„Wir wollen hier ein bisschen angeben“: Investor präsentiert Pläne fürs Tegel-Center

So soll das neue Tegel-Center mit der Fußgängerzone Gorkistraße aussehen.
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Tegel. Nicht alle fanden einen Sitzplatz, etliche lauschten im Stehen oder quetschten sich auf die Empore: Mehr als 300 Besucher kamen am 5. Januar in die Humboldt-Bibliothek, um Einzelheiten über die Zukunft des Tegel-Centers zu erfahren.

„Hätte nicht gedacht, dass es so voll wird“, raunte auch ein Gast seinem Sitznachbarn zu. „Naja, wenn’s doch um unsere Markthalle geht!“, bekam er zur Antwort. Die Sorge um den Verbleib der Halle hatte offenbar etliche Tegeler zum Info-Abend geführt, denn sie war zunächst auch Tenor der Nachfragen. Selbst, nachdem Harald Huth vom Investor HGHI Holding GmbH die Pläne fürs Tegel-Center samt Fußgängerzone und Hertie-Haus vorgestellt und dabei versichert hatte: Er sehe die circa 50 Händler mit ihren Ständen auch künftig in der Gorkistraße. „Wir wollen die Markthalle behalten, weil sie funktioniert“, sagte der Projektentwickler. Und setzte sogar noch einen drauf. Huth versprach, den Händlern nach Modernisierung und Umbau des Centers keine höhere Pacht abzuknöpfen. „Die Mieter in der Markthalle zahlen auch in Zukunft dasselbe wie bisher.“ Für diese Aussage erntete er Applaus und den Zuruf: „Wir nehmen Sie beim Wort!“

In den kommenden zwei Jahren müssen sich die Tegeler nun erst einmal auf reges Baugeschehen einstellen. Wenig bleibt, wie es war. Rund 150 Millionen Euro steckt die HGHI in die Runderneuerung des aus den 1970er-Jahren stammenden Einkaufsensembles. Dank Parkhaus-Abriss und Aufstockungen bestehender Gebäude wächst die Handelsfläche des Tegel-Centers von 30.000 auf 50.000 Quadratmeter, die Anzahl der Stellplätze schrumpft von 750 auf 620. Auch 4000 Quadratmeter Wohnfläche entstehen im Komplex.

Schon in Kürze beginnen im Nord-Teil zwischen Gorki-, Budde- und Bernstorffstraße erste Abrissarbeiten. Das alte Parkhaus wird durch ein neues ersetzt, das nur über die Grußdorfstraße zu erreichen ist. Die Händler der Markthalle ziehen im Februar ins ehemalige Hertie-Haus schräg gegenüber, wo sie bis zum Herbst 2018 bleiben. Dann soll der Süd-Komplex fertig umgebaut sein und drinnen die neue Markthalle in Betrieb gehen. Die Eröffnung des Nord-Teils ist für den Sommer kommenden Jahres avisiert – mit einem besonderen Anziehungspunkt: dem neuen Karstadt-Kaufhaus. „Ich habe selten so viele Klagen gehört, wie über den Weggang von Karstadt“, sagte Bürgermeister Frank Balzer (CDU), der mit Fachleitern aus dem Bau- und Stadtentwicklungsamt einzelne Nachfragen beantwortete. „Jetzt eröffnet hier in Tegel die erste Filiale seit 30 Jahren – ich bin sehr froh über diese Entwicklung.“ Warum der Ankermieter statt ins ehemalige Domizil dorthin zieht, wo bislang Markthalle und das Möbelhaus Anderle saßen, begründete Harald Huth: „Wir wollen die Besucher in die Fußgängerzone holen, damit auch die anderen Geschäfte profitieren.“

Der Immobilienentwickler betonte vor den versammelten Anwohnern vor allem den Wunsch, in Tegel etwas Hochwertiges schaffen zu wollen. Statt billig und banal werde so gebaut, dass „es auch in 100 Jahren noch gut aussieht. Wir wollen uns hier verewigen und auch ein bisschen angeben.“ So käme für die Fassaden viel Naturstein und Glas zum Einsatz, auch die Verbindungsbrücke vom Nord- zum Süd-Teil des Centers über die Gorkistraße erhalte ein optisch zeitgemäßes Äquivalent. Huth, der unter anderem die Mall of Berlin am Leipziger Platz und das Schloss in Steglitz realisiert hat, bezeichnet das Tegeler Projekt als Herausforderung. „Es ist das erste Mal, dass wir eine Fußgängerzone revitalisieren. Wir haben die Vision, dass einmal der ganze Berliner Norden in die Neue Gorkistraße kommt.“

Neue Gorkistraße, Tegel-Center oder doch Tegel Quartier? Drei Namensvarianten tauchten in der Präsentation des Investors auf. Wie „das Kind“ denn nun heißen solle, wollte ein Anwohner daher wissen. „Wenn ich ein Projekt beginne, habe ich häufig das Problem, dass ich mich noch nicht für einen Namen entscheiden kann“, räumte Huth ein. Er habe sich noch nicht festgelegt. Wichtig sei, dass der Name über eine überregionale Aussagekraft verfüge, aber auch mit Tegel und der Fußgängerzone zu identifizieren sei. Vorschläge seien willkommen, sagte er.

Felix Schönebeck von der Initiative „I love Tegel“ hätte bereits eine Idee: „Wir könnten uns vorstellen, dass 2018 in Tegel eine Humboldt-Passage eröffnet.“ Schließlich verbinde Tegel viel mit den beiden weltbekannten Brüdern. bm

Informationen über den Investor und das Bauvorhaben gibt es unter www.hghi.de
Autor:

Berit Müller aus Lichtenberg

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