Himmel über dem Nöldnerplatz
Grünanlage bekommt Kunstwerk, das Diskussionen erwarten lässt

Viele Fahrgäste passieren täglich den Nöldnerplatz, wenig verweilen – das ändert sich vielleicht, wenn das neue Kunstwerk da ist.
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Etwas ab vom Schuss und gleichzeitig verkehrsumtost punktet der Nöldnerplatz am gleichnamigen S-Bahnhof nicht gerade mit Aufenthaltsqualität. Nun soll er ein Kunstwerk bekommen, das ihm zumindest mehr Charakter verleiht.

Als Liegewiese eignen sich die hochgelegten, von Beton umsäumten Rasenflächen anscheinend nicht – an diesem Sommertag mitten im Oktober zeigt sich dort keine Menschenseele. Selbst die Bänke gegenüber sind verwaist. Pendler hasten vom S-Bahnhof zur Bushaltestelle, gemächlicher schlendern Schülergruppen und Senioren vorbei. Auf dem Nöldnerplatz zu verweilen, hat offenbar niemand im Sinn. 

Vielleicht ändert sich das, wenn erst das Kunstwerk von Christian Hasucha auf der Anlage steht. Der Berliner Kreative hat gerade den Wettbewerb zur neuen Kunst im Stadtraum gewonnen – mit einem Konzept, das geteilte Reaktionen erwarten lässt.

Das Ganze geht auf einen Vorschlag aus dem Lichtenberger Bürgerhaushalt zurück, 2017 beschloss dann die Bezirksverordnetenversammlung, dass der Nöldnerplatz eine künstlerische Gestaltung bekommen soll. Anfang dieses Jahres startete das Wettbewerbsverfahren. Ziel sollte es sein, dem Platz eine „selbstbewusste künstlerische Aussage“ zu verleihen und dabei gleichzeitig die Geschichte des Quartiers zu berücksichtigen. So galt es beispielsweise, einen Bezug zum berühmtesten Kiezbewohner von einst herzustellen: Heinrich Zille. Nicht ein Denkmal für den Zeichner und Milieu-Chronisten war gewünscht, sondern ein Verweis auf dessen Themen, wie Wohnungsnot oder Armut.

Urlaubserinnerung oder Mahnung an Obdachlosigkeit?

Das ist dem Siegerkonzept nach Ansicht der Jury gelungen. Christian Hasucha stellt auf eine der erhabenen Rasenflächen ein Campingzelt aus Aluminiumguss, daneben ragt eine Straßenlaterne in den Himmel über dem Nöldnerplatz – so heißt auch das Kunstwerk. Es ist eine Szene, die viel Raum für Interpretationen lässt. Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) nennt die Entscheidung der Jury mutig. Er ist gespannt, welche Diskussionen das Kunstwerk bei den Menschen auslöst: „Werden sie sich an ihre Reiserlebnisse, ihre Jugend, ihre Freiheit erinnert fühlen? Oder assoziieren sie damit das Thema Obdachlosigkeit und soziale Ausgrenzung?“ Kontroversen sieht Grunst jedenfalls voraus, hat damit aber kein Problem. Debatten seien das Beste, was einem Kunstwerk passieren könne, sagt er.

Die Entscheidung für Hasuchas Entwurf fiel aber nicht über die Köpfe der Lichtenberger hinweg. Nach einem Vorauswahlverfahren waren die künstlerischen Konzepte von acht (anonymen) Kandidaten im Sommer öffentlich vorgestellt worden. Wer wollte, konnte per Votum für einen Favoriten stimmen, das Ergebnis wurde von der Jury berücksichtigt. Nun soll das Kunstwerk bis spätestens Ende des Jahres auf dem Nöldnerplatz stehen.

Autor:

Berit Müller aus Lichtenberg

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