Viel mehr als Filme drehen
Berliner Union-Film hat an der Oberlandstraße große Zukunftspläne

So hell wie die Leuchtschrift soll auch der BUFA-Campus in Zukunft erstrahlen. Geschäftsführer Clive Nichol will seine Visionen umsetzen.
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  • So hell wie die Leuchtschrift soll auch der BUFA-Campus in Zukunft erstrahlen. Geschäftsführer Clive Nichol will seine Visionen umsetzen.
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Das Tempelhofer Feld liegt gleich nebenan. Aus den Büros im obersten Stock lässt sich eine wunderbare Aussicht genießen. Überhaupt hat der Campus der Berliner Union-Film Ateliers (BUFA) in der Oberlandstraße einiges zu bieten. Der neue Eigentümer aber will mehr und plant einen Gemeinschaftsort, der seinesgleichen sucht.

„Open the doors, welcome people here“, erklärt Clive Nichol in seiner Muttersprache. Der Brite ist Geschäftsführer der Berliner Union-Film, die 1963 gegründet und im Mai 2016 von „Becker und Kries“ an die Londoner Immobilien-Investmentgesellschaft „Avignon Capital“ verkauft wurde. Nichols Motivation ist, Orte zu verändern. Den historischen Filmcampus möchte er zu einem modernen Treffpunkt machen, an dem Menschen unterschiedlicher Berufe und Branchen zusammenkommen. Dazu zählt er Filmemacher, soziale Unternehmen, Künstler, Forscher, aber auch Landwirte und Pflanzenzüchter.

78 Obstbäume hat sich die BUFA bereits liefern lassen, um den Innenhof zu begrünen. Ganz früher befand sich dort mal ein Löschteich, in dem mit einfachsten Mitteln Unterwasseraufnahmen geprobt wurden. Später wurde die Fläche als Parkplatz genutzt. Heute ist sie ein Ort für Open-Air-Filmvorführungen und Konzerte. Nach den Entwürfen, die Clive Nichol präsentiert, soll dort eine grüne und natürliche Wohlfühloase entstehen. Der Studiobetrieb sei ein wahnsinniger Stromschlucker und die Filmbranche eine sehr verschwenderische Industrie, wie der Geschäftsführer erzählt. Er wolle daher dazu beitragen, auf dem Gelände den ökologischen Wandel voranzutreiben. Dazu zählen auch bepflanzte Dachterrassen. Doch nicht nur das Thema Umwelt scheint die neuen Eigentümer zu beschäftigen. Sie wollen auch bessere Arbeitsbedingungen schaffen. Konferenzräume für bis zu 600 Personen, erneuerbare Energien, Forschungszentren, moderne Medienstudios, Co-Working-Spaces, ein Kindergarten und Gastronomie sollen ihren Platz finden.

Kernstück des mehr als 100 Jahre alten Campus, der bis 1963 der Universum Film AG (UFA) gehörte, wird jedoch die Produktion von Videos, Serien und Filmen bleiben. Etwas anderes wäre an einem solch traditionsreichen Standort auch kaum vorstellbar. Einige der Studios wurden bereits 1912 erbaut und stehen unter Denkmalschutz. Jedes von ihnen kann seine eigenen Geschichten erzählen. Hier wurden Walt Disneys „Emil und die Detektive“ oder das Oscar-prämierte Filmmusical „Cabaret“ von Bob Fosse produziert. Es gab Dreharbeiten mit Stars wie Marlene Dietrich. Die Kultshows „Disco“ mit Ilja Richter und die „ZDF-Hitparade“ mit dem kürzlich verstorbenen Entertainer Dieter-Thomas Heck kamen aus der Oberlandstraße. Anfang der Neunziger entstand hier die RTL-Seifenoper „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Studio 5 war in jüngerer Vergangenheit Heimat der ProSieben-Late-Night-Show „Circus HalliGalli“ mit Joko und Klaas. Die Band „Tokio Hotel“ und Star-DJ David Guetta ließen hier Musikvideos produzieren. Zu den Dauermietern auf dem Campus zählen heute die „Met Film School“ und das Deutschlandstudio von „YouTube“.

Als vor zwei Jahren der Eigentümerwechsel erfolgte, habe er den Filmcampus als Chance gesehen, verschiedene Branchen miteinander zu verlinken, erzählt Clive Nichol. Ganz nebenbei träumt er auch von einer direkten Anbindung ans Tempelhofer Feld mittels einer Brücke über die S-Bahn. Ab 2019 soll es so richtig losgehen mit den Umstrukturierungen. Physische Veränderungen auf dem Gelände sollen innerhalb der nächsten drei Jahre zu sehen sein.

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