„Langer Jammer“ gekappt
Die längste Fußgängerbrücke Europas wurde 2002 abgerissen

Stattliche 522 Meter lang war die Fußgängerbrücke über das frühere Schlachthofgelände. Dieses Foto ist 20 Jahre alt.
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  • Stattliche 522 Meter lang war die Fußgängerbrücke über das frühere Schlachthofgelände. Dieses Foto ist 20 Jahre alt.
  • Foto: Bernd Wähner
  • hochgeladen von Silvia Möller

Erinnern Sie sich noch? Vom S-Bahnhof Storkower Straße ging einmal Europa längste Fußgängerbrücke ab.

Heute kommt man über die etwa 85 Meter langen Reste dieser Brücke auf der einen Seite auf das Gelände des Alten Schlachthofs, auf der anderen zur Storkower Straße in Lichtenberg. Es erinnert kaum noch etwas daran, dass diese Brücke mal stattliche 522 Meter lang war.

Bereits kurz nach Eröffnung des Central-Vieh- und Schlachthofs 1881 wurde an dessen Rand der S-Bahnhof Zentralviehhof (heute Storkower Straße) eröffnet. Damit Fußgänger vom Bahnhof über die vier Gleise des Entladebahnhofs zum Viehhof gelangen konnten, wurde zunächst eine rund 100 Meter lange hölzerne Brücke gebaut.

Wer weiter zum Wohngebiet an der Eldenaer Straße wollte, musste an den Vieh-Betrieben weiterlaufen, was nicht ungefährlich war. Deshalb wurden 1928 Planungen in Angriff genommen, eine Brücke zu bauen, die die komplette Strecke vom Bahnhof zur Eldenaer Straße überspannen sollte. Abstimmungsschwierigkeiten zwischen der Stadt Berlin, dem Viehhof und der Reichsbahn verzögerten den Baubeginn bis zum Jahr 1937. Bis Juli 1940 entstand dann quer über den Viehhof eine 420 Meter lange Fußgängerbrücke aus Stahl, die an der Eldenaer Straße in einem Treppenturm mündete.

1976/77 wurde die Brücke saniert und vom S-Bahnhof zum damals neu entstehenden Wohngebiet Fennpfuhl auf Lichtenberger Seite verlängert. Sie wurde mit ihren 522 Metern zur längsten Fußgängerbrücke Europas.

Als Mitte der 1990er-Jahre die Ringbahn wieder aufgebaut wurde, ließ der Senat das 85 Meter lange Teilstück unmittelbar am S-Bahnhof sanieren. An den Teil über das Gelände des Alten Schlachthofes bis zur Eldenaer Straße nach Friedrichshain wagte man sich nicht heran. Der Grund: Die Zukunft dieses Brückenabschnitts war völlig ungewiss.

Der Alte Schlachthof war vom Senat zum städtebaulichen Entwicklungsgebiet erklärt worden. Vorgesehen war, hier neue Straßen und Gehwege anzulegen. Damit würde die Brücke überflüssig werden. Aus diesem Grund kümmert sich über mehrere Jahre auch niemand um den unsanierten Abschnitt. Nach und nach verwahrloste er immer mehr. Fensterscheiben zerbarsten. Bei Regen bildeten sich riesige Pfützen innerhalb der Brücke. Und auch sonst machte das Bauwerk einen sehr maroden Eindruck. Wegen ihres nicht gerade attraktiven Aussehens hatte die Brücke bereits zu DDR-Zeiten vom Volksmund den Beinahmen „Langer Jammer“ erhalten. Aber Anfang dieses Jahrtausends wurde sie diesem Namen dann voll gerecht.

2002 gab es endlich eine Entscheidung. Weil die Brücke Bauvorhaben im Entwicklungsgebiet Alter Schlachthof im Wege stand und weil abzusehen war, dass ihre Erhaltung etwa 20 Millionen Euro kosten würde, wurde vom Senat der Abriss in Auftrag gegeben. Ein Jahr nach dem Abriss wurde der etwa 85 Meter lange Brückenrest erneut saniert und es wurde ein Abgang auf das Gelände des Entwicklungsgebiets gebaut.

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