Music Show Scotland - 11.03.2017 im Velodrom Berlin

Blick auf die Kulisse vor der Show
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Wer hinter dieser Bezeichnung ausschließlich Schotten vermutet, dem sei gesagt, dass die ca. 200 Künstler aus Holland, Belgien, der Schweiz, Irland, Deutschland und ja, auch einige aus Schottland kommen. Zum 11.03.2017 reisten sie mit ihrer etwa ebenso stark besetzten Crew für zwei Shows nach Berlin ins Velodrom. Während eines hervorragend organisierten Backstage Programmes erhielten wir als LesereporterInnen Einblicke, die normale ProgrammbesucherInnen so nicht bekommen. Durch das Backstage Programm führten uns Leard Stephen of Salisbury Glencairn aus Schottland sowie Mike Sprenger aus Potsdam. Die schottische Bezeichnung Leard entspricht der englischen Bezeichnung Lord. Das Programm setzt sich sowohl aus schottischen als auch aus irischen Klängen und Tänzen zusammen.

Wie geht das denn überhaupt?
Wie wird geprobt, wenn alle so weit weg voneinander leben, Familien und „ganz normale“ Berufe haben? Wie kann eine solch grandiose Show über diese Entfernungen entstehen? Grundsätzlich proben die Künstler in Vereinen an ihren Wohnorten. Der Austausch untereinander verläuft hauptsächlich über Videos, die gegenseitig verschickt werden. Am 11.03.2017 trafen sich alle morgens um 8 Uhr im Velodrom zur Generalprobe für diesen Tag. Danach folgten zwei Drei-Stunden-Shows, dann der Abbau und der Heimweg. Schließlich müssen die meisten am Montag wieder am Arbeitsplatz bzw. in der Schule erscheinen. Alles das verlangt ein hohes Maß an Organisationstalent von jeder und jedem Einzelnen. Hinzu kommen die jeweiligen Begabungen, z. B. Dirigieren, Tanzen, Dudelsack oder andere Instrumente spielen, Singen, eine Burg als Kulisse bauen, Beleuchten, das Publikum betreuen und vieles mehr. Das Wichtigste jedoch sind sicherlich die hingebungsvolle Begeisterung und die Leidenschaft für schottische und irische Kultur, die alle miteinander verbindet. Backstage bekommt man ganz schnell mit, welch freundschaftlicher, ja fast schon familiärer Umgangston gepflegt wird.

Die Kulisse
Voraussetzung für die Durchführbarkeit der Show ist immer, dass die Burg aufgebaut werden kann. Das Bauwerk ist flexibel und maximal 40 m breit und 15 m hoch. Bevor die Show starten darf, muss der TÜV eine Sicherheitsprüfung durchführen und alles genehmigen. Die Burg ist begehbar und wird vor allem durch Orchester und Chor genutzt. Die meisten Formationen der DudelsackspielerInnen und der TrommlerInnen sowie alle Tänze fanden auf dem freien Platz vor der Burg statt. Mit geschickter Beleuchtung entstanden sehr unterschiedliche Eindrücke und beeindruckende Stimmungen.

Wer steckt nun eigentlich in den Kilts?
Das Team besteht hauptsächlich aus Laienkünstler. Tatsächlich nehmen ganze Familien an der Show teil. Johann aus Holland und eine seiner Töchter spielen Dudelsack, die andere Tochter tanzt und die Frau kümmert sich um Uniformen. Die Töchter von Leard Stephen sind im Tanzensemble dabei. Außerdem reisen u. a. Fachleute für Beleuchtung, Kamera, Burgbau, Maske und sogar eine eigene fahrbare Küche nebst Besatzung mit, um nur einige zu nennen. Hauptinitiatorin der Show ist eine GmbH mit Sitz in Holland.

Uniformen
Vor allem die Musiker tragen Uniformen. Manche wie die, die Leard Stephen trug, entstammen dem Besitz alter adliger Familien. Andere gehören zu verschiedenen schottischen Regimentern, wie die Uniform von Mike Sprenger. Jede Uniform hat eigene Muster und Besonderheiten. Auch die Kopfbedeckungen sind unterschiedlich. So trug Mike Sprenger einen Hut mit einer Moorhuhnfeder und Johann aus Holland ein Feather Bonnet. Das Feather Bonnet ist mit ca. 1,5 kg die schwerste und für den Träger anstrengendste Kopfbedeckung. Zur Gardeuniform von Leard Stephan gehört keine Kopfbedeckung.

Instrumente
In der Show waren Dudelsäcke und Trommeln die für Berliner Ohren ungewöhnlichsten Instrumente. In Schottland wird eigentlich in allen Familien der Dudelsack gespielt, obwohl er gar nicht wirklich aus Schottland stammt, aber dort am beharrlichsten traditionell verankert ist. Die Instrumente werden von Generation zu Generation weitervererbt. Meist damit einher wird die Fertigkeit des Musizierens weitergegeben. Geht man zeitlich ganz weit zurück, dienten die Dudelsäcke sogar als Kommunikationsmittel, da sie über weite Strecken gut hörbar sind. Johann aus Holland hat uns in kleiner Runde vor der Show beeindruckend vorgeführt, wie das Instrument bespielt wird. Ungewöhnlich ist dabei, dass die Bewegungen der Hände und das Blasen nicht synchron sind, da die Töne durch die Luft aus dem Sack und nicht direkt durch die Luft aus dem Mund entstehen. Es braucht ca. zwei Jahre regelmäßiges Üben, bis jemand mit einem Dudelsack in der Öffentlichkeit auftreten kann.
Das Besondere bei den Trommeln waren nicht die Instrumente an sich, sondern die Art und Weise des Trommelns. Neben den erzeugten Tönen lieferten die MusikerInnen optische Höhepunkte, indem sie die Schlagstöcke akrobatisch synchron beim Trommeln herumwirbelten. Highlight dieses Showteils war eine Passage, bei welcher Schwarzlicht angeschaltet wurde und dann nur die Trommeln, die Handschuhe der SpielerInnen sowie die Schlagstöcke weiß zu sehen waren.

Tänze
Bei irischen Stepptänzen werden die Hände streng an der Körperseite gehalten. Das unterscheidet sie von den schottischen, bei denen Armbewegungen unbedingt dazugehören. Das Tempo sowie die Grazie aller Tänze beeindruckten das Publikum ebenso wie dazugehörige Geschichten, mit denen der Moderator die jeweiligen Programmteile ankündigte: So ist z. B. der Tanz mit den Schwertern ein aus dem Militär übernommener Tanz. Die siegreichen Soldaten kreuzten auf dem Boden zwei Schwerter. Zwischen den Schwertern wurden Tänze aufgeführt, die der Freude über den Sieg Ausdruck verleihen sollten. Ähnliche sehr schnelle Tänze waren einst „Bewerbungstänze“ für das Militär. Potentielle Soldaten wurden so auf ihre körperliche Geschicklichkeit überprüft.

Fazit
Insgesamt war es ein Nachmittag mit einer brillanten Show und höchst interessanten Backgroundinformationen. Das Velodrom war mit der Radrennbahn nicht ideal für die Show. Daher ist es gut zu wissen, dass die Show für den 6. Oktober 2018 bereits Vereinbarungen mit der Mercedes-Benz-Arena getroffen hat. Wer also Gänsehaut auf schottisch und irisch erleben möchte, sollte sich diesen Termin unbedingt freihalten!

Autor:

Diana Krasnov aus Marzahn

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