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Bahnhof Weißensee: Heute liegt er eindeutig in Prenzlauer Berg

Der heutige Blick auf den damaligen Bahnhof Weißensee: Die Gasometer wurden vor 35 Jahren gesprengt und wichen dem Ernst-Thälmann-Park.
Der heutige Blick auf den damaligen Bahnhof Weißensee: Die Gasometer wurden vor 35 Jahren gesprengt und wichen dem Ernst-Thälmann-Park. (Foto: Bernd Wähner)

Manche Auseinandersetzungen von einst wirken aus heutiger Sicht unwirklich und lächerlich. Für damalige Zeitgenossen waren sie allerdings ein sehr ernstes Problem. Das trifft auch auf den Bahnhof zu, der einst den Namen Weißensee trug.

Kaum jemand ahnt heute, dass der Bahnhof Greifswalder Straße noch vor 105 Jahren Bahnhof Weißensee hieß. Die preußische Eisenbahnverwaltung hatte es seinerzeit zum Prinzip erhoben, Bahnstationen immer nach dem nächstgelegenen Ort zu benennen. So kam es, dass beispielsweise Straußberg, damals mehrere Kilometer vom Bahnhof entfernt gelegen, dennoch Namensgeber eines Bahnhofs wurde. Und der Haltepunkt Pankow-Heinersdorf hieß so, weil er seinerzeit genau zwischen beiden Orten entstand. Folgerichtig bekam auf der Ringbahn die Station an der Chaussee nach Bernau den Namen Bahnhof Weißensee, weil dieser Ort in der Nachbarschaft lag. Der heutige Ortsteil Prenzlauer Berg war seinerzeit noch überwiegend Ackerland.

Der Bahnhof Weißensee erhielt im Februar 1875 seinen Namen, und von dieser Zeit an konnte sich das seinerzeit kleine Dorf mit der Ehre schmücken, eine Bahnstation „zu besitzen“. 1877 begann dann der Betrieb der Pferdebahn zwischen Weißensee und Alexanderplatz. Der Bahnhof Weißensee wurde zu einem vielfrequentierten Umsteigepunkt.

Mit der 1880 vollzogenen Gründung von Neu-Weißensee wurde das Statussymbol Bahnhof noch bedeutsamer. Auf den Briefbögen von Fabriken und Gewerbebetrieben machte sich der Hinweis auf die Bahnhofsnähe sehr gut. Sie war ein Standortvorteil. Aus diesen Gründen muss es im Jahre 1903 Jahren wie ein „Schlag ins Kontor“ gewirkt haben, als die Bahn sich daran machte, den Bahnhof umzubenennen. Der Grund: Die Station gehörte inzwischen zum Berliner Territorium – und die Bahn wollte ihn in Greifswalder Straße umbenennen. Er sollte nicht mehr den Namen des Dorfes, das damals noch draußen vor der Stadtgrenze lag, tragen.

Der Protest gegen die Umbenennungsabsichten war geharnischt. Die Argumentation der Weißenseer für die Beibehaltung des Namens war so bestechend, dass schließlich die in Preußen so allmächtige Bahnverwaltung nachgab. Man beließ zunächst alles beim alten. Das Hauptargument der Gemeinde Weißensee war übrigens: Geschäftsschädigende Folgen nach einer Bahnhofsumbenennung seien unabwendbar.

Auch als Weißensee 1920 eingemeindet wurde und Groß-Berlin entstand, blieb der Bahnhofsname erhalten. 1946 wurde die Station dann doch ohne viel Aufsehen in Greifswalder Straße umbenannt. Man hatte in dieser Zeit andere Probleme, als sich um einen Bahnhofsnamen zu streiten. Über Proteste gegen die Umbenennung oder gar Verluste für Gewerbe und Industrie in dieser Nachkriegszeit ist nichts bekannt.

Vierzig Jahre nach dieser ersten Umbenennung erhielt die Station dann den Namen Ernst-Thälmann-Park. Der Grund: 1986 wurde gleich nebenan das Wohngebiet mit diesem Namen auf der Fläche des ehemaligen städtischen Gaswerks eingeweiht. Und im Mai vor 25 Jahren benannte die S-Bahn diese Station wieder in Greifswalder Straße zurück.

Da sich dieser Bahnhof, über den man rasch nach Weißensee kommen kann, auf dem Gebiet von Prenzlauer Berg befindet, irritieren noch heute die Leser vieler Reiseführer. Als Bahnanbindung für Weißensee wird meist nur der Bahnhof Blankenburg erwähnt, weil dieser sich auf dem Gebiet des früheren Bezirks Weißensee befindet. Aber der Bahnhof Greifswalder Straße liegt weit, weit näher. Bleibt zu hoffen, dass auch die Schreiber von Reiseführern bald erkennen, dass die Bahnanbindung über die Greifswalder Straße nach Weißensee für Touristen viel günstiger ist.

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