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Der Schriftsteller Bernd Ulbrich feiert 75. Geburtstag

Einige der zuletzt erschienenen Bücher des Autors.
Einige der zuletzt erschienenen Bücher des Autors. (Foto: Ralf Drescher)

www.berndulbrich.de

Über den Chemiefacharbeiter und den Diplomchemiker zum Autor. Das ist in Kurzform der Werdegang des Schriftstellers Bernd Ulbrich (74).

Der Berliner hatte nach dem Abschluss der 10. Klasse bei Berlin Chemie Chemiefacharbeiter gelernt, fuhr dann drei Jahre bei der Volksmarine zur See und studierte an der Humboldt-Uni Chemie. „Bereits als Student habe ich erste Schreibversuche unternommen“, erzählt er. Nach dem Studium hat er als Chemiker für die Industrie geforscht. „Nach fünf Jahren konnte ich mich 1976 von der Wissenschaft trennen und bin freischaffender Schriftsteller geworden“, erinnert sich Bernd Ulbrich.

Die ersten Jahre waren erfolgreich. Im Verlag Das neue Berlin erschienen vier Erzählungen, außerdem schrieb er drei Hörspiele für den DDR-Rundfunk. Mit Unterstützung des Schriftstellerverbands konnte Bernd Ulbrich Studienreisen nach Kuba und Nikaragua unternehmen. Bände wie „Der unsichtbare Kreis“ und „Störgröße M“ mit ihren Science-Fiction-Erzählungen waren ein voller Erfolg. Die Kurzerzählung „Fang die Sonne auf“ erschien sogar beim Westberliner Ullstein-Buchverlag und brachte der DDR Devisen.

Dann der Rückschlag. Das für 1982 geplante Buch „Abends im Park und nachts und morgens“ erschien schon mit Verspätung 1983. Und danach wurde der Schriftsteller bis zum Ende der DDR kein einziges Buch mehr los. "Vermutlich passte eine Geschichte mit frustrierten Bauarbeitern und einem Lehrer mit fragwürdigem Heldenbild nicht in das Bild der DDR-Literaturverantwortlichen", meint Bernd Ulbrich. Einen Grund für das Publikationsverbot bekam er nicht genannt. In der Berliner Abteilung des Schriftstellerverbands durfte er weiter mitarbeiten, sogar in der Aufnahmekommission. „Gelebt habe ich von Nachauflagen, Förderhonoraren und Drehbüchern für das Fernsehen“, erzählt der Schriftsteller.

Nach dem Ende der DDR sollte es mit zwei Büchern beim Kiepenheuer-Verlag in Leipzig einen Neuanfang geben. „Die Bücher waren gedruckt, dann wurde der Verlag liquidiert, ein paar Exemplare konnte ich retten, der Rest landete im Altpapier“, ärgert sich Bernd Ulbrich noch heute.

Der Autor musste sich die nächsten Jahre irgendwie durchschlagen. Er lebte von Stipendien des Senats, des Kulturfonds und auch von Sozialhilfe. Im Jahr 2004 dann endlich wieder eine Glückssträhne. „Ich hatte nach einer Lesung den Inhaber des Trafo-Verlags kennengelernt. Der hat sich noch am gleichen Abend bereit erklärt, einen meiner Romane herauszubringen“, sagt Bernd Ulbrich.

Seitdem ist er wieder im Geschäft und als Schriftsteller im Gespräch. Bücher wie „Ein schöner Tag zum Leben nach dem Tod“ oder „Adolf Adolf“ werden wieder gern gekauft und gelesen. Darin kleidet der Autor fiktive Biografien in Erzählungen, bei letztem Werk zum Beispiel die der realen Person Adolf Hitler. Erlaubt sei aus gutem Grund der Hinweis, dass Anhänger des österreichischen Gefreiten an dem Buch ganz sicher keine Freude haben werden.

Am 20. Januar feiert Bernd Ulbrich in seinem Schmöckwitzer Häuschen den 75. Geburtstag. Für ihn kein Grund, vom Dichterross abzusteigen. In den nächsten Wochen erscheint bei Trafo seine neue Erzählung „Du bist nicht der Du warst wirst Du nicht sein“. „Außerdem sitze ich schon am nächsten Buch, das wird eine Art Fortsetzung von ,Adolf Adolf'“, sagt er. Wissenswertes über den Autor unter www.berndulbrich.de.

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