerk, weshalb der Boden belastet ist. „Mit Benzol zum Beispiel“, sagt Wolfram Langguth. „Und mit Kohlenwasserstoffen, also allem, was bei der Erdgasproduktion so anfällt.“ Auch das Bezirksamt geht von Belastungen des Bodens und des Grundwassers aus und will deshalb zusätzlich zur vorhandenen Grundwasserreinigungsanlage einen bewachsenen Bodenfilter (Pflanzenkläranlage) bauen. Das gefilterte Wasser soll dann Teile des Parks bewässern und den Kiezteich des Thälmannparks auffüllen, damit bei extremer Hitze wie bisher kein Trinkwasser mehr verschwendet werden muss.

Markus Seng und Wolfram Langguth haben derweil weitere Unterschriften bekommen. Für ihren Einwohnerantrag „Thälmannpark Erhalten – Nicht Halbieren“, mit dem die rund 150 Mitglieder starke Initiative auch dafür plädiert, den gesamten Park zwischen Planetarium und Plattenbausiedlung unter Denkmalschutz zu stellen. Damit er gegen Eingriffe geschützt ist.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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