Empörung und Widerstand
Ist einem Bahnprojekt das Denkmal für ermordete Sinti und Roma im Weg?

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas am Simsonweg im Großen Tiergarten südlich des Reichstags.
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  • Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas am Simsonweg im Großen Tiergarten südlich des Reichstags.
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Irgendwann war die Sache in der Welt: Die Deutsche Bahn will für den Bau der neuen City-S-Bahn S21 im Bereich zwischen Reichstag und Potsdamer Platz das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas im Großen Tiergarten entfernen oder versetzen.

Die Tageszeitung schrieb: „Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas im Tiergarten ist bedroht.“ In einigen Jahren soll dort in offener Bauweise der neue S-Bahntunnel zwischen Hauptbahnhof und Potsdamer Platz entstehen. Die von dem israelischen Künstler Dani Karavan entworfene Gedenkstätte am Simsonweg im Großen Tiergarten solle nach aktuellen Plänen der Bahn zeitweilig entfernt oder in Teilen gesperrt werden. „Beim Zentralrat Deutscher Sinti und Roma stößt das auf Empörung und Widerstand“, so die Zeitung.

Der Verein Amaro Foro, eine Jugendorganisation von Roma und Nicht-Roma, forderte die Bundesregierung, das Land Berlin und die Deutsche Bahn auf, eine Lösung zu finden, die das Denkmal „nicht im Geringsten“ berühre. Die Initiative Sinti-Roma-Pride, vertreten durch Verena Lehmann, Benjamin Harter, Julie Georg, Vojtech Gina und Esther Reinhardt-Bendel, startete auf Change.org die Protestpetition „Das Mahnmal der ermordeten Sinti & Roma bleibt!“ und schrieb einen offenen Brief an die Deutsche Bahn. Darin wirft Sinti-Roma-Pride dem Konzern Ignoranz und Pietätlosigkeit vor. „Wenn Sie wirklich zugunsten Ihres Profits als Bahnunternehmen mit dem Gedanken spielen, unser Mahnmal zu verändern oder zu beseitigen, weil es Ihnen im Weg steht, erinnern wir Sie daran, dass die Deutsche Reichsbahn maßgeblich an millionenfachem Mord an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern beteiligt war.“

Frühe Planungsphase

Der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn (DB) Alexander Kaczmarek widerspricht: „Die Gedenkstätte wird durch den neuen S-Bahntunnel nicht angetastet. Wir sind uns der herausragenden Bedeutung des Denkmals bewusst.“ Auch während der Bauarbeiten werde immer ein Zugang zum Denkmal möglich sein. Kaczmarek: „Wir sind noch in einer frühen Planungsphase, noch deutlich entfernt von den gesetzlich geforderten Beteiligungs- und Genehmigungsverfahren. Ich bin zuversichtlich, dass wir, wie zuvor mit der Baukommission des Deutschen Bundestages für den Bereich des Reichstagsgebäudes, gemeinsam zu einer guten Lösung für den gesamten Bereich zwischen Reichstag und Potsdamer Platz kommen.“

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma hält dagegen. „Das Denkmal für die im NS ermordeten Sinti und Roma Europas wird durch den geplanten Bau der S21 massiv beeinträchtigt“, so Romani Rose. Das Denkmal bestehe nicht nur aus dem schwarzen Becken. Es umfasse selbstverständlich das gesamte von Karavan gestaltete Ensemble, argumentiert Rose. „Die geplante Baustelle wird weit über die Hälfte des Geländes umfassen“, weiß der Zentralratsvorsitzende. „Eine solche umfassende Beeinträchtigung des Gedenkens ist für die Überlebenden und ihre Familien, war und ist für den Zentralrat unvorstellbar.“

„Die Gespräche laufen“, sagt Matthias Waha, DB-Sprecher für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Am 4. Juni war auf Einladung von Verkehrssenatorin Regine Günther eine Zusammenkunft aller beteiligten Institutionen geplant. Welches die Ergebnisse aus dem Gespräch mit der Senatorin, Vertretern des Bundestages, des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma sowie Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sind, war aktuell nicht zu erfahren. Auch das Bezirksamt hat auf eine Anfrage zu seiner Haltung zum Thema nichts äußern wollen und nur auf die Senatsverwaltung verwiesen.

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas am Simsonweg im Großen Tiergarten südlich des Reichstags.
Diese Demo am 13. Juni gegen das Bahnprojekt wird nicht der letzte öffentliche Protest gewesen sein.
Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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