Wirklichkeit totsicher erzählt: Humboldt-Medaille für Horst Bosetzky

Stadträtin Katrin Schultze-Berndt ehrte den Schriftsteller Horst Bosetzky zu dessen 80. Geburtstag.
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  • Foto: Bezirksamt Reinickendorf
  • hochgeladen von Christian Schindler

Anlässlich seines 80. Geburtstages am 1. Februar ehrte Kulturstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) den Schriftsteller Horst Bosetzky alias –ky mit der Humboldt-Medaille.

Lange Zeit war Horst Bosetzky einer der großen unbekannten des deutschen Literaturbetriebs. Seit den 1970er Jahren waren Krimileser auf einen Autor gestoßen, der nicht nur spannende Geschichten erzählte. Die Romane waren immer auch Zeitspiegel: Hausbesetzungen, Konflikte in der Arbeitswelt und anderes an Aktualität fand sich treffsicher beschrieben und unterhaltsam eingebettet in die Dramen um Mord und Totschlag.

Gezeichnet waren die Romane mit „-ky“. Erst zehn Jahre nach dem Erscheinen des ersten Krimis lüftete Bosetzky das Geheimnis. Der Soziologieprofessor an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege bekannte sich zu seinen literarischen Erfolgen.

Der Blick aufs Soziale prägte auch Bosetzkys weiteres Engagement. Es reichte ihm nicht, die Probleme prekärer Existenzen als literarische Spannungsvehikel zu benutzen. Er wusste um seine Privilegierung: Ein Wissenschaftler in abgesicherter Stellung muss nicht jeden Cent (damals noch Pfennig) umdrehen, wenn er nebenher schreibt. Er kannte aber genügend Schriftsteller, die nicht sicher sein konnten, ob ihre Honorare für die nächste Mietzahlung reichten.

Reinickendorfer Kriminacht auch dank Bosetzky

Bosetzky setzte sich für faire Bezahlung von Autoren ein, als Vorsitzender der Krimivereinigung Syndikat ging es ihm auch um die Förderung des Ansehens dieser Literaturgattung. 2017 konnte die 25. Reinickendorfer Kriminacht gefeiert werden, mittlerweile ein fester Termin im literarischen Kalender der Stadt, der ohne Bosetzky nicht möglich gewesen wäre.

Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller, der lange in Frohnau lebte, veröffentlichte 1995 den ersten Teil einer Familiensaga, die 1946 begann und schließlich in die Gegenwart führte. „Brennholz für Kartoffelschalen“ war dafür der Start, die Kartoffeln sollte auch in spätere Buchtitel eingehen. Die genauen Schilderungen Berlins und auch Reinickendorfs haben sicher damit zu tun, dass Bosetzky sich standhaft weigerte, jemals ein Auto zu erwerben. Die Stadt erkundet er nach wie vor am liebsten mittels S-Bahn. Deren Geschichte findet sich natürlich auch in vielfältiger Weise in seinem Werk wieder.

„Horst Bosetzky ist unverzichtbar für unsere Reinickendorfer Kriminacht. In seinen diversen belletristischen Werken hat er nicht nur Berliner Lokalkolorit, sondern auch die Reinickendorfer Szenerie und seine Frohnauer Eindrücke verewigt. Und die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen liegt ihm von jeher am Herzen“, begründet Kulturstadträtin Katrin Schultze-Berndt die ranghöchste Ehrung, die der Bezirk mit der Humboldt-Medaille zu vergeben hat.

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