Großer Glockenturm ist Sanierungsfall
Im Stadtkloster hofft man auf viele Spenden

Carsten Albrecht hofft auf viele Spenden für den Glockenturm am Stadtkloster.
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Ein Kloster? Mitten in der Stadt? Und dann auch noch an der Schönhauser Allee?

Manch einer schaut sehr ungläubig, wenn er davon hört. Aber an der Schönhauser Allee 161 gibt es das seit mittlerweile zehn Jahren wirklich. Dort befindet sich die Segenskirche, deren Turm weithin sichtbar ist. Und dort hatte fast einhundert Jahre die Segens-Gemeinde ihr Zuhause. Anfang dieses Jahrtausends fusionierte sie dann aber mit drei anderen zur großen evangelischen Gemeinde Prenzlauer Berg Nord.

Diese hatte nun vier Kirchen und klar war, dass man nicht alle vier benötigen würde. Vor diesem Hintergrund wurde auch diskutiert, was aus der Segenskirche werden soll. Im Ergebnis eines langen Diskussionsprozesses entschied die Gemeinde, aus diesem Gotteshaus Berlins erstes Stadtkloster werden zu lassen.

Auf der Suche nach einer geeigneten Nutzergemeinschaft stieß man auf die Schweizer Communität „Don Camillo“. Diese zog im Sommer 2007 mit zunächst drei Familien in die Nebengebäude der Kirche ein und begann mit der baulichen und inhaltlichen Umsetzung ihres Stadtkloster-Konzeptes. Sie öffnete und gestaltete nach und nach Räume in der Kirche und in den Nebengebäuden. Dort können sich inzwischen Menschen vom hektischen Großstadtalltag zurückziehen. Der Stadtklosterkonvent organisiert Veranstaltungen und Kurse, lädt zu Gebeten und Meditationen ein, hält Kontakt zu Nachbarn und zur Kirchengemeinde. Seit zehn Jahren investiert der Konvent auch in die sukzessive Sanierung der Kirche und ihrer Nebengelasse. Stattliche 1,7 Millionen Euro wurden bisher dafür ausgegeben, berichtet Carsten Albrecht, der sich im Stadtkloster um das Fundraising und die Organisation von Veranstaltungen kümmert.

Für die bisherigen Sanierungen gab es zwar einige Fördermittel, und es flossen auch Spenden. Aber den größten Teil brachte die Communität aus Eigenmitteln auf. Doch nun steht das nächste, im wahrsten Sinne des Wortes größte Sanierungsvorhaben an. Der 75 Meter hohe Glockenturm muss auf Vordermann gebracht werden. Weil schon allein beim Anblick des Glockenturmes Schäden sichtbar sind, gab der Stadtklosterkonvent ein Gutachten in Auftrag. Die Fachleute bestätigten: Der Turm ist an manchen Stellen so marode, dass eine Sanierung fällig ist.

Die festgestellten Schäden sind zum Teil witterungsbedingt. Einige stammen allerdings noch aus dem Zweiten Weltkrieg und wurden nie repariert. Damit der Glockenturm nicht in einigen Jahren so marode wird, dass Einsturzgefahr besteht, entschloss sich der Konvent, rasch zu handeln. Er will den Turm mit Beginn des Frühjahrs 2019 sanieren lassen.

Als Kosten haben die Gutachter 561 000 Euro veranschlagt. Weil der Turm so markant für den Kiez und auch für die Stadt Berlin ist, hofft die Gemeinde auf Unterstützung. Zum einen werden Förderanträge gestellt, zum anderen finden in den kommenden Monaten Benefiz-Veranstaltungen im Stadtkloster statt. Der Konvent bittet aber auch alle Kiezbewohner um Spenden.

Dass die Kirche an der Schönhauser Allee entstand, ist dem rasanten Bevölkerungswachstum im einstigen nördlichen Berlin zu verdanken. Die damalige evangelische Zions-Gemeinde wuchs derart an, dass die Zionskirche so überfüllt war, dass nicht immer alle Gläubigen einen Platz fanden. Am Karfreitag 1891 kam es sogar zu einer Schlägerei um Plätze in der Kirche. Daraufhin wurde beschlossen, die Segensgemeinde als Tochtergemeinde mit 40 000 Gemeindeglieder zu gründen. Für den Bau einer neuen Kirche wurde im Jahre 1900 das Grundstück an der Schönhauser Allee 161 erworben. Auf diesem stand bis dahin ein Wohnhaus mit Lokal, Kegelbahn und Kaffeegarten. Dieses wurde abgerissen, und am 16. Oktober 1905 gab es den ersten Spatenstich für den Kirchenneubau. Nach zahlreichen Bauproblemen konnte die Kirche im Dezember 1908 endlich fertiggestellt und eingeweiht werden.

Besonders prägnant an ihrer Architektur ist der 75 Meter hohe Glockenturm, der aus der Häuserzeile der Schönhauser Allee weit herausragt. Er ist das größte Bauwerk im Ortsteil. „Passend zum Namen Segenskirche sind die drei Glocken, die regelmäßig läuten, nach jeweils einem Teil des aaronitischen Segens benannt“, berichtet Carsten Albrecht.

Der Turm wird auch von Glaubensfernen allein schon aus ästhetischen Gründen geschätzt. Er ist ein Zeuge des Baustils der wilhelminischen Ära. Aber der Turm hat auch ganz unkonventionelle Vorteile, berichtet Albrecht. „Die nähere Umgebung des Stadtklosters wird vom Kirchturm aus mit kostenlosem WLAN versorgt.“

Für die Turm-Sanierung werden nach Stand der Dinge insgesamt 60 000 Euro an Spenden benötigt. „Wir hoffen, dass davon möglichst viel davon aus dem Kiez kommt“, sagt Carsten Albrecht. „Jede fünf Euro helfen bereits weiter.“

Alle Kontodaten finden sich auf www.stadtklostersegen.de/v2/gemeinschaft/unterstutzung. Für weitere Informationen steht Carsten Albrecht unter ¿44 32 81 49 sowie per E-Mail, carsten.albrecht@stadtklostersegen.de, zur Verfügung.

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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