Das Ende einer Tischtennis-Ära
VfL zieht nach Formfehler Damen vom Spielbetrieb zurück

Da der VfL Tegel für seine Tischtennisdamen eine so genannte Teilnahme- und Verpflichtungserklärung beim Deutschen Tischtennisbund (DTTB) nicht fristgerecht eingereicht hatte, wurde das Team aus der Regionalliga ausgeschlossen und der Verbandsoberliga – zwei Ligen tiefer – zugeteilt.

Nach einem juristischen Tauziehen hat der Klub sein Team, das in dieser Liga sportlich nicht annähernd gefordert war, nun komplett zurückgezogen. Damit gibt es beim VfL Tegel nach 19 Jahren, in denen man auch in der 2. Bundesliga aktiv war, kein Damen-Leistungssport mehr.

„Das ist für uns alle sehr bitter und nach wie vor ein großer Schock, den wir erst einmal verdauen müssen“, konstatiert Thomas Jajeh, Mannschaftsführer und 2. Vorsitzender der Tischtennisabteilung im VfL. „Wir müssen alles, was passiert ist, zunächst einmal sacken lassen. In einer Vorstandssitzung im Dezember werden wir uns Gedanken darüber machen, wie es vielleicht weitergehen kann.“

Frist um einen Tag verpasst

Was war passiert? Der VfL, der in dieser Spielzeit den Aufstieg in die 3. Liga anpeilen wollte, hat das Team und alle Spielerwechsel fristgerecht gemeldet. Nur die erwähnte Verpflichtungserklärung, mit der der Vorstand des Gesamtvereins sein Einverständnis für die Teilnahme am Spielbetrieb erklärt, fehlte noch. Nur einen Tag nach Ablauf der Frist meldete sich Spielleiter Andreas Ahlers beim VfL, um auf das Versäumnis hinzuweisen – ein Formfehler mit fatalen Folgen. Der VfL reichte die Erklärung zwar umgehend nach. Doch am Ausschluss änderte sich nichts. „Ich habe diesen Fehler gemacht, niemand anderes“, erklärt Jajeh ohne Umschweife. Und doch versuchte der Klub zunächst vor dem Sportgericht gegen die Entscheidung des Ausschlusses vorzugehen. Das Hauptargument dabei: die Unverhältnismäßigkeit dieser Regelung. „Nicht nachvollziehbar ist es, wenn aus der bloßen Versäumnis einer Frist selbst dann der sofortige Ausschluss vom Spielbetrieb erfolgt, wenn diese Frist ohne weiteres kurzfristig nachgeholt werden kann und im Übrigen sämtliche anderen Voraussetzungen zur Teilnahme am Spielbetrieb vorliegen“, heißt es in einem offenen Brief des VfL an den Präsidenten des DTTB, Michael Geiger. Und weiter: „Ein Verband, der die Förderung des Tischtennissports zum Zweck hat, muss ein Interesse haben, einen Verein nicht nur deshalb vom Spielbetrieb auszuschließen, weil er offenkundig formale Fehler begeht.“ Das Sportgericht räumte ein, dass die Ausführungen zur Unverhältnismäßigkeit nicht von der Hand zu weisen seien. In letzter Konsequenz lehnten aber sowohl das Sport- als auch das Bundesgericht die Klage ab.

Eine Zivilklage ist nicht finanzierbar

Beim VfL erwog man ernsthaft, vor ein Zivilgericht zu ziehen, verzichtete aber aus finanziellen Gründen und aufgrund der vermutlich geringen Chancen auf einen Erfolg darauf: Ein vorangestelltes Jurygericht und eine Klage vor dem Zivilgericht hätten den Klub nach eigenen Schätzungen zwischen 10.000 und 15.000 Euro kosten können.

Ein weiterer Punkt, der vor den Gerichten vorgebracht worden war, ist die Rolle des Spielleiters. Der Klub habe in den Wochen vor Ablauf der Frist in regelmäßigem Austausch mit diesem gestanden. Zudem sei bekannt gewesen, dass der VfL in der Regionalliga starten wolle. Ein Hinweis auf die fehlende Erklärung vor Ablauf der Frist, wie es bundesweit in nahezu allen Ligen gängige Praxis sein soll, sei möglich gewesen. „Es hat sich der Eindruck aufgedrängt, dass auf ein Versäumnis gewartet wurde, um dem Verein die Spielberechtigung in der Regionalliga zu entziehen“, heißt es weiter in dem offenen Brief. Fakt ist: Spielleiter Andreas Ahlers hat formaljuristisch keinen Verstoß begangen. Brisant ist allerdings, dass Ahlers mehrere Jahre selbst Mitglied beim VfL Tegel war und dort – dem Vernehmen nach – im Unfrieden geschieden sein soll.

Spielerinnen treten künftig
bei den Männern an

Beim DTTB denkt man nun über eine Regeländerung nach. Zwar sei zurzeit noch nichts spruchreif. Aber es bestehe durchaus die Möglichkeit, dass künftig eine Teilnahmeerklärung nicht mehr vor jeder Saison eingereicht werden muss. Auch die jeweilige Rolle der Spielleiter könnte im Hinblick auf eine Erinnerungspflicht überdacht werden. Für den Tischtennissport und die Vereine wäre dies wünschenswert – für den VfL Tegel kämen diese Änderungen aber definitiv zu spät. Die Ereignisse der letzten Monate sind nicht mehr umkehrbar. Der Blick geht deshalb nun nach vorn: Die Spielerinnen Sarah-Madeleine Schrödter, Alina Jajeh und Lisa Sophie Steinhäuser werden dem VfL Tegel definitiv erhalten bleiben und – aller Voraussicht – ab Januar bei den Herren des Klubs starten. Dies ist im Tischtennis bei unterklassigen Herrenteams in Berlin ohne weiteres möglich.

Dass der VfL Tegel zurzeit nicht vom Glück verfolgt ist, zeigt aber auch ein anderer Fall: Für das bundesweite TOP 48 Mädchen-Turnier werden vom Berliner Tisch-Tennis Verband (bettv) für gewöhnlich die besten jungen Damen der Landesrangliste nominiert. Damit wäre Lisa Sophie Steinhäuser als Zweitplatzierte mit dabei gewesen. Doch aufgrund ihrer Trainingsleistungen und der fehlenden Spielpraxis – so die offiziellen Gründe – entschied man sich für zwei schlechter platzierte Spielerinnen vom ttc Eastside. Und deren Präsident Alexander Teichmann wurde erst vor kurzem in den Vorstand des bettv gewählt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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