Vertrag läuft zum Jahresende aus
Zirkus Cabuwazi möchte gern auf dem Tempelhofer Feld bleiben

Die Leiterin des Cabuwazi-Standorts auf dem Tempelhofer Feld, Ylva Queisser, hofft auf einen Verbleib über 2019 hinaus.
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  • Die Leiterin des Cabuwazi-Standorts auf dem Tempelhofer Feld, Ylva Queisser, hofft auf einen Verbleib über 2019 hinaus.
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„Auch wir finden das Tempelhofer-Feld-Gesetz (THFG) total toll“, möchte Ylva Queisser gleich zu Beginn klarstellen. Eben dieses Gesetz könnte jedoch dafür sorgen, dass der Kinder- und Jugendzirkus Cabuwazi Ende Dezember dichtmachen muss.

Dann endet der Nutzungsvertrag zwischen dem Träger, der Grenzkultur gGmbH, und dem Berliner Immobilienmanagement. Im Zuge dessen würde die Zuständigkeit für die Fläche ab 2020 an die Grün Berlin GmbH im Auftrag der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz fallen. Dass noch kein neues Vertragsangebot vorliegt, hat Gründe. Sie gehen zurück auf den Volksentscheid 2014. Damals entschieden die Berliner, das Tempelhofer Feld zu 100 Prozent als unbebaute Fläche zu erhalten. Unklar ist jedoch, ob der Zirkus unter das THFG fällt, also als Bebauung gilt oder nicht. Standortleiterin Ylva Queisser ist der festen Überzeugung, dass die Zirkuszelte als „fliegende Bauten“ einzustufen und daher mit dem Gesetz vereinbar sind. Dies sei Gegenstand aktueller Prüfungen durch die Senatsverwaltung.

Queisser hofft auf ein positives Ergebnis. Eigentlich war Cabuwazi von Beginn an nur als temporäres Angebot ausgelegt, stets gekoppelt an die Unterkunft für Geflüchtete nebenan, die bis Jahresende Geschichte ist. Nachdem sie sich Anfang 2017 auf der Fläche am Columbiadamm 84 einrichten konnten, würden die Mitarbeiter nun jedoch gern bleiben. Die Vorteile liegen für sie auf der Hand. „Das Tempelhofer Feld ist zentral gelegen und sehr beliebt. Uns gefällt es hier, weil es ein sehr besonderer Ort für Freizeitgestaltung und ein kostenloses Naherholungsgebiet für alle ist“, sagt Ylva Queisser. Cabuwazi habe dafür gesorgt, dass auf der genutzten Fläche keine Steinwüste mehr sei. Stattdessen ist es dort mittlerweile grün. Eine wilde Wiese ist gewachsen. Darauf stehen drei alte Bauwagen, in denen die Büros eingerichtet wurden. Das Gelände zieren selbstgebaute Skulpturen und Blumenkästen.

Wichtig sind auch die engen Kontakte, die zu den Menschen aus der Flüchtlingsunterkunft aufgebaut wurden. Bereits 2016 startete der Zirkus ein mobiles Angebot im Flughafen für geflüchtete Kinder und Jugendliche. „Sie haben ja anfangs nicht mal die Schule besucht und blieben in der Unterkunft, wo die Situation für sie sehr schwierig ist“, erzählt Queisser. Zu Beginn sei es darum gegangen, ihnen durch Spiele und andere Bewegungsangebote das Ankommen in Berlin zu erleichtern. Heute ginge es vielmehr darum, alle Jugendlichen stärker in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Egal, ob sie aus Kriegsgebieten gekommen oder in Tempelhof, Neukölln und Kreuzberg aufgewachsen sind.

Mit Projekten und Shows habe Cabuwazi gezeigt, dass junge Menschen unabhängig von Herkunft, Sprache und Geschlecht über sich hinauswachsen können. Wenn nun nach drei Jahren die Zelte wieder verschwinden müssten, sei das sehr bedauernswert. Ylva Queisser glaubt daran, dass sie bleiben dürfen. Die Gespräche mit Grün Berlin und der Senatsverwaltung laufen. Zur Sicherheit hat sie jedoch angefangen, Unterschriften zu sammeln. Die Unterstützung von den Familien der Kinder, der Bürgerinitiative „100% Tempelhofer Feld“ sowie vielen weiteren Berlinern und des Bezirks ist Cabuwazi nach eigenen Angaben sicher.

Autor:

Philipp Hartmann aus Tempelhof

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