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Die jüngste Bezirksverordnete ist 22
Lea Schiefelbein von den Grünen hat durchaus die großen Weltprobleme im Blick

Lea Schiefelbein im Foyer des Schöneberger Rathauses. Durch ihr junges Aussehen wird sie oft nicht für eine Bezirksverordnete gehalten.
Lea Schiefelbein im Foyer des Schöneberger Rathauses. Durch ihr junges Aussehen wird sie oft nicht für eine Bezirksverordnete gehalten. (Foto: Philipp Hartmann)

Im Frühjahr 2015 ist Lea Schiefelbein in die Partei eingetreten. Seit Dezember 2016 sitzt sie für die Grünen in der BVV. Mit 22 Jahren ist sie die jüngste Bezirksverordnete. Sie studiert Nachhaltiges Management an der TU. Ein Gespräch über Alltag, Motivation und ihre Idee, wie mehr junge Menschen für Kommunalpolitik begeistert werden könnten.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Lea Schiefelbein: Das hört sich vielleicht banal an, aber es sind die großen Weltprobleme, die mich als Jugendliche erreicht haben. Warum müssen Menschen sterben wegen Hunger, Krieg? Ich finde, das widerspricht dem Menschsein an sich. Und ich habe für mich beschlossen: solange es solche Zustände gibt, gibt es was zu tun. Wenn sich bei den großen Themen was ändern soll, muss man vor der eigenen Tür anfangen.

Wie sieht eine normale Woche bei Ihnen aus?

Lea Schiefelbein: Ich versuche immer, mir Zeitschienen zu legen. Ich habe fünf kleine Geschwister, arbeite nebenbei im Abgeordnetenhaus für Sebastian Walter, studiere und habe die BVV. Oft ist alles an einem Tag. Morgens die Uni, zwischendurch arbeiten, noch mal in die Uni, abends eine BVV-Veranstaltung und dann zu meiner Familie. Auch Treffen mit meinen Freundinnen plane ich vorher. Manchmal wünsche ich mir ein bisschen mehr Zeit für Spontaneität.

Werden Sie in der BVV ernst genommen oder spüren Sie Vorbehalte aufgrund Ihres Alters?

Lea Schiefelbein: Als das Bezirksamt und die BVV-Mitglieder mich am Anfang noch nicht so gut kannten, ist es oft passiert, dass ich zum Beispiel nicht begrüßt und bei Veranstaltungen nicht erwähnt wurde. Oder ich war auf der Redeliste auf einmal ein paar Plätze weiter hinten. Menschen, die mit der BVV zu tun haben, rechnen nicht damit, dass sie jungen Leuten begegnen. Dadurch werde ich wahrscheinlich als mitgebrachte Tochter oder junge Praktikantin abgestempelt. Das passiert mir auch heute noch mit Leuten, die mein Gesicht nicht kennen. Oft habe ich auch das Gefühl, dass Ideen schnell als ganz nett oder ganz süß, aber nicht realisierbar oder utopisch angenommen werden.

Sie haben in einem BVV-Antrag die Idee für ein Planspiel eingebracht, um Jugendliche für ein Engagement in der Kommunalpolitik zu begeistern. Warum?

Lea Schiefelbein: Wenn ich mit jungen Menschen über Bezirkspolitik spreche, ist das für sie wie etwas, das nicht in ihre Lebensrealität gehört. Selbst wenn ich denjenigen, die politisch aktiv sind, von der BVV erzähle, schauen sie mich fragend an. Wollen junge Menschen aber ihre Meinung repräsentiert sehen in der Welt von morgen, müssen sie heute Teil des Prozesses sein. Es muss eine Selbstverständlichkeit werden, dass sie Teil der BVV sind. Die Entscheidungen der BVV können nur so vielfältig sein wie die Menschen, die in ihr sind. Ich bin mir bewusst, dass sich auch die Parteien öffnen müssen, um vielfältige Partizipation zuzulassen. Wenn aber die Jungen nicht mal wissen, dass eine BVV existiert und wie sie funktioniert, dann sehe ich da überhaupt keine Chance.

Wie soll dieses Planspiel funktionieren?

Lea Schiefelbein: Meine Idee ist: Junge Menschen sollen sich in die Rolle von Bezirksverordneten versetzt fühlen und letztendlich die gleichen Sachen machen wie wir auch. Sie sollen lernen: Wie schreibe ich einen Antrag? Welchen Prozess muss dieser durchlaufen, bis er in die BVV kommt? Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt? Ich glaube, das ist super wichtig.

Warum interessieren sich junge Leute zu wenig für Kommunalpolitik?

Lea Schiefelbein: Das ist ein ewiger Kreislauf. Im Moment ist es so: Wenn meine Freunde nach der Uni etwas Cooles unternehmen, gehe ich in die BVV und diskutiere mit eher alten Menschen. Das ist ziemlich demotivierend und nicht gerade attraktiv, gebe ich zu. Wenn ich mir jetzt aber vorstelle, in meiner Fraktion wären drei weitere junge Leute und in den anderen Parteien ebenfalls, dann wäre das eine ganz andere Situation. Ich glaube, dann könnte Politik auch attraktiv werden. Dann würden wir ernst genommen und dieser ganze Kreislauf mal aufgebrochen werden. Ich hoffe, dass dieses Planspiel dazu beitragen kann.

Lea Schiefelbein im Foyer des Schöneberger Rathauses. Durch ihr junges Aussehen wird sie oft nicht für eine Bezirksverordnete gehalten.
In der BVV setzt sich Lea Schiefelbein selbstbewusst für Frauen und junge Menschen in der Kommunalpolitik ein.
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