„Flaschenpost“ in der Turmspitze der Matthäuskirche

Peter Behrendt von der Geschichts-AG der Gemeinde mit der Schatulle, die Zeugnisse der Vergangenheit enthielt.
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Steglitz. Seit zwei Jahren wird der Kirchturm der Matthäuskirche in der Schloßstraße mit großem Aufwand saniert. Jetzt wurde eine Kupfer-Schatulle gefunden mit Zeugnissen aus der Vergangenheit.

Anfang Juli gab es im Zuge der Sanierungsarbeiten einen besonderen Gruß aus der Vergangenheit. „Der Vorarbeiter für unseren Kirchturm brachte mir die Schatulle, die in unserer Kirchturmspitze geborgen wurden. Drei Tage später haben wir sie geöffnet – zum ersten Mal seit dem Oktober 1931“, berichtet Rajah Scheepers, seit zwei Jahren Pfarrerin der Matthäus-Gemeinde. Die Schatulle war in der Turmspitze eingebaut worden, um nachfolgenden Generationen eine Nachricht zu hinterlassen. „Wie eine Flaschenpost“, sagt Scheepers. Auch die ersten Erbauer des Turms hatten 1880 ihre „Flaschenpost“ hinterlassen. „Leider wurden diese Überlieferungen 1931 als nicht mehr erhaltenswert erachtet und vernichtet. Das haben wir der handschriftlichen Urkunde eines meines Vorgängers entnommen, die sich in der Schatulle befand“, erzählt die Pfarrerin.

Eine große Rolle spielt in den Unterlagen aus der Schatulle das neue Kreuz, das 1931 auf den Turm gesetzt wurde. Wo das alte Kreuz von 1880 verblieben ist, wird leider nicht vermerkt.

In einem Zeitungsartikel vom 21. Oktober 1931 aus dem „Steglitzer Anzeiger“, der in der Schatulle aufbewahrt wurde, heißt es unter der Überschrift „In Erwartung des neuen Kreuzes…“ neben einem Bild des damals zu sanierenden Turmes: „Die Kirchengemeinde Matthäus hat davon abgesehen, das alte Kreuz wieder instandsetzen zu lassen, sondern ein neues Kreuz aus widerstandsfähigem Material, nämlich Kupfer, herstellen lassen. Um es weithin sichtbar zu machen, wird das Kreuz vergoldet werden.“

In der Schatulle befanden sich weitere Zeitungsartikel. In einem vom 12. August 1931 wurde unter anderem beschrieben, wie der damals schon einmal baufällige Turm ausgebessert wurde. Es wurde nämlich aus Kostengründen auf ein Gerüst verzichtet. Schon damals musste gespart werden. Die Arbeiten wurden auf einem Kranz ausgeführt, der rund um den Turm mit Brettern gelegt wurde und an einem Flaschenzug an der Spitze des Turms hing. Nach Bedarf wurde er höher gezogen. Zu erreichen war der Kranz über Leitern, Baumaterialien wurden an Seilen hochgezogen.

Gefunden wurde auch ein Foto und Geldscheine aus dem 1. Weltkrieg und der Zwischenkriegszeit. „Leider handelt es sich bei dem Geld um Inflationsgeld. Sonst hätten wir damit gut alle Rechnungen mit einem Schlag bezahlen können“, sagt Gemeindemitglied und Leiter einer Geschichts-AG Peter Behrendt und schmunzelt. Mehrere Hundert Millionen Mark der Reichsnotenbank befanden sich in der Schatulle. Besonderen Wert hat eine handgeschriebene Urkunde.

„Wir wollen die Schatulle und deren Inhalte am 11. September ausstellen“, sagt die Pfarrerin. Am gleichen Tag soll im neuen Turm eine neue „Flaschenpost“ Informationen aus der heutigen Zeit an nachfolgende Generationen hinterlassen werden. Auch wird der frisch renovierte Kirchturm mit einem neuen Kreuz bekrönt. Das Kreuz wird zurzeit nach dem Vorbild des neo-gotischen Original-Kreuzes von 1880 angefertigt und auch wieder vergoldet. Zum Festgottesdienst an diesem Tag werden auch die Glocken wieder läuten. KM

Autor:

Karla Rabe aus Steglitz

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