Kleinod hinter Bäumen
Von der Shell-Tankstelle zum Wohn- und Atelierhaus

Links im Bild ist der moderne zweigeschossige Anbau zu sehen.
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  • Links im Bild ist der moderne zweigeschossige Anbau zu sehen.
  • Foto: KEN
  • hochgeladen von Karen Noetzel

Die Bülowstraße: in der Mitte die U-Bahn als Hochbahn, die Straße gesäumt von aneinandergereihten, mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern – und plötzlich ein Bruch.

Hausnummer 18. Das Grundstück ist von einer zwei Meter hohen weißen Mauer eingefasst, über die Kirschsträucher, Bambus und mehr als ein halbes Jahrhundert alte Kiefern emporragen. Was sich dahinter verbirgt, ist nur zu ahnen.

Nur die Älteren werden sich noch daran erinnern, dass sich hier zu Wirtschaftswunderzeiten eine Tankstelle mit herrlich schwungvollem Freidach befand, ein „Standardtyp der Shell AG von 1956“. Als kein Benzin mehr gezapft wurde, versuchten sich Pächter mit Bierausschank oder Autobastelwerkstatt. Diese und andere Unternehmungen hatten keinen Erfolg. Shell bot das Grundstück samt Tankstellengebäude zum Verkauf an. Und es kam Juerg Judin. Der Schweizer Galerist und Sammler machte vor gut zehn Jahren aus der alten Tankstelle ein Wohn- und Atelierhaus, das bald als architektonisches Juwel internationalen Ruf erlangte.

Der ehemalige Verkaufsraum der Tankstelle ist zum Büro umgebaut. Aus der Werkstatt wurde eine Küche. Hinter dem Tankstellengebäude ist ein shellroter Blechwürfel für ein Badezimmer platziert. Östlich schließt sich ein zweigeschossiger kantiger langgestreckter Neubau an, der an übereinander gestapelte Container erinnert. Über dem Erdgeschoss mit Bibliothek und Wohnräumen liegt Ausstellungs- und Atelierräume, im Keller ist das Archiv untergebracht.

Einige Jahre fanden bei Judin an der Bülowstraße Kunstereignisse und Ausstellungen statt. Heute wird das Wohn- und Atelierhaus überwiegend privat als Wohnort und für die eigene Kunstsammlung genutzt. Juerg Judins Galerie ist an die Potsdamer Straße gezogen, in die frühere Tagesspiegel-Druckerei. Mehr zur „Tankstelle“ findet sich im reichbebilderten Beitrag von Thomas Brakel in dem Band „Zwischen City West und Dorfanger. Stadtentwicklungsplanung in Tempelhof-Schöneberg 1990-2020“, den das Bezirksamt im vergangenen Jahr herausgegeben hat.

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