Duftende Schulflure: Gebäudereiniger putzen auf Elternwunsch Anna-Lindh-Schule

Früher gab es auf den Fluren der Schule Wasserspender, zeigt Jens Alder, dessen Sohn die dritte Klasse auf der Anna-Lindh-Grundschule besucht.
  • Früher gab es auf den Fluren der Schule Wasserspender, zeigt Jens Alder, dessen Sohn die dritte Klasse auf der Anna-Lindh-Grundschule besucht.
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 Jetzt holen die Eltern der Anna-Lindh-Grundschule in der Guineastraße 17 schon Putzfirmen in die Schule, um den Dreck wegzubekommen.

Der Flur im zweiten Obergeschoss duftet nach Flieder. Putzprofi Sven Andelewski von der Firma Alba Facility Solutions zieht die Einscheibmaschine über das Linoleum und doziert auf Nachfrage über das Nassscheuerverfahren: Die alte Versiegelung herunterschrubben, die Dreckbrühe absaugen und über Nacht die neue Versiegelung trocknen lassen – fertig ist der neue Schulflur. Drei Tage lang hat das Alba-Team alle 15 Schulflure in der Anna-Lindh-Grundschule grundgereinigt. 120 Stunden oder 7000 Euro, die Teamleiter Benjamin Hübner der Schule nicht in Rechnung stellt. „Wir unterstützen gern soziale Projekte“, sagt der Alba-Mann.

Gerufen wurde die Truppe von den Eltern, die seit Jahren über marode und stinkende Klos sowie versiffte Fußböden klagen. Die Gesamtelternsprecherin hat die Reinigungsaktion organisiert. Einen völlig abgeranzten Eindruck macht die Schule allerdings nicht. Und auch die Reinigungsprofis mussten zugeben, dass die Böden gar nicht so vergammelt waren, wie sie erwartet hatten. Damit die Journalisten doch noch erahnen können, was hier schiefläuft, wurden sie aufs Klo geschleppt. Beißender Uringeruch lässt den Atem stocken; der Gestank wabert in die Flure.

Schulstadträtin Sabine Smentek (SPD) musste das auch schon mehrmals schnuppern, wie sie sagt. Dennoch lobt sie das Engagement der Eltern und behauptet sogar, dass das Klosanierungsprogramm des Senats nur wegen der ewigen Proteste der Anna-Lindh-Eltern aufgelegt wurde. „Die schleppen bei jeder Gelegenheit alle aufs Klo“, sagt Smentek. Auch SPD-Chef Jan Stöß musste schon mit seiner Nase erschnüffeln, was es bedeutet, an der Lindh-Schule ein Schüler mit Harndrang zu sein. Smentek weiß – das bestätigen auch die Gebäudereiniger – dass man den Klogestank nur durch Neubau wegbekommt. Ein Toilettenstrang wurde mittlerweile saniert, die anderen sollen folgen, so Smentek.

Der Stadträtin sind keine Klagen bekannt

Die Flur-Putzaktion hält die Stadträtin nicht für unbedingt notwendig. Klagen nach der normalen Reinigung durch die Putzfirma seien ihr aktuell nicht bekannt, so die Stadträtin. Den Aktionismus verbucht sie unter „besonderes Engagement der Eltern.“ Die wollten eben ihre Schule vor den Feierlichkeiten „blitzeblank haben.“ Die Anna-Lindh-Grundschule feiert vom 30. Mai bis zum 3. Juni ihr 60-jähriges Jubiläum.

Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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