Unterricht aufs Wasser verlegt
Zum Tag des Ehrenamtes am 4. Dezember erhält Dr. Uwe Schneider den Bundesverdienstorden

Dr. Uwe Schneider hat mit dem Jugendforschungsschiff "Cormoran einen außerschulischen Lernort geschaffen.
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  • Foto: Michael Vogt
  • hochgeladen von Christian Sell

Morgennebel liegt über dem Tegeler See. Und auch die Namensgeber sind schon da und putzen ihr Gefieder auf den Dalben, als Dr. Uwe Schneider das Tor zum Steg öffnet, an dem sein Schiff, die „Cormoran“, samt Beiboot vertäut liegt.

„Als wir 2010 den Verein „Das Schiff“ gründeten und dieses Boot kauften, war der Kormoran der Vogel des Jahres“, erklärt Dr. Schneider. Zu diesem Zeitpunkt hatte der gelernte Kunsthistoriker die Freude an seinem Schreibtischjob an der Uni verloren. Am Rhein aufgewachsen, besitzt er ein ausgeprägtes Faible für Wasser. Da lag es für den begeisterten Wassersportler und Bootsführer nahe, seine Passion zur Profession zu machen. „Die Idee ist es, Schülern Bildung praxisnah und in der Natur zu vermitteln, indem man den Unterricht aufs Wasser verlegt“, sagt Dr. Schneider und ergänzt: „Wir wollen hinter der wissenschaftlichen Formel die Reaktion sichtbar machen.“ Diese Art der Erlebnispädagogik mit hohem Motivationsanreiz setzen er und sein siebenköpfiges Team seit nunmehr neun Jahren auf dem Jugendforschungsschiff in die Praxis um – mit viel Herzblut und ungezählten Stunden freiwilliger Tätigkeit. Naturwissenschaftliche Experimente, verschiedene Forschungsmethoden und wissenschaftliche Dokumentation sowie Fortbildung von Lehrkräften stehen auf dem Programm.

Finanzierungszuschuss
läuft Ende des Jahres aus

Ein erfolgreiches Konzept, das längst Vorbildcharakter hat und nun von höchster Stelle gewürdigt wird. Für sein Projekt wird Dr. Schneider zum Tag des Ehrenamts am 4. Dezember im Schloss Bellevue von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet. Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Ehrenamt bildet“ und schließt weitere 23 Auszeichnungen von engagierten Ehrenamtlichen aus allen Bundesländern und den USA mit ein. Für Dr. Schneider ist die Ehrung eine willkommene Gelegenheit, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sein Projekt zu lenken. Der Finanzierungszuschuss des Berliner Senats von rund 50 000 Euro ist nur bis Jahresende gesichert. „Den Betrag stocken wir mit Eigenmitteln, Spenden und einer Teilnahmegebühr auf, die derzeit bei rund acht Euro pro Schüler liegt“, sagt Dr. Schneider. Und wie wird das Bildungsangebot angenommen? In der Winterzeit, so Schneider, gehe es natürlich ruhiger zu, während im Frühling die Nachfrage das Angebot schnell übersteige. „Begonnen haben wir mit 600 Schülern im Jahr, der höchste Jahresschnitt lag bei 5000 Besuchen. Insgesamt waren bislang rund 30 000 Schüler an Bord der „Cormoran“ – darunter alle Jahrgangsstufen ab der 4. Klasse und viele Willkommensklassen.“

Das überwältigende Feedback beweist, wie wichtig Ehrenamtliche wie Dr. Uwe Schneider mittlerweile in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens geworden sind. Laut dem jüngsten Freiwilligensurvey, herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend, engagieren sich in Deutschland rund 31 Millionen Menschen, in Berlin sind es geschätzte 38 Prozent der Bevölkerung. Die häufigsten Tätigkeitsfelder sind dabei Vereine und Verbände, gefolgt von individuell organisierten Gruppen.

Ein ungebrochenes Interesse am Ehrenamt bestätigt auch Carola Schaaf-Derichs, Geschäftsführerin der Landesfreiwilligenagentur Berlin: „Für ein Ehrenamt interessierten sich Altersklassen zwischen 18 und 65 Jahren, allerdings sind die Zugangswege unterschiedlich. So waren auf unserer letzten Freiwilligenbörse im Roten Rathaus unter den circa 2500 Besuchern überwiegend Menschen zwischen 45 und 65 Jahren vertreten. Zeitgleich haben wir aber auf der Webseite der Börse rund 8000 Interessenten zumeist jüngerer Altersklassen registriert.“

Mehr Informationen zum Projekt „Jugendforschungsschiff“ gibt es auf www.jugendforschungsschiff.com und zur Landesfreiwilligenagentur auf http://landesfreiwilligenagentur.berlin

Autor:

Michael Vogt aus Prenzlauer Berg

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