Zu hohe Kosten, hoher Aufwand und viel Müll
Bon-Pflicht wird zum Bon-Frust

Mandy Iwan, Inhaberin eines Zeitungsladens, hält nichts von der Bonpflicht. Sie produziere nur mehr Müll.
4Bilder
  • Mandy Iwan, Inhaberin eines Zeitungsladens, hält nichts von der Bonpflicht. Sie produziere nur mehr Müll.
  • Foto: K. Rabe
  • hochgeladen von Karla Rabe

Seit dem 1. Januar gilt die Kassenbonpflicht. Das heißt, jeder Einzelhändler muss seinen Kunden bei jedem Kauf einen Bon aushändigen. Damit soll Steuerbetrug an der Ladenkasse verhindert werden. Viele Geschäftsleute aber auch Kunden haben ihre Zweifel am Sinn dieser Regelung. Sie bedeutet nicht nur höhere Kosten für die Händler.

Wenn für jeden Artikel – egal ob ein Brötchen für 50 Cent oder ein Lolli für zehn Cent – ein Bon gedruckt und ausgegeben wird, fallen Unmengen von Müll an. „Die Kunden lachen uns aus, wenn wir nachfragen, ob sie einen Bon möchten. Die Zettel landen spätestens beim Verlassen des Ladens auf dem Gehweg“, sagt Mandy Iwan. Sie betreibt seit sieben Jahren den Zeitungsladen am Steglitzer Damm 38. Für sie ist die Bonpflicht reine Umweltverschmutzung und völliger Quatsch. „Wir haben eine Registrierkasse und jeder verkaufte Artikel wird eingescannt“, erklärt sie. Sobald die Kasse geöffnet wird, wird auch der Verkauf verbucht. Ein „Schummeln“ sei somit gar nicht möglich. Neben dem vielen Müll steigen für die Händler auch die Kosten. Denn selbstverständlich müssen jetzt auch wesentlich mehr Bon-Rollen gekauft werden.

Bonpapier darf nicht in die blaue Tonne

Doch nicht nur die deutlich höheren Papiermengen stehen in der Kritik. Bei den Kassenbons handelt es sich nicht um normales Papier, sondern um Thermopapier. Es sei ökologisch bedenklich, da es hormonell wirksame Substanzen enthalte und gesundheitsschädliche Auswirkungen haben könne, erklärt Tobias Quast vom BUND Berlin. „Wenn es in die Umwelt gelangt, wirkt es sich negativ auf das Ökosystem aus. Das Thermopapier darf deshalb nicht in die blaue Altpapiertonnen, sondern gehört in den Restmüll“, sagt Quast. Er fragt sich, warum es im digitalen Zeitalter keine Alternative geben sollte, zusätzliche Zettelberge zu vermeiden.

Die neue Bon-Pflicht stört auch die Verkaufsabläufe. Das macht sich beispielsweise auch am Traditionsimbiss „Zur Bratpfanne“ bemerkbar. Jedes Mal einen Bon auszudrucken und zu fragen „Möchten Sie einen Bon“ koste Zeit, sagt Alexander Arndt, Geschäftsführer des Betriebes. Jede Zusatzfrage bedeutet Zeitverlust, dazu kommen die jetzt viel häufigeren Wechsel der Papierrollen. Das schränkt den Ablauf erheblich ein, vor allem wenn Hochbetrieb herrscht. Arndt sei sich bewusst, dass in der Gastronomie auch Schwarzgeld verdient werde. „Da muss es jedem klar sein, dass schärfer kontrolliert wird“, sagt er. Schwarze Schafe gebe es immer, doch alle Geschäftsleute unter Generalverdacht zu stellen, macht seiner Ansicht nach keinen Sinn. Sein Betrieb hat sich schon vor Jahren abgesichert und ein modernes Kassensystem angeschafft. Jeder Verkauf wird registriert und ist somit nachvollziehbar. Ein Bon sei nicht nötig.

Ausnahmen für kleine Summen

Das sieht auch Johannes Kamm, Geschäftsführer der Bäckerinnung Berlin, auch so. Schon vorher habe es scharfe Kontrollen durch die Finanzämter in den Bäckereien gegeben. Da werde beispielsweise das Kaffeemehl exakt ausgewogen, um hochrechnen zu können, wie viel Kaffee verkauft wurde. „Die Bon-Pflicht ist völlig überflüssig und bringt keinen Mehrwert“, sagt er. Dafür würden jede Menge Mehrkosten und unnötiges Bonpapier anfallen. Kamm spricht von 500 bis 1000 Euro, die eine Filiale im Jahr mehr aufbringen muss und von hunderten Tonnen Thermopapier, das unmittelbar nach dem Ausdrucken im Papierkorb landet. „Völlig unangemessen“, ärgert er sich. Jeder Verkauf werde ohnehin registriert, Manipulationen oder Stornos seien nicht möglich und Bons werden auf Wunsch immer ausgegeben, so Kamm. Er wünscht sich, dass man mehr gesunden Menschenverstand walten ließe und wie in Frankreich eine Bagatellgrenze einführen würde. Dann würde beispielsweise ein Bon erst ab einer Summe von zehn Euro Pflicht werden.

Die neue Regelung betrifft alle Geschäftsleute. Bäcker, Gastronomen, Kiosk- und Imbissbetreiber – alle müssen einen Beleg ausgeben. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch der Wert der verkauften Ware ist. Das Bundesfinanzministerium weist auch darauf hin, dass die Bons nicht zwingend auf Papier gedruckt werden müssen. Belege können auch per E-Mail oder auf das Handy geschickt werden, was die Sache allerdings nicht vereinfacht und noch mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Kontrolliert wird die Bonpflicht ab Herbst. Bei Verstößen soll jedoch kein Bußgeld fällig werden. Allerdings hätte das viel unangenehmere Folgen: Die Umsatzsteuer kann um bis zu 20 Prozent höher geschätzt werden.

Autor:

Karla Rabe aus Steglitz

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

14 folgen diesem Profil

5 Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Der Fingerabdruck wird als Profil in ein neues, ganz individuelles und persönliches Schmuckstück – einen Ohrring, einen Kettenanhänger oder einen Armreif – eingearbeitet.
4 Bilder

Persönlicher Schmuck
Erinnerung in seiner schönsten Form

Für viele Trauernde ist es ein Wunsch, ein Stück Erinnerung an den verstorbenen Menschen für immer bei sich zu haben. Wir können diesen Wunsch erfüllen: Wir bieten Ihnen an, den Fingerabdruck des geliebten Menschen als Schmuck ein Leben lang ganz nah bei sich zu tragen. Denn nichts ist so individuell und unverwechselbar wie der Fingerabdruck eines Menschen. Der Fingerabdruck wird als Profil in ein neues, ganz individuelles und persönliches Schmuckstück – einen Ohrring, einen Kettenanhänger oder...

  • Bezirk Spandau
  • 18.10.21
  • 185× gelesen
WirtschaftAnzeige
Wertvolles Gemälde oder reif für den Flohmarkt? Am Sonnabend, 30. Oktober 2021, erfahren Sie es, wenn es bei „MyPlace-SelfStorage“ in Berlin wieder heißt: „Experten bewerten“.

Schatz oder Schrott?
„Experten bewerten“ am 30. Oktober 2021 bei „MyPlace-SelfStorage“ in Fennpfuhl

Schatz oder Schrott? Anlässlich der Eröffnung des neuen MyPlace-Standorts im Weißenseer Weg 73 bewerten die Experten vom Auktionshaus Historia im Rahmen der Veranstaltung „Experten bewerten“ kostenlos bis zu drei Gegenstände der Berliner. Die Einwohner aus Stadt und Umgebung sind herzlichst dazu eingeladen, mit ihren Schätzen am Sonnabend, 30. Oktober 2021, zwischen 14 und 17 Uhr zur neuen MyPlace-Filiale in Fennpfuhl zu kommen. Die Kunstexperten klären die Besucher darüber auf, ob z.B. das...

  • Fennpfuhl
  • 19.10.21
  • 151× gelesen
WirtschaftAnzeige
Maideasy sorgt für saubere Büros - jetzt auch in Berlin

Für Ihr sauberes Büro
Maideasy erweitert Büroreinigungsservice für Gewerbekunden in Berlin

Das Reinigungsunternehmen Maideasy wächst weiterhin und hat vor Kurzem den Büroreinigungsservice in den Geschäftskundenbereich in Berlin integriert. In Zukunft sollen nun mehr Firmenkunden aus der Berliner Umgebung gewonnen werden. Neben den aktuellen Leistungen der Gebäude-, Fassade-, Fenster- und Teppichreinigung konzentriert sich die Reinigungsfirma nun auch auf Büroreinigungen. Reinigungsdienstleister Maideasy im Überblick Das Reinigungsunternehmen Maideasy ist in Berlin und dessen Umgebung...

  • 30.09.21
  • 151× gelesen
VerkehrAnzeige
Mit der richtigen Vorbereitung und der optimalen Ausrüstung kann das Radeln trotz Nässe, Kälte, Schnee und Dunkelheit der ganzen Familie Spaß machen.
7 Bilder

Mit Kids und Fahrrad durch die dunkle Jahreszeit
Tipps und Tricks für mehr Spaß und Sicherheit beim Winterradeln mit Kindern

Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter: Kids sollten jeden Tag raus an die frische Luft und sich bewegen. Das hält fit und stärkt das Immunsystem. Der tägliche Weg zu Kita oder Schule mit dem Fahrrad schont also nicht nur die Umwelt, sondern trägt auch einen guten Teil zur Erhaltung der Gesundheit bei. Ganz so unbeschwert wie im Sommer radelt es sich in der dunklen Jahreszeit leider nicht. Aber bei Beachtung von ein paar Tipps kommen Kinder und Eltern mit Sicherheit gut durch den Rad-Winter....

  • Charlottenburg
  • 14.10.21
  • 80× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
2 Bilder

Informationsabend für Patientinnen und Patienten mit Chefärztin Dr. Elke Johnen
Rasch wieder auf die Beine kommen – Kniegelenk-Endoprothetik

10. November 2021 18.00–19.30 Uhr Konferenzraum 1 St. Joseph Krankenhaus Berlin Tempelhof Wüsthoffstraße 15 · 12101 Berlin Informationsabend für Patientinnen und Patienten mit Chefärztin Dr. Elke Johnen Liebe Patientin, lieber Patient, hiermit laden wir Sie herzlich zu unserer kostenfreien Informationsveranstaltung im St. Joseph Krankenhaus Berlin Tempelhof ein. Wir berichten über die Versorgungsmöglichkeiten bei Kniegelenk-Arthrose – von der Schlitten- bis zur Individual-Prothese. Ihre...

  • Tempelhof-Schöneberg
  • 20.10.21
  • 112× gelesen
WirtschaftAnzeige
Natascha Franke

Vertrauen Sie Experten
Makler von Postbank Immobilien helfen beim Hausverkauf

Wenn das eigene Haus den Eigentümer wechseln soll, gibt es dabei viele Stolpersteine. Verkäu­fer sollten sich daher professionelle Unterstützung holen. Natascha Franke, Maklerin von Postbank Immobilien Berlin: „Wir kennen den regionalen Markt und unsere Kunden, können die Qualitäten einer Immobilie richtig einschätzen und sind in der Lage, einen angemessenen Verkaufspreis zu er­mitteln und durchzusetzen." Denn am Wert scheiden sich oft die Geister. Der Verkäufer will keinesfalls unter Wert...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 01.10.21
  • 204× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen