Spandaus Wiedervereinigung vor 30 Jahren
Skurrile Geschichte in West-Staaken

Kaum etwas erinnert daran, dass hier einst die Mauer verlief.
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  • Kaum etwas erinnert daran, dass hier einst die Mauer verlief.
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  • hochgeladen von Thomas Frey

Das Schild stand zunächst an der falschen Stelle. Nämlich am Ende der Heerstraße. Da, wo heute Berlin an das Land Brandenburg grenzt. Hier, so der Hinweis, wäre die Mauer am 10. November 1989 um 0.32 Uhr gefallen.

Die Zeit stimmte, der Ort aber nicht. Passiert ist das weiter östlich. An der Ecke Heer- und Bergstraße. Schnell wurde der Fehler korrigiert, das Schild befindet sich längst dort. Eine kleine Schlussepisode, die gut zur bewegten Geschichte von West-Staaken passt.

Flughafen auf Berliner
und Brandenburger Gebiet

Wir reden hier von einem Gebiet, das, wie sein Name schon sagt, „im Westen“ lag, aber „Osten“ wurde. Das am 3. Oktober 1990 seine Wiedervereinigung mit Spandau erlebte. Wozu es bis 1945 auch gehört hatte. Dass das dazwischen mehr als 40 Jahre anders war, gehört zu den skurrilsten Begleitumständen der deutschen Teilung. Schuld daran war der Flugplatz in (West)Staaken. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts starteten hier Luftschiffe. Später war er Lehr- und Erprobungsairport, im Zweiten Weltkrieg Stützpunkt der Luftwaffe. Er befand sich allerdings nicht vollständig auf Staakener und damit Berliner Gebiet. Ein Teil befand sich bereits im Umland, was nach Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete, in der sowjetischen Besatzungszone.

Ähnlich verhielt es sich mit dem Flugplatz Gatow. Hier gehörten weite Bereiche zum Terrain der Gemeinde Seeburg. Nach 1945 dann ebenfalls zum sowjetischen Machtbereich. Die Briten, zu deren Sektor Spandau gehörte, hatten deshalb das Problem, zwei halbe Flughäfen zu besitzen. Gelöst wurde es durch einen Gebietsaustausch. Die Territorien in Gatow kamen zu ihrem Machtbereich und damit zu West-Berlin. Im Gegenzug gaben sie West-Staaken ab, das deshalb ein Teil der DDR wurde.

Steuern an die DDR,
Miete an die BRD gezahlt

Die Auswirkungen waren für Außenstehende manchmal zum lachen, anders als für die Betroffenen. „Begraben in Staaken“ betitelte der „Spiegel“ bereits im Mai 1950 eine Geschichte, die zahlreiche Kuriositäten dieser Teilung aufzählte. „Die Staakener zahlen ihre Strom- und Gasrechnungen in Westmark, denn sie werden, mitsamt dem Flugplatz von West-Berliner Kraftwerken versorgt“, erklärte das Magazin. Auch die Mieten müssten mit dem juristisch verbotenen Westgeld entrichtet werden. Die Steuerabgaben seien dagegen in Ostgeld an das sowjetisch-sektorale Finanzamt Berlin-Mitte abzuführen. Letzteres deshalb, weil West-Staaken zunächst in die Verwaltungshoheit dieses nunmehrigen Ost-Bezirks übergeben wurde. Und, worauf die Überschrift anspielt, das polizeiliche Sterberegister werde bei der Ostzonenpolizei in Falkensee geführt. Gleichzeitig werde bestraft, wer einen Todesfall nicht in Spandau anmeldete.

Brutal beendet wurde dieses Durch- und Nebeneinander am 1. Februar 1951, als Volkspolizisten den Ortsteil besetzten. Er wurde wenig später Teil der Gemeinde Falkensee, später selbständig. Bis zum Mauerbau war das Passieren der Grenze zwar erschwert, aber noch möglich. Nach dem 13. August 1961 änderte sich das. Die Mauer verlief entlang der Bergstraße, dem Nennhauser Damm, dem Finkenkruger Weg. Sie war auch in diesem Abschnitt Schauplatz gelungener und tödlicher Fluchtversuche.

Fort Hahneberg ist heute ein Biotop

Der Übergang für den Transitverkehr in Richtung Hamburg befand sich bis Ende 1988 an der Heerstraße. Nicht weit davon entfernt befindet sich der Hahneberg. Der Schuttberg dieses Names gehörte zu Spandau und wurde ab den 1970er Jahren zum Naturschutzgebiet. Das Fort Hahneberg lag dagegen bereits jenseits der Mauer im Grenzgebiet. Was in dessen Umgebung zu wild wachsender Vegetation führte, die heute ein besonderes Biotop darstellt.

Der Flugplatz, einst Auslöser für die Teilung, wurde 1958 aufgegeben. Auf seinem Areal entstand unter anderem ein Krankenhaus. Die einstige Flughafenfläche lässt sich aber selbst heute noch erahnen. Und das Towergebäude ist ebenfalls noch vorhanden.
Katharina Witt ist Spandauerin

Katharina Witt wäre heute Spandauerin

Das Krankenhaus wurde vor mehr als 20 Jahren geschlossen. Zu DDR-Zeiten war es Einzugsbereich für weite Teile des Havellandes. Wer dort, oder im Ortsteil zur Welt kam, dessen Geburtsurkunde liegt heute im Spandauer Standesamt. Auch die von einem der bekanntesten Aushängeschilder der DDR – der Eiskunstläuferin Katharina Witt. Geboren 1965 in West-Staaken.

Dass es vor 30 Jahren zur „kleinen Wiedervereinigung“ kam, ist nicht zuletzt Werner Salomon zu verdanken. Der 2014 verstorbene damalige Bürgermeister (1979-1992) hatte bereits ein Jahr vor dem Mauerfall eine Städtepartnerschaft zwischen Spandau und Nauen eingefädelt. Nach dem 9. November 1989 blickte er schnell in Richtung West-Staaken. Das einstige Spandauer Gebiet sollte wieder zu Spandau kommen. Dabei half ihm, dass die Bevölkerung diesseits und jenseits der jetzt offenen Grenze das mehrheitlich genauso sah. Als „Lex Staaken“ fand die Reunion Eingang in den Einigungsvertrag. Sie wurde parallel zum großen Einheitsfest am Reichstag in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1990 gefeiert. Feuerwerk inklusive. Was sei „das Brandenburger Tor schon gegen den (Staakener) Torweg“, proklamierte Werner Salomon bei dieser Fete. West-Staaken hatte damals etwas mehr als 4000 Einwohner. Inzwischen sind es einige mehr, schon durch manche Neubauten. Wie viele, wird in offiziellen Statistiken nicht mehr ausgewiesen. Nur noch die heute mehr als 41.000 Einwohner von Staaken, dem bevölkerungsreichsten Ortsteil im Bezirk. Was als Beleg für das Zusammenwachsen gewertet werden kann.

Schotterstraßen existieren bis heute

Auch wenn es noch immer Unterschiede gibt. Die weiter eher kleinteilige, bisweilen dörfliche Struktur in West-Staaken hebt sich von den Hochhausbauten in Richtung Osten ab. Und die Schotterstraßen in der einst an der Grenze gelegenen Siemens-Siedlung erinnern bis heute an frühere Zeiten.

Warum sich daran nichts geändert hat, dafür gab es schon viele Erklärungen, Ausreden, vorgebrachte Schwierigkeiten. Das Problem sei eigentlich seit dem 10. November 1989 bekannt. Und seit dem 3. Oktober 1990 in der Verantwortung des Bezirks Spandau, setzte der aktuell amtierende Baustadtrat Frank Bewig (CDU) vor kurzem zum ganz großen historischen Wurf an. In den kommenden Jahren soll es gelöst werden. Wirklich.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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