Wir sind auf dem Weg
Wie die Friedenauer Gemeinschaftsschule Antisemitismus entgegentritt

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) lässt sich von Schulleiter Uwe Runkel, Rabbiner Elias Dray und Imam Ender Cetin über das Projekt „meet2respect“ informieren.
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  • Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) lässt sich von Schulleiter Uwe Runkel, Rabbiner Elias Dray und Imam Ender Cetin über das Projekt „meet2respect“ informieren.
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Der Vorfall ereignete sich im Schuljahr 2016/2017. An der Friedenauer Gemeinschaftsschule wurde ein jüdischer Junge über Monate von muslimischen Mitschülern antisemitisch beleidigt und verprügelt.

Die Eltern des Jungen kritisierten damals Lehrkräfte und Schulleiter Uwe Runkel, sie hätten zu zögerlich eingegriffen. Seither bemüht sich die Einrichtung am Grazer Platz mit Projekten intensiv, jeglicher Form von Antisemitismus in der Schülerschaft entgegenzuwirken. Einbezogen werden sämtliche Jahrgangsstufen von der ersten bis zur zehnten Klasse. Der Geschichts- und Ethikunterricht, aber auch das Schülerparlament sind Orte, an denen das Thema immer wieder zur Sprache kommt.

Die Schule kooperiert mit der Stolpersteininitiative Stierstraße, mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und dem Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus. Ihre Schüler besuchen den Lernort „7xjung“ im Hansaviertel. Dort erhalten junge Menschen einen ungewöhnlichen Zugang, um sich mit der NS-Zeit, mit heutiger Ausgrenzung und mit Zivilcourage auseinanderzusetzen.

Häufig ist die Schule selbst Gastgeber für Zeitzeugen. Oder einen Rabbiner und einen Imam, wie am 9. Dezember. Elias Dray und Ender Cetin waren im Rahmen des 2013 aufgelegten Projekts „meet2respect“ des Vereins „Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung“ nach Schöneberg gekommen. 2019 konnten die „meet2respect“-Tandems 160 Berliner Schulen besuchen. Sie gehen in Klassen mit überwiegend muslimischen Schülern.

Elias Dray und Ender Cetin vertreten die „Kontakt-Hypothese“: „Wer Menschen besser kennenlernt, bekommt eine andere Vorstellung von ihnen“, erläutert Rabbiner Dray. Schüler hätten häufig ein bestimmtes Bild von einem Juden. Meist handele es sich um Stereotypen. „Die Begegnung macht es möglich, sich zu respektieren“, ergänzt sein Partner, der Imam Cetin. „Muslimische Schüler reflektieren ihre Äußerungen nicht. Ich muss ein Fürsprecher für den Rabbiner sein.“

„Wir sind auf dem Weg und noch lange nicht am Ende“, sagt Schulleiter Uwe Runkel. Die Schüler reagierten auf die Präventionsarbeit besonders positiv, wenn die Projekte konkret sind, seien es Ausstellungen oder Begegnungen wie die mit Elias Dray und Ender Cetin.

Die Gemeinschaftsschule, so kündigt Runkel an, möchte demnächst „Schule der Vielfalt“, eine Schule ohne Homophobie werden.

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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