Ehrengrab für eine streitbare Frau: Hilde Radusch wird gewürdigt

Gedenktafel für Hilde Radusch vor dem Haus in der Eisenacher Straße 15.
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  • Gedenktafel für Hilde Radusch vor dem Haus in der Eisenacher Straße 15.
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Schöneberg. Hilde Radusch hat ein Ehrengrab auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof erhalten. Am 6. November wurde es eingeweiht.

Das Ehrengrab sei erst das zweite für eine Frau auf dem Schöneberger Friedhof, sagt der Pressesprecher der Zwölf-Apostel-Kirchhöfe, Bertram von Boxberg. 44 Ehrengräber gibt es an der Großgörschenstraße. „Bisher wurde nur die Frauenrechtlerin Minna Cauer auf diese Weise geehrt“, bedauert von Boxberg.

Mehr als eine Dekade lang musste sich das Frauennetzwerk „Miss Marples Schwestern“ einsetzen, bis auch Hilde Radusch (1903-1994) eine Ehrengrabstätte gewidmet wird, 22 Jahre nach ihrem Tod.

Vielleicht lag es daran, dass Radusch Kommunistin war. 18-jährig kam sie aus Weimar nach Berlin, arbeitete bei der Post und engagierte sich in den Folgejahren im Kommunistischen Jugendverband und im neu gegründeten Roten Mädchen- und Frauenbund. Von 1929 bis 1932 war sie KPD-Stadtverordnete.

Nach der nationalsozialistischen Machtübertragung kam Hilde Radusch bis Ende 1933 in „Schutzhaft“. Danach schuftete sie als Arbeiterin bei Siemens und organisierte illegal KPD-Parteiarbeit. Einer Verhaftungswelle im August 1944 entging Radusch nur, weil sie sich gemeinsam mit ihrer Freundin in einer Gartenlaube verstecken konnte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete sie bis Anfang 1946 in der Schöneberger Bezirksamtsabteilung „Opfer des Faschismus“. 1946 wechselte Hilde Radusch zur SPD. Mit der Kommunistischen Partei war es zu Streitigkeiten gekommen. Seit den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts engagierte sich Hilde Radusch in der Neuen Frauenbewegung, gründete mit anderen L74, eine Berliner Gruppe älterer Lesben, und das Frauenforschungs-, -bildungs- und -informationszentrum (FFBIZ).

Die offizielle Einweihung ihres Ehrengrabs haben Miss Marples Schwestern in Zusammenarbeit mit den Zwölf-Apostel-Kirchhöfen feierlich begangen. Der Alte St. Matthäus-Kirchhof feiert in diesem Jahr seinen 160. Geburtstag. Das Jubiläum ist den Frauen auf dem Kirchhof gewidmet. KEN

Gedenktafel für Hilde Radusch vor dem Haus in der Eisenacher Straße 15.
Hilde Radusch, Bildausschnitt der Gedenktafel vor dem Haus in der Eisenacher Straße 15.
Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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