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Varieté für Senioren abgesagt

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Urania-Direktor Ulrich Bleyer (links) hat kurz vor dem Ausscheiden aus dem Amt mächtig Ärger. Neben ihm der künstlerische Leiter der Varieté-Veranstaltungen, Bert Beel.
Urania-Direktor Ulrich Bleyer (links) hat kurz vor dem Ausscheiden aus dem Amt mächtig Ärger. Neben ihm der künstlerische Leiter der Varieté-Veranstaltungen, Bert Beel. (Foto: KEN)

Ein halbes Jahrhundert ist mit der Organisation der Varieté-Veranstaltungen für Senioren im Urania-Haus alles gutgegangen. Und nun das: Das Nachmittagsvergnügen für die Älteren ist komplett abgesagt. Insgesamt mehr als 10 000 Senioren sind betroffen.

Seit mehr als 50 Jahren haben in der Urania die Varieté-Gastspiele vor meist ausverkauftem Haus stattgefunden. Veranstalter war bis zu seinem Tod im vergangenen Sommer der Impresario Erich Richter. Die Saalmiete wurde in der Richter-Ära per Handschlag vereinbart. Nach seinem Tod trat der Verein „Erich Richter Kultur“ als Veranstalter auf. Vorstand ist sein Enkel Mirko Hannemann (35), ein Jungunternehmer im Batteriegeschäft.

Seit Juli 2017 verkaufte der neue Verein die immer im Paket von Herbst- und Frühjahrveranstaltung angebotenen Eintrittskarten, unter anderem über die  Bezirksämter. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat für Vorstellungen in diesem Frühjahr 350 Eintrittskarten abgegeben. Bei den Veranstaltungen im Herbst ging noch alles glatt. Nicht so jetzt bei den je zwölf geplanten Gastspielen im Februar/März und im Oktober.

Der Verein habe bis heute keinen schriftlichen Vertrag mit der Urania abgeschlossen, sagt ihr Direktor Ulrich Bleyer. Er hat deshalb wenige Wochen vor seinem Abschied vom Amt die Varieté-Gastspiele komplett abgesagt. Die erste Vorstellung wäre am 18. Februar gewesen.

Die Künstleragentur hatte bereits am 22. Dezember das Show-Orchester und das Show-Ballett sowie die Artisten und den Conférencier für anderweitige Engagements freigegeben. Nur Stargast Ilja Richter hat noch aus Erich-Richter-Zeiten einen Vertrag. „Fürs Publikum und die Künstler: schade, schade, schade“, bedauert Bert Beel, künstlerischer Leiter der Veranstaltungen.

Erich-Richter-Vereinsvorstand Mirko Hannemann macht die Urania für das Platzen verantwortlich. Der Verein decke die Kosten allein aus dem Verkauf der Karten. Wenn sich zwischen Herbst und Frühjahr die Konditionen änderten, sei nicht genug Geld in der Kasse. Die Urania habe die Saalmiete in einem Umfang erhöht, die Vorstellungen unmöglich mache. „Es ist dem Verein nicht gelungen, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln die Veranstaltungen im Frühjahr auf die Beine zu stellen“, so Hannemann. Die Eintrittskarten behielten aber ihre Gültigkeit. Die Vorstellungen würden verschoben, nicht abgesagt. Man sei mit anderen Veranstaltungsorten im Gespräch.

Ulrich Bleyer widerspricht Hannemann. „Wir haben den Verein ökonomisch nicht plattgemacht.“ Bei einem Gespräch am 7. November habe die Urania eine Kostenkalkulation vorgelegt und zum Vergleich die sonst übliche Kalkulation für andere Saalmieter dazu. 23 000 Euro – um „einen Tick“ (Ulrich Bleyer) von 3000 Euro erhöht – statt 39 000 Euro zeigten, dass die Urania die Varieté-Veranstaltung „traditionell durch unvergleichlich günstige Sonderkonditionen entscheidend“ unterstütze, so Bleyer. Danach ging der Erich-Richter-Verein auf Tauchstation. Mirko Hannemann war nicht mehr zu erreichen.

„Wir haben das eingenommen Geld noch nicht an den Veranstalter überwiesen“, erklärt auf Anfrage Tempelhof-Schönebergs Sozialstadträtin Jutta Kaddatz (CDU). Das Bezirksamt werde denjenigen, die Karten gekauft haben, das Geld wieder auszahlen. „Der Verwaltungsaufwand ist beträchtlich“, so Kaddatz.

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